SPÖ-Spitze für Wieder­kandidatur Heinz Fischers

21. Juni 2009, 17:04
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Kanzler Faymann sagt Unterstützung zu und warnt Familie Pröll vor "Höhenrausch"

Wien - SPÖ-Chef Werner Faymann gab sich sarkastisch: "Die Familie Pröll befindet sich im Höhenrausch, gäbe es noch einen dritten Pröll in der Politik, würde der- oder diejenige wahrscheinlich auch noch für das Amt des Nationalratspräsidenten kandidieren", kommentiert der Kanzler bei der Bundesfrauenkonferenz in Linz amSonntag die Diskussion über einen ÖVP-Präsidentschaftskandidaten.

Aus Sicht der SPÖ ist für Faymann klar, wer bei der Wahl 2010 sicher antreten soll. "Wir, die Sozialdemokraten, sind stolz auf die Leistungen von Heinz Fischer, wir stehen geschlossen hinter ihm. Und wir werden unseren ganzen Einsatz dafür verwenden, dass der Bundespräsident auch künftig Heinz Fischer heißen wird", sagte Faymann. Noch ziert sich aber Fischer. "Der Herr Bundespräsident hat Freude am Amt", richtet sein Sprecher Bruno Aigner in der Kronen Zeitung aus - was für das Kleinformat nur einen Schluss zuließ: "Fischers Antritt rückt jetzt näher", titelt die Zeitung am Sonntag. Im Blattinneren war man sich schon ganz sicher. An Fischers Antreten bestehe "kein Zweifel", hieß es da.

Den hat auch der Wiener Bürgermeister nicht. Michael Häupl rechnet mit dem Wiederantreten Fischers. Er gehe nicht davon aus, dass ein Plan B nötig sein werde, sagte Häupl in der ORF-Pressestunde. Die seit kurzem herrschende ÖVP-freundliche Linie der Krone wollte er nicht kommentieren.

Das Verhältnis der beiden Prölls zur Krone könnte nicht besser sein, seitdem letzte Woche Herausgeber Hans Dichand sich für Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll an der Staatsspitze und für dessen Neffen Josef Pröll als Kanzler ausgesprochen hatte. Beide traten in der Sonntag-Ausgabe zum Doppelinterview an, Erwin Pröll wiederum feierte am Samstagabend mit Dichand-Junior Christoph und dessen Frau Eva Sonnenwende. Und er hält sich selbst bedeckt, auch wenn die steirische VP ihn bereits als Wunschkandidaten nennt. Er meint, zuerst müsse sich Fischer deklarieren. Von Niederösterreichs ÖVP wird vorsorglich schon gestreut, Fischer sei gesundheitlich angeschlagen.

Viele Stimmen in der ÖVP warnen davor, dass eine Gegenkandidatur zu Fischer gefährlich sein könnte. "Wir haben Zeit, und wir haben Ruhe, weil wir genug Kandidaten haben", die Partei würde darüber im Herbst entscheiden, mahnte auch Parteichef Josef Pröll beim ÖAAB-Bundestag am Samstag.

Einschüchterungsversuch

Auch Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl, dem selbst immer wieder Ambitionen auf das höchste Amt im Staat nachgesagt werden, hält von einer Diskussion zum derzeitigen Zeitpunkt nichts. "Man wird das alles zum gegebenen Zeitpunkt besprechen", sagte Leitl am Sonntag zum Standard. "Es ist noch zu früh. Nur weil eine Idee einmal geäußert wurde, fängt in Österreich noch keine politische Diskussion an."

Das Drängen Erwin Prölls auf eine Fischer-Entscheidung führt der Politikberater Thomas Hofer auf eine strategische Frage zurück. "Das ist eine Art prophylaktischer Einschüchterung. Er will Fischer zeigen: 'Du kannst dich auf einen heftigen Wahlkampf einstellen'", sagt Hofer zum Standard. Das mögliche Kalkül: Fischer soll dazu bewogen werden, auf eine neuerliche Kandidatur zu verzichten.

Im Falle eines Duells Fischer - Pröll rechnet Hofer trotz Amtsbonus nicht damit, "dass das eine gmahte Wiesen" für Fischer wird. Die FPÖ hat bereits einen eigenen Kandidaten angekündigt, auch die Grünen überlegen. Bekommt Fischer im ersten Wahlgang keine absolute Mehrheit, sei alles offen, meint Hofer. Er erwartet auch, dass sich Erwin Pröll vom Amtsverständnis her eher als Mann mit "Leadership", vergleichbar mit Nicolas Sarkozy präsentieren würde. (go, ker, pm, DER STANDARD, Printausgabe, 22.6.2009)

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    Hans Dichand hat es geschafft, den Kampf um die Hofburg einzuläuten.

  • Nicht ohne Krone: Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (mit Gattin Sissy, links) feierte am Wochenende Sonnenwende mit Christoph und Eva Dichand.
    foto: toppress/schöndorfer

    Nicht ohne Krone: Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (mit Gattin Sissy, links) feierte am Wochenende Sonnenwende mit Christoph und Eva Dichand.

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