Mogadischu bittet um internationale Intervention

21. Juni 2009, 12:20
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"Innerhalb von 24 Stunden Truppen nach Somalia schicken"

Nairobi/Mogadischu - Nach der Ermordung von zwei Politikern innerhalb von zwei Tagen hat der somalische Parlamentspräsident Sheik Aden Modobe die internationale Gemeinschaft und die Nachbarstaaten zur Intervention aufgefordert. "Wir bitten die Nachbarländer, innerhalb von 24 Stunden Truppen nach Somalia zu schicken", sagte der Parlamentspräsident am Samstag. Die Eskalation der Gewalt zwinge Somalia zu dieser Bitte. Die Regierung ist in den vergangenen Wochen durch die Angriffe radikalislamischer Gruppen zunehmend in Bedrängnis geraten. Modobe sagte, die Milizen würden von einem "ehemaligen pakistanischen Armeegeneral angeführt".

Kenias Außenminister Moses Wetangula hatte bereits am Freitag nach einem Treffen mit EU-Diplomaten erklärt, die Afrikanische Union (AU) suche nach "Optionen", um die somalische Regierung vor den militanten Gruppen zu schützen. "Wir können in einer Situation wie dieser nicht tatenlos zusehen", sagte er. Die Entwicklung in Somalia bedrohe auch die Sicherheitsinteressen Kenias.

Entscheidung der internationalen Gemeinschaft nötig

Der äthiopische Informationsminister Bereket Simon betonte dagegen, Äthiopien werde in Somalia nur intervenieren, wenn es eine entsprechende Entscheidung der internationalen Gemeinschaft gebe. Äthiopien hatte Ende 2006 den Sturz der Union der Islamischen Gerichte militärisch unterstützt und erst im Jänner seine Truppen aus Somalia zurückgezogen.

Allein bei dem Selbstmordanschlag auf Sicherheitsminister Omar Hashi waren 35 Menschen getötet worden. Inzwischen hat sich die Al-Shabab-Miliz zu dem Attentat bekannt. Die Miliz wird von den USA als Terrororganisation mit Verbindungen zu Al Kaida eingestuft. Sie hat in den vergangenen Wochen die Regierung des gemäßigten Islamisten Sheik Sharif Ahmed zunehmend in Bedrängnis gebracht. Der Parlamentsabgeordnete Mohammed Hussein Addow war am Freitagabend im Norden Mogadischus von Unbekannten erschossen worden.

Nur Teile des Landes und der Hauptstadt Mogadischu werden von den Regierungstruppen kontrolliert. Mehr als 120.000 Menschen sind allein seit Anfang Mai vor den Kämpfen geflohen. Insgesamt leben in Somalia nach UNO-Angaben 1,3 Millionen Menschen in Flüchtlingslagern. (APA/dpa)

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