Liebesgrüße aus Ungenach

19. Juni 2009, 19:27
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Pfarrer Josef Friedl hat nach gut 25 Jahren seiner Liebsten den Laufpass gegeben - Von Markus Rohrhofer

Letzlich ist es eine klassische "österreichische Lösung" geworden: Keiner verliert das Gesicht und das eigentliche Problem wird nur an der Oberfläche angekratzt. Pfarrer Josef Friedl hat nach gut 25 Jahren zumindest offiziell seiner Liebsten den Laufpass gegeben. Für Gott, den Papst, den Bischof und wahrscheinlich auch fürs Vaterland. Das Ungemach aus Ungenach scheint auf den ersten Blick abgewandt, doch es lohnt ein zweiter Blick. Da offenbart sich einmal mehr die kirchliche Scheinheiligkeit.

Natürlich wird der umtriebige Landpfarrer nicht sein (Liebes-)Leben ändern. Offiziell ist das Beziehungsende zwar unterschrieben, inoffiziell wird Hochwürden keiner unter die Tuchent schauen. Womit man wieder bei bekannt klerikalen Mustern wäre: schweigend dulden, was ohnehin nicht zu verhindern ist. Lieber insgeheim nette Geburtstagsgrüße aus dem Bischofshof an die Pfarrerskinder verschicken, als einmal offen die Zugangsbestimmungen zum Priesteramt zu überdenken und zu erkennen: Eine funktionierende Partnerschaft steht dem Dienst an der Kirche nicht im Weg.

Doch von dieser Erkenntnis ist man noch weit entfernt. Symptomatisch dafür war der Besuch führender Vertreter der österreichischen Bischofskonferenz dieser Tage in Rom. Papst Benedikt XVI. stellte dabei die Gretchen-Frage in den Raum, ob die Bischöfe auch weiter an die Sinnhaftigkeit des ehelosen Lebens von Priestern glauben. Die Antwort darauf fand auf unerklärliche Weise leider nicht den Weg ins offizielle Abschlusskommuniqué. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD Print-Ausgabe, 20./21.06.2009)

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