Kanadas Robben profitieren von der Krise

19. Juni 2009, 19:24

Die kanadische "Robbenernte" blieb heuer unter der erlaubten Fangquote -Die Rezession ließ die Preise für Robbenfelle abstürzen - Auch das ins Haus stehende Importverbot in die EU zeigt Wirkung

Wien/Ottawa - Zu den wenigen "echten" Gewinnern der weltweiten Wirtschaftskrise dürften die Robben Neufundlands und an der kanadischen Ostküste zählen. Denn nach Angaben des kanadischen Fischereiministeriums wurden in der aktuellen Jagdsaison lediglich ein Viertel der 280.000 zur Jagd freigegebenen Tiere getötet. In diese Quote fallen auch die 64.000 zur Tötung freigegebenen Jungtiere. Insgesamt, so die Fischereibehörde, seien aber in der soeben zu Ende gegangenen Jagdsaison nur 70.000 Sattelrobben erlegt worden.

Als Grund dafür werden neben der globalen Rezession vor allem die derzeit extrem niedrigen Pelzpreise und das bevorstehende Importverbot für Robbenprodukte in die EU ins Treffen geführt. Dies habe sich spürbar auf die Jagdstatistik ausgewirkt, erklärte ein Sprecher der kanadischen Robbenjägervereinigung.

Viele Robbenjäger, so der Experte, hätten daher in dieser Saison nicht an der umstrittenen Jagd teilgenommen: Der Preis für ein Robbenfell sei auf 14 kanadische Dollar (etwa neun Euro) gefallen. Vor zwei Jahren betrug der Preis pro Fell noch 100 Dollar.

Für viele Fischer im Osten Kanadas stellte sich nun jedoch die Frage, ob sich die Jagd am Packeis für sie überhaupt noch lohnt. Mit Hilfe der Robbenjagd gegen Ende des Winters bessern vor allem Fischer aus abgelegenen Gegenden seit jeher ihr Einkommen auf. Das Hauptjagdgebiet befindet sich im Golf des Sankt-Lorenz-Stroms westlich von Neufundland. Die Tiere werden von den Fischern erschlagen und gehäutet - die Kadaver bleiben oft auf dem Eis zurück.

Neben der Rezession drücken derzeit aber auch die Lagerbestände aus dem letzten Jahr die Preise: Zum einen steht der russische Rubel schlecht. Aber auch die international sinkende Nachfrage nach Robbenprodukten hat dazu beigetragen, dass derzeit noch 60.000 Felle aus dem vergangenen Jahr auf ihre Verwendung warten.

Tierschutzorganisationen begrüßten diese Entwicklung. Sheryl Fink vom Tierschutzbund "International Fund of Animal Welfare" (IFAW), erklärte zu den sinkenden Fellpreisen: "Natürlich sind wir erfreut. Wir haben nichts dagegen, wenn der Markt ein Ende dieses unmenschlichen Schlachtens herbeiführt."

EU beschloss Importverbot

Einer der Gründe für Überschuss und Preissturz liegt in dem in diesem Frühjahr von der EU beschlossenen Importverbot für Robbenprodukte. Die Abstimmung im Parlament fand bereits im Mai statt, das letzte Wort liegt aber beim EU-Ministerrat. Dessen Beschluss wird für den 25. Juni erwartet.

Ausgenommen von den Einfuhrbestimmungen sind lediglich Erzeugnisse, die aus der traditionellen Jagd der Inuit stammen. Das Importverbot wird formal zwar erst im Oktober in Kraft treten, dürfte sich aber schon jetzt auf die Lust der Käufer auf Robbenfell auswirken. Dass nur rund zehn Prozent der Robbenexporte nach Europa gingen, ändert nichts an der Signalwirkung dieser Maßnahme.

Das wissen auch Kanadas Politiker: Nach der Abstimmung im EU-Parlament verteidigte man die Jagd als "human und nachhaltig". Fischereiministerin Gail Shea war "sehr enttäuscht" über den Beschluss im EU-Parlament: Kanada habe immer wieder stichhaltige Beweise für die Nachhaltigkeit der Robbenjagd dargelegt, diese würden aber in Europa nicht verstanden, klagte Shea in Ottawa. (Marie-Theres Egyed, DER STANDARD Print-Ausgabe, 20./21.06.2009)

Kommentar posten
17 Postings
Franziska Pfleum
00
16.7.2010, 21:37
Robbebkrise

Nun ja, die Robben können doch nichts für eine Krise, wie sie auch immer geschimpft wird. Tatsache ist, eine Vielzahl von Robbeb sind für die Abschlachtung freigegeben und so wird es auch durchgeführt. Sehe ich diese Bilder, der Schlachtungen, muß ich zu meinem Schrank gehen und meinen Robbenmantel streicheln. Ob Krise oder nicht, ob noch weitere Robbenkleidungen dazu kommen?

BeachBuddy
00
21.6.2009, 18:58

Kanadas Robben profitieren???
Wenn ich mir das Bild ansehe haben sie verloren.

Lieber Standard, wie kann man nach einen Gemetzel profitieren?????????????????????????????
Nicht einmal Tiere konnen das!

neferaton
00
21.6.2009, 10:45
Drunks, Lovers, Sinners and Saints: Canada

opinion leader1
70
20.6.2009, 19:59
ihr findet das bild grausig?

ihr findet das bild grausig?
ich auch
habt ihr haustiere?
ich nicht
nennt ihr euch tierliebend?
ich mich schon
esst ihr fleisch?
ich nicht
wisst ihr, wie grausig das vorgehen ist, bevor ihr euer essen schön brav im plastik verpackt kauft?

rudolf schladming
 
01

wenn wir deiner veganen religion beitreten wollten würden wir uns schon melden. danke.

honiggoscherl
12
21.6.2009, 10:25
mag sein, aber:

die tiere werden oftmals für den verzehr gezüchtet. es würde sie nicht geben, täte man sie nicht essen.

daher finde ich das geringfügig etwas anderes, als in neufundland ein massaker unter wildtieren anzurichten.

salzstangerl1
04
20.6.2009, 23:45

Es ist eine Sache wenn Tiere getöten werden für den Verzehr, und eine GANZ andere wenn diere wegen ihres Fells getötet werden und der Kadaver liegen bleibt.

Pannonia Jack
21
20.6.2009, 20:12

Wetten, dass sie Produkte kaufen, die auch tierische Bestandteile enthalten! Seife zum Beispiel. Also spielen sie sich nicht als Heiliger auf und seien sie Realist. Und außerdem: Der Salat, welchen sie statt Fleisch essen, könnte mit ein Grund sein, dass der Regenwald weiter reduziert wird. Die Welt ist nicht so einfach gestrickt, wie sie es gerne hätten.

Die dritte Seite der Medaille
01
21.6.2009, 13:58

ich bin ja auch keine Kampfvegetarierin, oder wie sie das nennen würden, aber das mit dem Salat und dem Regenwald ist Blödsinn.

Für Fleisch braucht man (bei gleicher Kalorienanzahl in der resultierenden Nahrung für den Menschen) wesentlich mehr Erdoberfläche als für Pflanzen, schließlich müssen die Tiere ja auch irgendwas essen.

Ich bin der Meinung, wenn man schon Tiere tötet, um sie zu essen oder sonst was draus zu machen, sollte man erstens wirklich keine Wildtiere verwenden (Fisch!) und zweitens möglichst alles des Tiers verwenden, und drittens für vernünftige Haltung und Schlachtung ohne Leid für das Tier sorgen.

opinion leader1
00
21.6.2009, 09:48
soso...

pannonia jack: super aussage - sie disqualifizieren sich selbst.
mir ist schon klar, dass auch produkte, wo man nicht reinschaun kann, tierische dinge enthalten, dennoch esse ich kein fleisch bzw. tierisches mehr, weil es alternativen gibt und mir der planet und die lebewesen am herzen liegen.
aber es macht nichts, dass sie noch nicht so weit sind - tut mir leid für jeden, der noch "schläft" - vielleicht kommts früher oder später auch noch soweit...
ethisch korrekten mord gibt es nicht - welcher zweck auch dahintersteckt: mord ist mord - da können sie noch so viel blödsinn daherschwafeln...aber bei solchen personen redet man gegen eine mauer...

flaute
10
21.6.2009, 00:43

man kann durch das leben gehen, ohne tierische produkte zu konsumieren, ob sies glauben oder nicht. zwar schwer, aber möglich.

Ingrid Goeschl1
01
20.6.2009, 16:29
Da soll noch einer sagen, dass die EU nichts Sinnvolles macht!

Warum man in einer Zeit, in welcher es wirklich genug schöne und warme Materialen zur Auswahl gibt, unbedingt echte Tierpelze tragen muss, ist mir ein Rätsel.

Jumper123
05
20.6.2009, 16:22
das foto ist DER wahnsinn!

Norbert Ranftenhuber
 
02
20.6.2009, 15:52
Beobachtung des "humanen" Robbenschlachtens in Kanada verboten

Mit Geldstrafen bis zu 100.000 kanadischen Dollars und einem Jahr Gefängnis wird in Kanada bedroht, wer das alljährliche Robbenschlachten beobachtet und dokumentiert (Quelle Stern: http://tinyurl.com/l9al5o). Warum wohl? Aus dem gleichen Grund, warum China ausländische Journalisten nicht in Tibet haben möchte: Vertuschung, Schönreden, Verdrängung. Einfach nur widerlich.

Nähere Informationen: http://blog.migaloo.de

NONE
00
20.6.2009, 15:35

"Kanada habe immer wieder stichhaltige Beweise für die Nachhaltigkeit der Robbenjagd dargelegt, diese würden aber in Europa nicht verstanden, klagte Shea in Ottawa."

Merkwürdige Begründung mit "Nachhaltigkeit" zu argumentieren. Alles was verwertet wird, ist ja "nachhaltig" da die Industrie z.bsp Fleisch dauerhaft verkaufen möchte, und so immer genügend Tiere vorhanden sind um Verluste ersetzen zu können.
Überspitzt formuliert bedeutet so eine Begründung das, solange eine Population geschützt ist (durch Nachwuchs neuer Mitglieder) ist es völlig in Ordnung die bestehenden Adulten verwerten zu können.

Beim Menschen wird diese Begründung nicht verwendet obwohl sich Menschen nachhaltig fortpflanzen.

Günther Weidhofer
00
20.6.2009, 11:56
Demaskiert

In meinen Augen ein eindeutiger Beweis, das die Argumente der Lobby einfach unehrlich waren. Es wird da immer auf die armen Fischer und deren hungernden Kinder verwiesen, die bei einem Verbot vor dem Nichts stehen würden.
Nachdem jetzt offensichtlich nicht mehr genug Profit rauszuholen ist, bleiben die Fischer/Fänger einfach zu Hause. War ja nur ein lukratives Nebengeschäft.
Schade dass es das nicht mehr ist – beuten wir eben andere Lebewesen aus.
Und wehe dem, der sich dort in den Weg stellt. Der bekommt dann die Keule der Armut zu spüren.

honiggoscherl
02
20.6.2009, 10:40
was für ein grausiges bild.

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