Es war ein lauer Abend

19. Juni 2009, 18:09
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Lauda mit Laura Rudas über Martin Graf und diese "ganze braune Sch....!"

Den Superlativ gibt es nicht, an dem "News" vorbeikommt, ohne ihn mitzunehmen. Habsburgs schönste Tochter wurde diese Woche auf dem Titelblatt abgefeiert, gleich neben Niki gegen Strache: "H.-C. & Graf sind für mich das Ärgste ...!" Auf Seite 3 schwärmte der feinsinnigste Chefredakteur weiter. Niki Lauda, Österreichs berühmteste Sportlegende, traf auf Laura Rudas, Österreichs spannendste Politnachwuchshoffnung. Kein Wunder: Lauda war erregt. Dabei gab es dafür keinen unmittelbaren Anlass. Es war eine dieser perfekten Nächte. Entspannt und einfach schön. Ein Abend, der selbst die notorischen Frühnachhausegeher in seinen Bann zog.

Dann war es doch nicht der Abend, der die berühmteste Sportlegende in seinen Bann gezogen hat, es war auch nicht Österreichs spannendste Politnachwuchshoffnung, sondern es war der demokratischste aller dritten Nationalratspräsidenten. Lauda war erregt, weil u. a. Rechtspolitiker Martin Graf im Parlament im Präsidium sitzen darf und dies kaum einen erzürnt. Vermutlich kommt er nicht so viel zur Zeitunglektüre. Begreiflicher war da schon: Und Laura Rudas war erstaunt, just in Lauda einen Gleichgesinnten in ihrem Kampf gegen Rechts gefunden zu haben. Tut sie sich doch just in der Löwelstraße damit viel schwerer, weshalb sie mit ihrem Erstaunen nicht nur aus dem Häuschen, sondern auch in das Nachrichtenmagazin geriet, ohne an Laudas Erregung anderen Anteil zu nehmen als in Gesellschaft der Society-Chefin von "News" danebenzustehen und Lauda recht zu geben.

Wie gesagt, es war ein lauer Abend, und so kam es, wie es kommen musste. Irgendwann regte sich Niki Lauda über die FPÖ und Martin Graf derart auf, dass plötzlich dieser eine Satz fiel: "Dieser ganze braune Sch . . .!" Das verdiente Lob. In Laudas Gespräch mit NEWS schaltete sich auch SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas, ebenfalls bei diesem Event anwesend, ein: "Es freut mich, dass wenigstens bekannte Persönlichkeiten wie Niki Lauda den Mut haben, offen etwas gegen den Rechtsruck zu sagen. Ich würde mir das von so manchen Politikerkollegen wünschen."

Als Bundesgeschäftsführerin der SPÖ hätte sie es in der Hand, zur diesbezüglichen Ermunterung von so manchen Politikerkollegen an der Spitze ihrer Partei etwas beizutragen, aber so weit dürfte ihr mächtiger Arm nicht reichen. Und was wäre das schon gegen gezielte Öffentlichkeitsarbeit unter der Patronanz von "News"? Ein Zufallstreffen zwischen SP-Geschäftsführerin Laura Rudas & Airliner Niki Lauda wurde zur Abrechnung mit der FPÖ & NR-Präsident Graf. Nur der Satz mit der ganzen braunen Sch . . . fehlte in der Abrechnung. Denn, wie der Chefredakteur mitteilte, Lauda wäre nicht Lauda, hätte er uns am Dienstag nicht nochmals kurz angerufen: "Streicht den Satz aus dem Interview. Der Rest muss bleiben. Aber: Sch . . . sagt man nicht."

Nur der technologischen Aufgeschlossenheit von "News" verdanken wir es, dass Herrn Laudas Kernbotschaft der Menschheit dennoch erhalten blieb - auf news.at werde man sie sehr wohl hören und sehen können. Weil Filme halt nicht so leicht schneidbar sind. "Egal", sagte Lauda, als wir ihm das sagten, "ich will es nur nicht gedruckt sehen." Print gewinnt eben nicht immer. Schade, meinte der Chefredakteur. Wie so oft ist Lauda genau am Punkt.

Aber Laura wäre nicht Laura, wenn sie es nicht auch auf den Punkt gebracht hätte. Wir haben die FPÖ ja enttabuisiert. Was man tun muss, ist: entlarven! Damit wird die SPÖ nach diesem Zufallstreffen ganz bestimmt beginnen, sagen wir ab nächster Woche. Auf Lauras Geheiß, denn: NR-Präsident Martin Graf ist auch nicht mehr so jung, um sich zu ändern. Wenn einer in diesem Alter noch immer Burschenschafter um sich hat, dann hat es einen Grund.

Den Satz mit der ganzen braunen Sch . . . wird Graf vermutlich locker wegstecken, aber der Vorwurf aus dem Mund der spannendsten Politnachwuchshoffnung, nicht mehr jung genug zu sein, um sich zu ändern, wird ihm in einem Nationalrat, gerammelt voll von änderungswütiger Jugendlichkeit, endlich den Rest geben. Wenn das auch nichts hilft, dann gibt es gegen diese FPÖ nur noch eines: entlarven!

Hatte "News" beim Antifaschismus per Zufall die Nase vorn, musste man sich bei Habsburgs schönster Tochter der "Krone" geschlagen geben. Das galt es durch ein seriöses Urteil wettzumachen. Das Temperament dürfte die Jung-Aristokratin tatsächlich von der Mutter geerbt haben, die erdende Besonnenheit vom Vater. Eine Mischung, die ab sofort Österreich verzaubern sollte. Obacht Mausi!(Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 20./21.6.2009)

  • Habsburgs schönste Tochter am "News"-Cover gleich neben Niki gegen Strache.
    foto: news

    Habsburgs schönste Tochter am "News"-Cover gleich neben Niki gegen Strache.

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