Beziehung mit Tiefschlag

19. Juni 2009, 18:00
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"Die Nacht singt ihre Lieder" am Sonntag auf Arte - Ein konsequent reduziertes Kammerspiel, bevorzugt gebaut aus langen Einstellungen

Mann und Frau wohnen zwar noch zusammen, können aber nicht mehr miteinander leben. Der Mann (Frank Giering), ein Schriftsteller ohne Verlag, ist mit seinem Sofa verwachsen. Gemeinsame Freunde oder ihre Freundinnen kommen längst nicht mehr, bei der "Stimmung" , die er verbreitet. Auch seine Eltern schauen nur ganz kurz vorbei. Die Frau (Anne Ratte-Polle), zu Hause in Mutterschutz, unternimmt kleine Fluchten. Draußen ist Herbst. "Lange halt ich das nicht mehr aus."

Der Beziehungsstellungskrieg der jungen Eltern wird in knappen Sätzen ausgefochten, auf dem beengten, gedämpft ausgeleuchtetem Terrain zwischen Wohn- und Schlafzimmer, Küche und Flur. Auf einen Befund folgt ein Exkurs, der dann, leicht verschoben, doch nur seinen Ausgangspunkt wiederfindet. Drama wird im Kopf und beim Sprechen gemacht. "Können wir nicht einfach ein bisschen reden?" 2004 haben der deutsche Regisseur Romuald Karmakar und sein Koautor Martin Rosefeldt Die Nacht singt ihre Lieder, das Bühnenstück des norwegischen Dramatikers Jon Fosse, in einen Kinofilm übersetzt.

Ein konsequent reduziertes Kammerspiel, bevorzugt gebaut aus langen Einstellungen, filmischen Räumen für zwei Figuren, ihr Schweigen und ihre Wortgefechte. Die Kamera, eingerichtet von Fred Schuler, nimmt die Personen dabei immer wieder von leicht oben in den Blick, Schärfeverlagerungen akzentuieren (Kräfte-)Verhältnisse. Oder eine lange Parallelmontage, die den Mann ungeduldig brütend zu Hause und die Frau ausgelassen beim Tanzen gegeneinanderstellt.

Danach geht es dann richtig zur Sache:Misstrauen und Eifersucht, kleine Untergriffe und perfekt sitzende Grausamkeiten. Das, was gesagt werden muss, und noch ein bisschen mehr. Die Nacht singt ihre Lieder, und ihre Sätze haben einen bitteren Klang. "So kann man doch nicht leben!" Manchmal haben Sätze dann doch Konsequenzen. Am 21. 6., Arte, 00.40 (Isabella Reicher, DER STANDARD; Printausgabe, 20./21.6.2009)

 

  • Er (Frank Giering) klebt zu Hause am Sofa fest - sie macht auswärts Party: Das gibt Stress.
    foto: berlinale

    Er (Frank Giering) klebt zu Hause am Sofa fest - sie macht auswärts Party: Das gibt Stress.

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