Berichterstattung à la Meinl

21. Juni 2009, 17:47
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Das britische Juristenblatt beschreibt die Causa MEL/Atrium

Wien - Berater von Julius Meinl V. haben am Freitag "im Namen der Meinl Bank" auf einen Artikel in der britischen Rechtszeitschrift Law Society Gazette aufmerksam gemacht. Darin setze sich "einer der bekanntesten Kommentatoren für Rechtsfragen in Großbritannien, Joshua Rozenberg, ... mit den Ereignissen rund um die Vorwürfe gegen Meinl" auseinander. Tatsächlich kommt Rozenberg zum Schluss, "dass die große Befürchtung in Österreichs Geschäftswelt ist, dass institutionelle Investoren aus dem Bereich des Common Law (angelsächsische Rechtstradition; Anm.) Österreich künftig meiden werden" .

Nach der Vorstellung der Familie Meinl (laut Übersetzung der Meinl-Berater "hat Meinls Ururgroßvater 1862 auf der Idee gerösteter Kaffeebohnen ein Luxus-Lebensmittelmarkt-Imperium aufgebaut" ) erzählt Rozenberg die Causa so: "Kleine Anleger, die MEL-Zertifikate gekauft hatten, reagierten im Sommer 2007 aufgebracht, als sie herausfanden, dass ein Fonds, der nach einer solch anerkannten Marke benannt ist, auch an Wert verlieren kann. ... Man behauptete Betrug, und die Staatsanwaltschaft begann eine Untersuchung." Meinl bestreite die Vorwürfe vehement; "ich habe keine Ahnung, wo die Wahrheit liegt", räumt der Autor ein. Aber: Die Causa "verstört alle, die im Common Law aufgewachsen sind", besondere Erwähnung finden Meinls Verhaftung und Kaution. Was Rozenberg freilich gleich zu Beginn des Artikels offenlegt: "Ich bin als Gast von Julius Meinl nach Wien gereist."

Airports und Power: Neues am Montag

Vom STANDARD befragt, erzählt Rozenberg, Meinl habe ihm "den Fall erzählt, er hat mich gefragt, ob ich mich damit beschäftigen will. Ich habe in London eineinhalb Stunden mit ihm geredet." Wer die Reise nach Wien ("Linienflug mit British Airways" ) vergangenen Montag bezahlt habe? "Meinl." Ob der Bericht ("Ich habe Dokumente eingesehen, mit zwei Anwälten Meinls, Meinl-Bank-Chef Peter Weinzierl und dem Sprecher der Staatsanwaltschaft geredet" ) trotzdem objektiv sei? Rozenberg: "Ich habe offengelegt, dass ich eingeladen war. Ob ich objektiv berichte, das müssen die Leser und Sie entscheiden. Ich sehe die Rolle der Justiz in der Causa jedenfalls skeptisch."

Am Montag wird die Meinl Bank auch Wiener Journalisten einladen; Weinzierl erklärt in einer Pressekonferenz, wie es um die Gespräche mit (Meinl) Airport und Power International steht. Die "Rebellen" haben die Bank auf rund 200 Mio. Euro geklagt; die Bank fordert angeblich ihrerseits einen zweistelligen Millionenbetrag, um das Kriegsbeil zu begraben.  (Renate Graber, Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20./21.6.2009)

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