Sommerfreuden und gar arge Schulden

19. Juni 2009, 17:34
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Mit Milchprodukten tun wir uns schwer, wie wir vergangenen Samstag zeigten

Freuen wir uns auf den Sommer. Wir können die Natur genießen, Ausgleichssport draußen machen - beispielsweise Volleyball spielen. Folgt man unserer Dienstagausgabe, ist das der Sport: 800.000 Millionen Menschen betreiben ihn angeblich. Bei einer Weltbevölkerungszahl von weniger als 7 Milliarden Menschen müssen noch ein paar auf die Welt kommen, bis es wirklich so viele Spieler gibt. Hunderte Millionen sind auch genug.

Wenden wir uns etwas Leichterem zu, einem Aperitiv. Die Franzosen greifen gerne zu Eiswürfeln, Wasser und Anisschnaps, wir brachten dieses Getränk am Donnerstag als Pernaud Picard ins Gespräch. Picard kennt man als Kapitän des Raumschiffs Enterprise, Pernaud bringt eine Automarke in den Sinn. Richtig ist Pernod Ricard, man kann auch einfach Pastis bestellen.

Es geht gesünder? Mit Milchprodukten tun wir uns schwer, wie wir vergangenen Samstag zeigten. "Russland straft Weißrussland mit Importverboten" schrieben wir, Russland schlug der Ex-Sowjetrepublik einen 355 Millionen-Euro-Kredit ab und will auch keine Milchprodukte mehr von dort. Das trifft Weißrussland hart, denn "2008 verdiente die ehemalige Sowjetrepublik mit Milchlieferungen nach Russland rund 700 Milliarden Euro." Wären es wirklich Milliarden gewesen, hätte man kaum nach einem Kredit gefragt.

Bleiben wir bei unseren Schulden. IHS-Chef Felderer macht sich Sorgen, berichteten wir am Montag, das Budgetdefizit werde bald bei 80 Prozent liegen. Und das, nachdem schon 1995 die Neuverschuldung auf 68,5 Prozent des BIPs (Bruttoinlandsprodukt) gestiegen war. Ein Mahnverfahren - die Maastricht-Kriterien sehen vor: Neuverschuldung drei Prozent, Gesamtverschuldung nicht mehr als 60 Prozent des BIPs - können wir damit parieren, dass alles nicht so schlimm ist, wenn man nur die Begriffe wieder richtig verwendet.

Das ist uns auch im Bericht über die Kunstschau "Wir malen eure Krise nicht nicht" gelungen. Es war von einer Condensed Sensation die Rede. Der Künstler Martin Rille hatte aber nichts mit Kondensation im Sinn, sein Werk heißt Coded Sensation, er hat (Musik-)Information sozusagen codiert. (Otto Ranftl, Leserbeauftragter/DER STANDARD, Printausgabe, 20.6.2009)

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