Nasenspray-Grippeimpfstoff im Tierversuch erfolgreich

20. Juni 2009, 10:38
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Präklinische Studiendaten eines Wiener Unternehmens veröffentlicht

Wien - Untersuchungen in drei Tiermodellen haben eine intensive Immunantwort und hohe Sicherheit für einen neuartigen intranasalen H5N1-Grippeimpfstoff belegt. Das zeigten präklinische Studiendaten an Versuchstieren, die das in Wien ansässige Unternehmen Avir Green Hills Biotechnology jetzt veröffentlicht hat. Die Studiendaten wurden in PloS One (Public Library of Science) publiziert.

"Die intranasale Immunisierung mit unserem Impfstoffkandidaten ist geeignet, eine starke Immunantwort gegen H5N1 Viren hervorzurufen. Die Technologie, mit der wir den Impfstoff erzeugen, erweist sich einmal mehr als besonders erfolgreicher Weg für künftige Impfungen", erklärte der Wiener Virusspezialist Thomas Muster, Gründer und Vorstand von Avir Green Hills Biotechnology.

Neben der intensiven Immunantwort zeigten die Untersuchungen im Tiermodell auch lang anhaltenden Schutz gegen verschiedene Varianten des Virus. "Unser Ansatz ist eine attraktive Alternative zu konventionellen Influenza-Impfstoffen. Klinische Prüfungen unserer pandemischen und saisonalen Vakzine-Kandidaten laufen bereits", fügte er hinzu.

Besonderheiten

Das von "Avir Green Hills Biotechnology" entwickelte Verfahren zur Entwicklung von Impfungen gegen unterschiedliche Influenza-Stämme hat gleich mehrere Besonderheiten gegenüber herkömmlichen Grippeimpfstoffen:

  • Die Verabreichung als Nasenspray statt als Injektion in den Muskel hat den Vorteil, dass der Impfschutz direkt an der Eintrittspforte des Virus stimuliert wird. Die einfache Anwendbarkeit eines solches Sprays hat besonders auch im Pandemiefall enorme Vorteile, wenn unter Umständen zahlreiche Personen gleichzeitig geimpft werden müssen.
  • Der neuartige Impfstoff kann eine wirkungsvolle Immunreaktion gegen verschiedenste Varianten des Influenza-Virus bewirken - mit herkömmlichen Impfstoffen ist das nur bedingt möglich. Diese sogenannte Kreuzprotektivität ermöglicht auch einen Schutz gegen entfernt verwandte und bereits veränderte Stämme von Grippeviren.
  • Avir Green Hills hat eine völlig neuartige Technologie entwickelt: Für den menschlichen Organismus erscheint der Impfstoff wie ein krankmachendes Grippevirus. Es kommt aber zu keiner Erkrankung, weil dem Impfstoff durch das vom Wiener Unternehmen entwickelte Verfahren der Pathogenitätsfaktor NS1 entnommen wurde. So entsteht der Impfstoff deltaFLU.
  • Die Vakzine lässt sich binnen kurzer Zeit mit jedem Influenza-Virus herstellen. Dies erfolgt in Zellkulturen.

Vielfache Anwendbarkeit

Von Bedeutung wären die aktuellen Studienergebnisse auch für die aktuelle H1N1-Pandemie (Schweinegrippe), betonte Muster: "Unsere Technologie ist für jeden Influenza-Subtypus anwendbar - auch für die aktuelle 'Neue Grippe'. Der entsprechende Virusstamm (...) ist bereits fertig und für die Impfstoffproduktion geeignet."

Als nächstes plant das Wiener Unternehmen noch im Sommer 2009 die präklinische Testung und danach den Start einer klinischen Studie zu diesem Impfstoffkandidaten. Bereits im Herbst 2008 konnte "Avir Green Hills Biotechnology" eine klinische Phase I Studie zu seinem saisonalen H1N1-Impfstoff abschließen, die gute Ergebnisse bezüglich Sicherheit und Immunantwort erbracht hat. Die dürfte auch für einen in Entwicklung stehenden H5N1-Impfstoff (Vogelgrippe-Pandemie) gelten. (APA)

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