Alte Muster in den USA und China vermeiden

19. Juni 2009, 17:31
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China erwirtschaftet weiterhin einen gigantischen Handelsüberschuss, und die USA geben weiterhin Geld aus, das sie sich leihen

Während sich die globale Wirtschaft stabilisiert, wächst die Gefahr, dass die USA und China wieder in die Muster der Zeit vor der Krise abgleiten. China erwirtschaftet weiterhin einen gigantischen Handelsüberschuss, und die USA geben weiterhin Geld aus, das sie sich leihen.

Kurzfristige Stabilität erscheint attraktiv. Doch was wird die Wiederkehr der Dynamik verhindern, deren Zeuge wir gerade wurden? Schließlich waren die US-Auslandsschulden ein Schlüsselfaktor bei der Entstehung des Finanzschlamassels, während Chinas Abhängigkeit vom exportorientierten Wachstum es anfällig für einen Einbruch der Nachfrage gemacht hat.

US-Finanzminister Timothy Geithner hat eine Überholung des Finanzsystems auf den Weg gebracht, und Chinas Führung verbessert das soziale Netz. Dies sollte die Handelsbilanz auf ein nachhaltigeres Niveau bringen. Eine stärkere Finanzregulierung in den USA bedeutet, dass die Verbraucher nicht mehr so einfach Hypotheken- und Kreditkartenschulden auftürmen können. Die chinesischen Verbraucher auf der anderen Seite könnten anfangen, mehr von ihrem Einkommen auszugeben, wenn sie weniger für Gesundheitsfürsorge, Ausbildung der Kinder und Altersvorsorge sparen müssen.

Wirkungslose Reformen

Dennoch besteht Grund zur Besorgnis. Man erschaudert bei dem Gedanken, welche Lehren der US-Finanzsektor ziehen wird, wenn es nach dem Rettungsplan von mehreren Billionen Dollar nur oberflächliche, wirkungslose Reformen gibt. Und werden sich bei den politischen Entscheidungen zum Wechselkurs wieder die Exportinteressen der chinesischen Küstenregionen auf Kosten der armen Verbraucher im Landesinneren durchsetzen?

Die Machthaber in den USA und China haben die Krise auch mit massiven Eingriffen in die Kreditmärkte bekämpft. Die fiskalische Freigiebigkeit kann nicht unendlich weitergehen. Weltbankpräsident Robert Zoellick hat davor gewarnt, dass all diese Konjunkturspritzen ein "Zuckerflash" sind, das ohne tiefere Reformen vorübergehen wird. Am Ende wird dies alles höhere Zinssätze, höhere Steuern und womöglich auch Inflation bedeuten. Der US-Verbraucher, dessen Unersättlichkeit lange das Wachstum der Welt gespeist hat, scheint auf Diät zu gehen. Neben den strengeren Kreditbedingungen werden fallende Hauspreise und Arbeitslosigkeit das Ausgabeverhalten drosseln. Offen gesagt, wären höhere US-Sparquoten nicht schlecht. Sie würden bestimmt dazu beitragen, das Risiko einer Wiederholung der Finanzkrise in naher Zukunft zu verringern. (©Project Syndicate, 2009.Übersetzung: Anke Püttmann; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20./21.6.2009)

Zur Person

Kenneth Rogoff ist Professor für Volkswirtschaftslehre in Harvard.

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