"Soja aus Österreich"

Vom Nicht-Fleisch­essen und Nicht-Milchtrinken

19. Juni 2009, 17:25
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    foto: pressefotos.at

    Vor allem in Oberösterreich und im Burgenland sowie in Teilen von Niederösterreich wird Soja angebaut.

Die ursprünglich aus Asien stammende Sojapflanze hat auch in Österreich Wurzeln geschlagen. Die Nachfrage wächst

Bruck an der Leitha - Die Herrschaften stehen knöcheltief im Sojafeld und strahlen. Es fallen Sätze wie: "Das ist eine wahnsinnig ökonomische und ökologische Pflanze." "Wir dürfen Sojamilch nicht Sojamilch nennen. Milch darf nämlich nur aus einer Drüse stammen."

Die Bauern und Verarbeitungsbetriebe, die sich in Österreich auf die Sojabohne spezialisiert haben und die im "Verein Soja aus Österreich" zusammengefasst sind, sind ein eingeschworenes Grüppchen. Lange Jahre als Aussteiger-, ja Spinnertruppe verschrien, spü-ren sie neuerdings Rückenwind. Weil die Hülsenfrucht Dreh- und Angelpunkt jeder fleischlosen, gesunden Küche ist. Und weil die Bohnen, wie fast alle pflanzlichen Produkte, um den Faktor zehn weniger klimaschädlich sind als Fleisch.

Gute Entscheidung

Derzeit stehen die Sojapflanzen kurz vor der Blüte. Herbert Stava junior, auf dessen Feld am Rande des Leithagebirges wir stehen, hat "Maple Arrow" gesät, eine alte kanadische Sorte, die sich zum Rösten und damit zum Knabbern eignet. Seine Snacks verkauft er unter der Marke Landgarten auch im Ausland.

Sein Vater, Herbert Stava senior, 71, schaut übers Feld und beglückwünscht sich zu der Entscheidung, damals, vor 20 Jahren, dem Sohn nicht zu viele Steine in den Weg gelegt zu haben. "Ich habe mir nicht recht vorstellen können, was man mit Soja machen soll", gibt er zu. Aber jetzt, wenn er von dem dahingrundelnden Milchpreis liest und den Demonstrationen aufgebrachter Milchbauern vor dem Gebäude der Brüsseler Kommission, dann ist er froh über die Entscheidung. Obwohl: Zu Hause isst er lieber weiterhin Fleisch statt des am Feld servierten Tofu-Gulaschs.

Auch Matthias Krön, Geschäftsführer der Mona Naturprodukte, weint dem Milchgeschäft keine Träne nach. Mona ist hervorgegangen aus der ehemaligen Oberwarter Molkerei. Vor ein paar Jahren verkaufte die Molkerei kurzerhand ihre Milchquoten an die Nöm. Unter dem Markennamen Joya werden seither sehr ähnliche Produkte herstellt, die nur nicht Milch oder Joghurt genannt werden dürfen, weil sie auf Sojabasis hergestellt sind.

Das meiste wird importiert

So viel könnte man machen, sagen die Soja-Jünger, die stolz darauf sind, dass heuer auf 25.000 Hektar Soja angebaut wird, was eine Ernte von voraussichtlich 70.000 Tonnen ergibt. Das ist Rekord, aber: 600.000 Tonnen Sojaschrot werden Jahr für Jahr importiert. "Mit dieser Menge lassen wir indirekt unsere Schweine und Kühe am Amazonas weiden", sagt Stava kämpferisch. Damit seien wir Fleischesser mitschuld an Rodungen von brasilianischem Regenwald.

Dazu kommt, dass dieser importierte Sojaschrot in der Regel gentechnisch verändert (GVO) ist. Das wird in Österreich, das sich bei Gentechnik-Freiheit gerne als Speerspitze sieht, halt nicht viel kommuniziert. Weil im Rinds- oder Schweineschnitzel labortechnisch nicht nachgewiesen werden kann, dass ein Tier mit GVO-Futtermittel aufgezogen wurde, hat das heimische Fleisch mit Ausnahme von "bio" alle erdenklichen Gütesiegel.

Bei dieser typisch österreichischen Blauäugigkeit sehen sich die Sojabauern als Problemlöser. Statt österreichische Überschüsse, etwa bei Weizen, mühsam und teilweise mit Steuergeldern gestützt zu exportieren, könnte man auf den überschüssigen Weizenfeldern gentechnikfreien Soja als Tierfutter anbauen. "Das wäre sogar eine Chance" , meint Stava. "Wir könnten uns als Gentechnik-freie Futtermittelproduzenten positionieren und unsere Abhängigkeit von US- und brasilianischem Sojaschrot abbauen."

Vieles gelte es in den Köpfen von Konsumenten und Politikern zurechtzurücken, ist man im Verein überzeugt. Die agrarpolitischen Strukturen in Österreich, ja, in der ganzen Europäischen Union, würden zu wenig auf Neues setzen, sondern nur versuchen, mit viel Geld alte Strukturen möglichst lange fortzuschreiben.

Tofu schmeckt fad

Für Neues ist auch Elisabeth Fischer, Ernährungsratgeberin und Autorin zahlreicher Soja/Tofu-Kochbücher. Dass Tofu im puren Zustand fad schmeckt, hält sie für einen Segen; erst diese Eigenschaft mache den universellen Einsatz möglich. Beim Erdapfel, der von Maria Theresia 1776 als Nahrungsmittel quasi verordnet wurde, da ansonsten Hungerkrisen gedroht hätten, war es ähnlich: "Die Leute waren damals skeptisch, und sie haben gefunden, die Erdäpfel schmecken fad."

Fischer ist sich sicher, dass der eiweißreichen Sojabohne hierzulande eine ähnliche Karriere bevorsteht wie der Kartoffel. Die hundert Kilo Fleisch, die Herr und Frau Österreicher im Durchschnitt im Jahr verdrücken, sind jedenfalls nicht gesund. Und nicht ökologisch. Damit ein Kilo Fleisch aufgebaut wird, braucht es rund neun Kilogramm Sojabohnen. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20./21.6.2009)

Kommentar posten
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E.B.
00

ja ok, tierfutter.
wieso jemand in einem reichen land fleisch- und milchersatz braucht, ist mir ein rätsel. jemand der keinen fisch mag, käme ja auch nicht auf die idee, eigens fischersatz zu verlangen.

ich steh jedenfalls total auf diese grünen sojabohnen aus dem TK regal. die sind die beste fruchtneueinführung seit zucchini und kiwi. sehr lecker zu fleisch und fisch. ich hoff, die kommen auch aus dem gentechnikfreien österreich.

love is all you need
 
00
10.7.2009, 15:02
vegetarier ?

ich habs versucht, komm aber ohne leckeres Fleisch nicht aus, zumindest bis jetzt, vielleicht schaff ich es ja auch einmal auch ohne fleisch auszukommen.

bewundere jeden vegetarier, der es geschafft hat.

E.B.
00
14.7.2009, 19:11

wieso essens dann kein fleisch? würde sie ein fleischimitat ernsthaft zufriedenstellen?

winston
00
28.6.2009, 15:32
aus dem link:

"Die Forscher empfehlen daher insbesondere Männern mit Problemen bei der Spermienqualität, mehr frische Lebensmittel zu konsumieren."

ok, frische leichenteile...

stinksauer
00
22.6.2009, 09:19
designer-essen-lebensmittel

tofu - analogkäse - sojasprossen zusammen gemixt schmeckt wie erdbeer, oder t-bone-steak. kommt drauf an auf welchem trip man grade ist.
man kann es auch gut zum ölen für maschinen verwenden...

Dr. Seltsam
 
00
22.6.2009, 09:39

Analog-Käse mit Soja in einen Topf zu werfen ist doch ein bisschen polemisch!

Soja gibt Antworten auf 2 Fragen:
1.) Ist es auf jeden Fall ein probater Fleisch-Ersatz und somit ein wichtiger Faktor in einem nachhaltigen Welternährungskonzept
2.) Kaum ein Nahrungsmittel kann vom Nährwert mit Soja mithalten. Es kann somit auch ein wichtiger Faktor in einem Konzept zur Bekämpfung der Zivilisationskrankheiten sein.

Soja hat NICHTS mit Designeressen oder Analogkäse zu tun!

U-Bahn Steuer
01
21.6.2009, 21:52

eh klar - ein artikel über soja, und schon wieder die lawine an unprovizierten antiveganer/-vegetarier posts

leute, ihr habts echt einen knaller!

und so nebenbei: soylent green ist menschenfleisch!

chaoslilly
00
28.6.2009, 15:30

was heisst denn "unproviziert", bitte?

U-Bahn Steuer
00
29.6.2009, 14:18

"bar jeder provokation"

skipper2002
11
21.6.2009, 14:46
ich liebe soja

esse es jeden tag.

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01
21.6.2009, 13:45
soja gehört zu den am stärksten gentechnisch manipulierten pflanze.

Dr. Seltsam
 
00
22.6.2009, 09:40

Als Tierfutter Ja
Als Lebensmittel Nein

Melodiva
02
21.6.2009, 15:39

das problem ist: das soja, das gentechnisch veraendert ist, wird den viecherln gefuettert, die dann geschlachtet und gegessen werden (das muss naemlich nicht gekennzeichnet werden)

das soja, das in österreich direkt verkauft und gegessen wird ist NICHT gentechnisch veraendert


doch lieber tofuwurst :-)

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00
21.6.2009, 19:38
stimmt beim österr. geernteten soja ist die chance auf gentechnikfrei etwas höher.

chelene chirsch
10
21.6.2009, 16:56

tofuwurst...

wenn ich mir die herstellung von tofu durchlese, wird mir bestenfalls schlecht (gips, um die pampe gerinnen zu lassen; dann pressen oder anders misshandeln...)...

ich hab in china viele ungustiöse sachen erlebt, ist wohl alles nicht sehr schick. bleib trotzdem lieber beim fleisch.

major grubert
00
21.6.2009, 15:03
der

in oesterreich angebaute?

Melodiva
00
21.6.2009, 15:38

nein

Nitram1988
06
20.6.2009, 23:28
Die große Frage ist, warum kosten veganische Produkte mehr, obwohl die nur ein Zehntel der Resourcen brauchen.

Dr. Seltsam
 
00
22.6.2009, 09:41

Kleinere Mengen, größere Handelsspannen.

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00
21.6.2009, 19:40
womöglich durch die subventionierung des fleischmarktes.

Melodiva
00
21.6.2009, 15:40

nur ein kleiner klugscheiszerischer beitrag:
es heiszt "vegan", nicht "veganisch"

nukewashington
00
21.6.2009, 13:11

marktwirtschaft

Bernhard Lassy
 
10
21.6.2009, 09:50
Es ist wie im Gastgewerbe oder auch überall anders

Die Rohstoffe stellen nur einen Bruchteil der Gesamtkosten dar, oder wie es das Gastgewerbe ausdrückt, für ein Glas Wasser habe ich den gleichen Personalaufwand wie für ein Glas Wein. Soll dann noch BIO draufstehene, dann hat man ziemlich aufwendige Vorschriften zu befolgen. Warum kostet ein Schuh beim Reiter "etwas" mehr als bei Deichmann?

yotix
 
00
21.6.2009, 01:36

Weniger Käufer = kleinere Unternehmen, höhere Kosten "pro Einheit" (Herstellung und all das Drumherum).

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