Gestrandet an der Würstelbude

19. Juni 2009, 16:42
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Gestrandete des Lebens, die eines eint: Es rumort in ihnen. "Rumor" am Linzer Schillerplatz

Ein paar Jugendliche, die ihre Zeit totschlagen, ein Sandler auf der Parkbank, ein afrikanischer Migrant und eine Frau, die auf jemanden wartet. Kein auffälliges Personal für den Schillerplatz, der, begrenzt von Würstelständen, Park und Casino, an der Linzer Landstraße liegt. Doch normalerweise steht keine Zuschauerschar auf dem Balkon und beobachtet mit Kopfhörern, was eine Stunde lang am Platz vorgeht. Volker Schmidts und Kristin Wolfs Stück Rumor spielt mitten unter den Passanten, den Benutzern des Parks; es wurde eigens für diesen Ort geschrieben und von Het Lab Utrecht (Regie: Giselle Vegter) realisiert. Die Protagonisten sind Gestrandete, vom Leben hier angespült worden: Der Afrikaner Luis (Stephen Appleton) gibt vor, Bauingenieur zu sein, und erteilt ständig telefonische Instruktionen.

Das Handy wird zur fragilen Existenzberechtigung des illegalen Migranten. Das jugendliche Kleeblatt treibt derweil seine Spielchen mit Passanten, angeleitet vom reichen Söhnchen Sami (Lukas Strasser). Kleine Mutproben für ein kleines Selbstbewusstsein. Und während der obdachlose Brutus (Frank Bätge) über das kosmische Licht philosophiert, wartet die Holländerin Inken (Reineke Jonker) vergeblich auf ihren Freund. Verlassen sind sie, traurig und wütend. Es rumort. Kommentiert durch die zynische Beobachterin May (Katharina Klar), weicht die Anonymität einer entlarvenden Intimität. "Wir sind alle nur Durchschnitt" , entfährt es Sami einmal. Als legitimierter Voyeur würde man dem Geschehen gerne noch länger beiwohnen. Doch als sich alles in einer veritablen Kettenreaktion zuspitzt, ist auch schon das Ende nah. Verdienter Applaus für Ensemble und Regie. (wo, DER STANDARD/Printausgabe, 20./21.06.2009)

 

>> Linz, Schillerplatz, Eingang Langgasse 1-7. 19.00

  • Artikelbild
    foto: r. winkler
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