Streit um Kehlmann-Roman stellt Richter vor Probleme

23. Juni 2009, 14:07
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"Wann liegt ein Porträt vor, wann eine Rezension?" - Landgericht Hamburg plädiert für gütliche Einigung

Hamburg - Im Streit um einen Bericht über Daniel Kehlmanns Roman "Ruhm" hat das Landgericht Hamburg eine gütliche Einigung zwischen dem Rowohlt Verlag und dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" vorgeschlagen. Es handle sich "sicherlich nicht um ein Musterverfahren. Dafür ist der Fall zu besonders", sagte der Vorsitzende Richter Michael Perels am Dienstag in Hamburg. In der Verhandlung ging es um einen Artikel über Kehlmanns neuen Roman, der zwei Wochen vor dem Erstverkaufstag in dem Magazin erschienen war. Rowohlt wirft dem "Spiegel" vor, sich nicht an die vereinbarte Sperrfrist gehalten zu haben.

Der Rowohlt Verlag hatte im Vorfeld angekündigt, mit dem Gang vor Gericht "ein Zeichen setzen zu wollen". Die Buchhändler steckten in einer unangenehmen Situation, wenn der Kunde mit der Besprechung in der Hand in den Laden kommt, aber das Buch noch gar nicht zu haben ist. Der neue Kehlmann-Roman kam am 19. Jänner in die Läden - der als Porträt gekennzeichnete Artikel im "Spiegel" erschien jedoch bereits am 5. Jänner. Eine den Medien vorgelegte Vertraulichkeitserklärung, den Artikel nicht vor dem Erstverkaufstag zu veröffentlichen, hatte der "Spiegel" jedoch nicht unterschrieben.

"Das ist nicht so leicht zu entscheiden"

Während der knapp einstündigen Verhandlung wurde jedoch auch deutlich, dass Rowohlt im Falle eines Porträts eine frühere Veröffentlichung genehmigt hätte. Daher sollten die Richter nun entscheiden, ob es sich um ein Porträt oder eine Rezension handelt. "Wann liegt ein Porträt vor, wann eine Rezension? Das ist nicht so leicht zu entscheiden", sagte der Richter. Für ein Porträt hätte der "Spiegel" jedoch überhaupt keine Erlaubnis einholen müssen. "Wir stehen der Klage daher eher skeptisch gegenüber und tendieren eher zur Ablehnung", sagte Perels. Gleichzeitig müsse der "Spiegel" sein Verhalten aber auch "selbstkritisch hinterfragen".

Der Vorsitzende Richter bat beide Parteien, bis zum 2. August zu entscheiden, ob sie sich gütlich einigen. Die Entscheidung sollte am 18. August bekanntgegeben werden. (APA/dpa)

  • Daniel Kehlmann: "Ruhm" (Rowohlt 2009)
    coverfoto: rowohlt

    Daniel Kehlmann: "Ruhm" (Rowohlt 2009)

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