Im Kampf gegen die Orangenhaut

  • Cellulite ist eine Schwächung der kollagenen und elastischen Fasern des subkutanen Bindegewebes - auch schlanke Frauen bleiben oft nicht verschont
    foto: apa/potodisc montage:derstandard.at

    Cellulite ist eine Schwächung der kollagenen und elastischen Fasern des subkutanen Bindegewebes - auch schlanke Frauen bleiben oft nicht verschont

Was hilft gegen Cellulite und was hilft nicht? Konsument-Test: Cellulite-Pflegeprodukte

Userin Sabine F. fragt: Was ist die Ursache von Cellulite? Gibt es eine effiziente Möglichkeit sie loszuwerden?

Alljährlich vor der Badesaison ist sie hochaktuell: die Cellulite. Mit verschiedenen Tipps, Tricks und speziellen Produkten wird der Orangenhaut in den Medien der Kampf angesagt.

Die ungeliebten Dellen schmücken vor allem Oberschenkel und Gesäß, aber auch Oberarme, Bauch und Hüften. "Klar hab ich die auch. Aber Sie werden lachen, ein bisschen Cellulite finde ich sexy", erklärte Schauspielerin und Model Milla Jovovich unverblümt in einem Bunte-Interview. Für viele vielleicht ein kleiner Hoffnungsschimmer in einer Welt, in der die Umsätze der Anti-Cellulite-Industrie kräfig steigen.

Anti-Cellulite-Produkte: Glatter Reinfall

Vor rund vierzig Jahren erschien in Frankreich das erste Anti-Cellulite-Mittel und das Sortiment an diesen Produkten hat sich seither rapide erweitert. Wer will denn schon "unschöne" Orangenhaut, wenn Cremes, Peelings & Co makellos glatte Haut versprechen? Pharma- und Kosmetikindustrie haben die "Krankheit", die keine ist, längst als einkunftsträchtigen Absatzmarkt für sich entdeckt. Denn günstig sind die Anti-Cellulite-Produkte nicht.

Ein Test in der aktuellen Ausgabe des Verbraucherschutzmagazins "Konsument" zeigt, dass die Pflegeprodukte ihre großartigen Versprechen nicht halten können. Alle neun getesteten Erzeugnisse, darunter Gele, Gel-Cremen, ein Öl und zwei Geräte, wurden mit "nicht zufriedenstellend" beurteilt. Die Haut fühlte sich bei den Testpersonen nach einmonatiger konsequenter Pflege zwar geschmeidiger an, doch auf den Zustand der Cellulite hatte das keinerlei Einfluss. Kein einziges Produkt hatte es geschafft, die Dellen auch nur ansatzweise zu vermindern. Doch wenn nicht einmal die angeblichen Wundermittel helfen, was dann?

Die Ursache sitzt tief

Zur Klärung dieser Frage muss man in der Tiefe ansetzen, nämlich in der Subkutis, der Unterhaut. Cellulite ist eine Schwächung der kollagenen und elastischen Fasern des subkutanen Bindegewebes. In der Unterhaut befindet sich zu einem Großteil Fettgewebe, das in wabenartigen Kammern angeordnet ist. Die Haut von Frauen enthält mehr von diesem Fettgewebe als die männliche. Zudem haben sie eher locker vernetzte, parallel angeordnete Bindegewebsfasern, während diese bei Männern stärker vernetzt sind. Dadurch ist die Haut von Frauen für eine Dehnung des Gewebes - etwa im Falle einer Schwangerschaft - gut vorbereitet.

Im Vergleich zu Männern trifft daher bei Frauen mehr Fettgewebe auf dünnere und dehnbarere Haut. Die Fettkammern wölben sich zwischen den Bindegewebestrukturen vor und bewirken das typische Aussehen der Hautoberfläche bei Cellulite. Zumindest einen kleinen Vorteil bringt der weibliche Aufbau der Haut: Er macht sie weicher und geschmeidiger als Männerhaut. Männer sind von Cellulite nur selten betroffen. Wenn doch, dann ist meist ein Mangel an männlichen Sexualhormonen, den Androgenen, der Grund dafür.

Schlanke Frauen und Orangenhaut

Unbestritten ist, dass übergewichtige Frauen anfälliger für Cellulite sind. Sie bekommen die unliebsamen Dellen meistens früher und in einer stärkeren Ausprägung. Aber auch normalgewichtige Frauen mit einem schwachen Bindegewebe sind stark Cellulite gefährdet. Hierbei spielt die Veranlagung eine Rolle, denn eine schwache Bindehautstruktur ist erblich bedingt. Das heißt, dass auch schlanke Frauen, sogar Sportlerinnen nicht verschont bleiben müssen.

Was hilft?

Machtlos sind betroffene Frauen gegen Cellulite jedenfalls nicht. Auch wenn erbliche Faktoren mitwirken, können andere Cellulite-begünstigende Faktoren wie unausgewogene und zu fette Ernährung, Übergewicht, Bewegungsmangel und Nikotin beeinflusst werden. Anti-Cellulite-Produkte sind zwar bequemer anzuwenden, Erfolg versprechend sind sie leider nicht. Womit man Cellulite zumindest mindern kann (ganz los wird man sie nie) sind ausgewogene Ernährung und Bewegung. Gewisse Nährstoffe helfen bei der Kräftigung des Bindegewebes - so zum Beispiel Kieselsäure, das in Vollkornreis oder Haferflocken vorkommt. Sportliche Betätigung ist neben der Ernährung ebenso wichtig, strafft das Bindegewebe und bleibt unbestritten der beste Weg im Kampf gegen die Cellulite. (Ursula Schersch, derStandard.at, 25.06.09)Sie fragen, wir antworten

Sie fragen, wir antworten

Medizinische Fragen auf dem Prüfstand - Schicken Sie uns Ihre Fragen: gesundheit@derstandard.at

 

Share if you care