Weiterhin schwaches Volumen, defensive Titel gefragt

19. Juni 2009, 15:41
posten

Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von

Der STOXX 600 verbuchte ein Minus von 4,3% und verließ damit den im März begonnenen Aufwärtstrendkanal. Nur die defensiven Sektoren Telekoms und Pharma konnten mit einem Plus von je 3% den roten Zahlen entkommen. Die Aktien der Öl & Gas Produzenten (-7%) waren in den letzten Wochen dem Ölpreis wohl etwas zu weit voraus geeilt und zeigten so diese Woche neben den Automobilherstellern (-9%) die schlechteste Performance.

Insgesamt sanken 86% der Aktien auf Wochensicht bei weiterhin schwachem Volumen. Der VDax stieg zeitweise wieder über 30 Punkte (+16%). Der Euro gab leicht ab zum Dollar und steht nun bei USD 1,39. Der Baltic Dry Index egalisierte die Verluste der Vorwoche und liegt nun bei 4.073 Punkten. Der Kupferpreis sank wieder unter die USD 5.000 Marke (-8%) und Aluminium verbilligte sich um 3% auf USD 1.642/t. Das Barrel Brent zog nach leichten Verlusten Mitte der Woche wieder an und liegt nun bei USD 70,7 (-2%).

Die Komponente des ZEW- Index für die Konjunkturerwartungen in der Eurozone stieg im Juni unerwartet deutlich um 14,2 Punkte auf 42,7 Zähler. Der DAX und der Euro legten nach den ZEW- Daten zu. Seit November 2008 klettert der ZEW- Index damit ununterbrochen. Die Einschätzungen deuten darauf hin, dass die Abwärtsdynamik in diesen Wochen zum Stillstand kommt, und Erholungstendenzen sind zum Ende des Jahres zu erwarten.

Das ZEW Institut sieht den Tiefpunkt der Rezession bald erreicht. Die gegenwärtige Lage wird mit -90,7 nach -93,2 Punkten überraschend erstmals seit September besser bewertet. Es kommt nun aber darauf an, dass eine allmähliche Verbesserung der aktuellen Situation die vorausgelaufenen Erwartungen bestätigt - sonst droht eine Erwartungskorrektur.

VW und Fiat profitieren mit Kleinwagen

Die Auto-Verkäufe in Europa fielen im Mai um 4,9% zum Vorjahr und sind somit den dreizehnten Monat hintereinander (Vormonat -11,9%) rückläufig. Nur zwei Hersteller- Volkswagen (+3 %) und Fiat (+2%) konnten ihre Umsätze steigern. Starke Rückgänge mussten BMW mit -14% und Daimler bzw. Toyota mit je -9% hinnehmen. Regional wurden vor allem in Irland (-50%), Finnland (-49%), und Spanien (-39%) weiniger Neuwagen verkauft. Verheerend scheint die Situation in Island mit -85% und nur noch 185 verkauften Autos im Mai. Stark entwickelten sich hingegen (teils durch Staatshilfen) die Verkäufe in der Slowakei (+47%), Deutschland (+40%) und Frankreich (+11%).

Erstmals in der Geschichte der Eurozone ist im Mai die Inflationsrate auf 0% gesunken. Hauptgrund sind die gesunkenen Energiepreise. In sechs Ländern der Eurozone sanken die Preise sogar. Am stärksten war der Preisverfall in Irland (-1,7%), Portugal (-1,2%) und Spanien (-0,9%).

In Großbritannien ging der Einzelhandelsumsatz im Mai überraschend 0,6% gegenüber dem April zurück (April: +0,9%). Der Markt hatte mit einem leichten Anstieg gerechnet. Die BoE teilte derweil mit dass die Neukreditvergabe in diesem Monat sehr schwach geblieben ist.

Bei der Pariser Luftfahrtmesse hatte Airbus diese Woche im Ringen um Bestellungen klar die Nase vorn. Boeing konnte nur einen einzigen Auftrag einheimsen. Erst am Mittwoch meldete Boeing einen ersten Auftrag über ganze zwei Flugzeuge zum Preis von USD 153 Mio. Vor zwei Jahren hatte der Konzern noch knapp 130 Orders aus Frankreich mitgebracht. Eines der Probleme: Boeings 787-Dreamliner Programm liegt rund zwei Jahre hinter dem Zeitplan. Ende Juni soll die Maschine zum ersten Testflug abheben. Die EADS-Tochter hingegen heimste bis Donnerstag Aufträge im Katalogwert von USD 11,5 Mrd. ein. Neben dem Verkaufsschlager A320 konnte Airbus bei dem Branchentreffen auch weitere Aufträge für seinen Hoffnungsträger A350 verbuchen, der ab 2013 Langstrecken bedienen soll. Die meisten Kunden kamen aus dem asiatischen und arabischen Raum. Die Aktie von EADS beendete die Woche beinahe unverändert bei EUR 11,4 und Boeing gab um 3,3% auf USD 49 ab.

Porsche: Schuldenlast drückt

Der hoch verschuldete Sportwagenhersteller Porsche hat einen Rückgang bei Umsatz, Absatz und operativem Ergebnis verzeichnet: Zwar konnte Porsche vom Kurs der VW-Aktie profitieren - doch Kredite drücken. Der Umsatz sank im Vergleich zur Vorjahresperiode von August bis April um 15% auf EUR 4,6 Mrd. Das operative Ergebnis lag unter dem Vorjahr. Dagegen ist der Gewinn aus VW-Aktienoptionsgeschäften durch den hohen Kurs der VW- Stammaktie "deutlich angestiegen". Bereits in den Vorjahren hatte Porsche keine genauen Zahlen bekannt gegeben, sondern nur eine Tendenz. Dafür drückt das Ergebnis ein hoher Refinanzierungsbedarf. Mittlerweile hat sich Porsche Kredite in Höhe von EUR 10,75 Mrd. gesichert. Weitere EUR 1,75 Mrd. sollen von der Förderbank KfW kommen. Zudem führen die Stuttgarter derzeit Gespräche über einen Einstieg des finanzstarken Emirats Katar.

Entgegen der bisherigen Prognosen gibt es laut K+S derzeit keine Anzeichen für einen deutlichen Anstieg der Düngemittelnachfrage in Europa im zweiten Halbjahr 2009. Angesichts dieser tristen Perspektiven senkt K+S die Schätzung für den diesjährigen Düngemittelabsatz von knapp 6 Mio. auf 4,0 bis 4,5 Tonnen. S&P hat das Rating des Düngemittel- und Salzherstellers K+S AG mit einem negativen Ausblick versehen (bislang: stabiler Ausblick). Die Aktie gab diese Woche um fast 8% auf EUR 41,5 nach.

Auch BASF sieht derweil die Talsohle für den Konzern noch nicht durchschritten. Einziger Lichtblick sei derzeit Asien, insbesondere China. Die Gläubigerbanken von Heidelbergcement sind nun bereit, einer Umschuldung von EUR 8,7 Mrd. zuzustimmen. Für die Aktie ging es diese Woche um 8,7% nach oben. Der Werkstoffhersteller SGL Carbon verzeichne zum Auftakt des laufenden Quartals rückläufige Aufträge, sagte der Vorstandsvorsitzende Robert Koehler in der Hauszeitschrift.

Nächste Woche werden einzig die Q2 Zahlen von H&M veröffentlicht. Am Montag wird der Ifo-Index veröffentlicht. Sowohl bei der Erwartungs- als auch bei der Lagekomponente wird ein Anstieg erwartet.

Share if you care.