Steigende Energiepreise belasten Börsen und Konsumenten

19. Juni 2009, 15:37
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Hans Engel

Der US Aktienmarkt legte nach dem starken Anstieg der letzten Monate eine kleine Verschnaufpause ein. Die Aufwärtsbewegung ist offenkundig vorerst einmal zu Ende, eine moderate Korrektur der jüngsten Kursanstiege ist auch aufgrund der üblichen saisonellen Schwankungen der Märkte gegen Ende Juni nicht ungewöhnlich. Während der Aktienmarkt derzeit also in eine Konsolidierungsphase eintritt, litten US-Anleihen, insbesondere Staatsanleihen gegen Wochenschluss unter stärkerem Abgabedruck.

Ein wichtiger, negativer Einflussfaktor war in dieser Woche der weiterhin hohe Ölpreis, der ab Wochenmitte sogar auf mittlerweile USD 72 zulegen konnte. Derzeit sind die steigenden Energiepreise eine wichtige, negative Einflussgröße hinsichtlich der künftigen Börsenentwicklung geworden. Dies vor allem deshalb, weil die ohnedies angeschlagenen US-Konsumenten wieder mit höheren Treibstoffrechnungen konfrontiert werden und so weniger für andere Verwendungszwecke zur Verfügung haben. Zusätzlich sind hohe Treibstoffkosten auch ein negativer Faktor für Immobilienpreise, weil damit weniger zentrale Lagen weiter unter Abwertungsdruck kommen. Insofern ist der steigende Ölpreis abermals ein wichtiger negativer Faktor in Bezug auf eine mögliche konjunkturelle Erholung geworden.

Die neuen Regeln über künftige Finanzaufsicht heftig umstritten

Der US-Präsident hat am Mittwoch seine Pläne hinsichtlich einer Neuausrichtung der Aufsicht über die Finanzmärkte vorgestellt. Obwohl darin auch einige nützliche und sinnvolle Vorschläge enthalten sind, wie beispielsweise die Gründung einer Verbraucherschutzbehörde für Finanzprodukte, wurde diese Idee u.a. vom Bankenverband abgelehnt. In vielen Punkten jedoch erinnert das Programm einer Doktrin, die vom politischen Konkurrenten Hugo Chavez stammen könnte und die dieser auch wirklich umsetzt (Verstaatlichung von Banken und Schlüsselindustrien im Erdöl- und Ergasbereich). Insbesondere die geplante Machtkonzentration bei der FED, die ohnedies schon ein übermächtiges Zentralbankensystem darstellt, erscheint erstaunlich.

Die jüngsten Entwicklungen erinnern stark an die politischen Bekenntnisse, die nach dem Worldcom- und Enron-Skandal kundgegeben wurden. Auch damals wurden neue Vorschriften mit dem Ziel eingeführt, die Anleger und Investoren besser zu schützen - die weitere Entwicklung, nämlich der Kollaps des US-Immobilienmarktes und der US-Finanzindustrie ist bekannt. Ohne aktive Mitwirkung der FED könnte so etwas nicht passieren. Wieder einmal wurden Milliardenbeträge vernichtet. So geht es auch diesmal vor allem darum, das verlorene Investorenvertrauen wiederherzustellen, um in Zukunft Geld für weitere, noch häufig notwendige Kapitalerhöhungen anziehen zu können. Wir möchten auch bei dieser Gelegenheit davor warnen, ohne genaueste Prüfung in Zukunft bei solchen Kapitalmaßnahmen mitzumachen.

Solange viele US -Bilanzierungsregeln schlichtweg eine vorsätzliche Irreführung der Investoren ermöglichen, ist es ratsam, sich einfach von diesem Markt bis auf weiteres fernzuhalten. Die ganze geplante Finanzmarktaufsichts-Organisation hat wenig Sinn, wenn nicht einmal die grundlegenden Aufsichtsmechanismen funktionieren und wichtige Voraussetzungen wie Bilanzwahrheit und Bilanzklarheit für die Investoren oft nicht gegeben sind. In Bezug auf Unternehmensergebnisse gab es zuletzt kaum relevante Nachrichten, zumal die Berichtssaison bereits abgeschlossen ist. Einzig die Meldung, dass einige Banken die Staatsgelder bereits zurückzahlen, lässt aufhorchen und vielleicht den falschen Eindruck entstehen, die Finanzwelt auf der anderen Seite des Atlantiks wäre wieder in Ordnung. Leider ist das nicht so.

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