Manager üben Kritik an sich selbst

19. Juni 2009, 17:00
1 Posting

WdF-Managerstudie zeigt Selbstkritik

"Eine unabhängige Stimme, die Österreichs Manager gegen Halb- und Unwahrheiten verteidigt, gebe es ohne uns nicht", sagte Paul Jankowitsch, Bundesvorsitzender des Wirtschaftsforums der Führungskräfte (WdF) kürzlich im Rahmen der Feierlichkeiten zum 30-jährigen Bestehen des WdF. Jankowitsch lud mit Felix Josef, Geschäftsführer von Triconsult, zum Pressegespräch und präsentierte eine Studie, die das aktuelle Selbstbild der Manager erfasst. Insgesamt 211 wurden befragt.

Bereits 2005 gab es eine solche Studie, so Josef, wobei sich heute, im Direktvergleich, "ein deutlich pragmatischerer Zugang" abzeichne. Vor allem das eigene Gehalt, aber auch nichtmonetäre Leistungen seitens der Arbeitgeber würden "deutlich mehr" geschätzt.
Bei den Befragten handelte es sich mehrheitlich und die Realität der Führungsebenen widerspiegelnd um Männer. Nur drei Prozent waren unter 30, 55 Prozent bereits 50 Jahre oder älter. Ein knappes Viertel (26 Prozent) traten innerhalb der letzten fünf Jahre in das Unternehmen ein, weitere 15 Prozent sind höchstens zehn Jahre mit dabei. Ebenso viele können auf eine mehr als zwanzigjährige Tätigkeit in ein und demselben Unternehmen verweisen.

Gehalt wiegt Unannehmlichkeiten auf

Der Umstand, dass es für 81 Prozent der Manager jobtypisch ist, "auf manche Annehmlichkeiten verzichten und das Privatleben zurückstellen" zu müssen, und 55 Prozent "ein hohes Arbeitsplatzrisiko" erleben, wird für die meisten mit einem hohen Gehalt aufgewogen. Nur acht Prozent sind der Überzeugung, deutlich zu wenig zu verdienen. Konträr dazu sind 17 Prozent sicher, dass Manager typischerweise "ein zu hohes Gehalt" hätten. Mit 44 Prozent ist fast die Hälfte der Meinung, dass es zumindest Fälle von überbezahlten Managern gibt („teils, teils"). Für 23 Prozent ist ein zu hohes Gehalt "eher nicht", für 16 Prozent "überhaupt nicht typisch".

Interessant ist, dass die Sicherung von Unternehmensgewinnen für 97 Prozent der Manager allein in der Hand der Führungskräfte liegt. Drei Prozent gestanden den Gewerkschaften ihren Teil zu. 2005 genossen letztere mit 14 Prozent noch deutlich mehr Vertrauen, genau wie die politisch Verantwortlichen (13 Prozent).

Warum trotz krisenbedingter staatlicher Rettungspakete kein Vertrauen in die Politik herrscht? "Verdrängung", meint Triconsult-Geschäftsführer Josef - von den Rettungspaketen seien zudem vor allem große Unternehmen betroffen. Bei allem Zweifel an der Politik gestanden dennoch 23 Prozent der befragten Manager, „abhängig von Parteien oder parteinahen Organisationen" zu sein. (Bernhard Madlener, DER STANDARD,Pprintausgabe,  20./21.6.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Manager sind sich bewusst, dass nicht alle eine "weiße Weste" haben

Share if you care.