Eine Milliarde Menschen wird 2009 hungern

19. Juni 2009, 15:07
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Höchststand in der Geschichte - Hauptgründe sind Wirtschaftskrise und hohe Lebensmittelpreise

Rom - Die Zahl der unterernährten Menschen wird heuer in Folge der weltweiten Wirtschaftskrise erstmals auf mehr als eine Milliarde ansteigen. Wie aus einem am Freitag in Rom veröffentlichten Bericht der UNO-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO) hervorgeht, leidet mittlerweile rund ein Sechstel der Menschheit an Hunger und Unterernährung - mehr als jemals zuvor in der Geschichte. Im vergangenen Jahr hungerten nach Angaben der Vereinten Nationen 915 Millionen Menschen. Bis Ende 2009 rechnet die FAO mit 1,02 Milliarden Hungernden - einem historischen Höchststand.

"Diese lautlose Hungerkrise gefährdet erheblich den Weltfrieden und die Sicherheit", warnte Jacques Diouf, Generaldirektor der FAO: "Wir brauchen dringend einen breiten Konsens darüber, dass der Hunger in der Welt völlig und rasch ausgerottet wird." Die notwendigen Programme dafür müssten endlich auf den Weg kommen.

Die große Mehrheit der Hungernden lebt laut FAO in Entwicklungsländern, davon 642 Millionen im Asien-Pazifik-Raum, 265 Millionen in Afrika südlich der Sahara, 53 Millionen in Lateinamerika und der Karibik sowie 42 Millionen im Nahen Osten und in Nordafrika. In den Industrieländern haben den Angaben zufolge 15 Millionen Menschen nicht ausreichend zu essen.

Trauriger Rekord

Der traurige Rekord gehe nicht auf schlechte Ernten, sondern auf die weltweite Wirtschaftskrise zurück, erklärte die FAO, die sich in dem Bericht auf Zahlen des US-Landwirtschaftsministeriums beruft. Viele müssten Einkommenseinbußen oder den Verlust ihrer Arbeit hinnehmen. Gleichzeitig sei in vielen Ländern mit einem weiteren Anstieg der Lebensmittelpreise zu rechnen, so dass die Zahl der Hungernden im Jahresverlauf voraussichtlich um elf Prozent zunehmen werde.

2008 hatte die FAO noch eine leichte Besserung verzeichnet. Die ursprüngliche Schätzung von 963 Millionen Hungernden konnte wegen einer verbesserten Lebensmittelversorgung nach unten korrigiert werden. Einen ausführlichen Bericht zur Lebensmittelkrise will die FAO im Oktober veröffentlichen.

Die Mitgliedsländer der FAO hatten zuletzt im Juni 2008 auf dem Welternährungsgipfel bekräftigt, die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren - dies gehört zu den sogenannten Millenniums-Zielen der UNO. Auch beim G-8-Gipfel im Juli wollen die Staats- und Regierungschefs der acht führenden Industriestaaten über die weltweite Ernährungskrise beraten.

Diouf sprach davon, dass sich die Weltwirtschaftskrise und die in vielen Ländern hartnäckig hohen Nahrungsmittelpreise zu einer "gefährlichen Mixtur" vermengten. Den ärmeren Ländern müssten die wirtschaftlichen und politischen Mittel in die Hand gegeben werden, damit sie die Agrarproduktion und Produktivität ankurbeln könnten.

Mehr Investitionen in die Landwirtschaft verlangte auch Kanayo F. Nwanze, Präsident des internationalen Agrar-Entwicklungsfonds IFAD: "Viele Arme und Hungernde sind Kleinbauern in Entwicklungsländern, sie brauchen Zugang nicht nur zu Saatgut und Dünger, sondern auch zu maßgeschneiderten Technologien, Infrastruktur, Finanzierung und Märkten." Gerade in Zeiten globaler Krisen sei es für die meisten Entwicklungsländer das tragfähigste Sicherheitsnetz, in die Zukunft der Kleinbauern zu investieren, um die Ernährung sichern zu können. (APA/AFP/dpa)

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