Jugendliche konsumieren weniger oft, aber exzessiver

19. Juni 2009, 14:45
4 Postings

Generell zeige sich die Drogenszene in der Bundeshauptstadt aber relativ stabil - Fokus auf Präventionsarbeit

Die Wiener Drogenszene hat sich in den vergangenen drei Jahren relativ stabil gezeigt. "Es hat keinen signifikanten Anstieg gegen - in keinem Bereich", unterstrich Drogenkoordinator Michael Dressel am Freitag vor Journalisten. Anlass ist die Fertigstellung des aktuellen Drogenberichts, der die Jahre 2006 bis 2008 umfasst. Das 122 Seiten starke Werk richtet sich an eine interessierte Öffentlichkeit und steht ab kommender Woche unter www.drogenhilfe.at online.

Eine Veränderung, die sich allerdings im Berichtszeitraum gezeigt habe, sei allerdings, dass diejenigen Jugendlichen, die einsteigen, zwar nicht öfter, aber exzessiver konsumierten. Dabei herrsche eher der gemischte Gebrauch verschiedener Substanzen vor, nicht mehr der schnelle Einstieg in den intravenösen Konsum.

Zufrieden zeigte sich Dressel über die Arbeit mit der offenen Drogenszene, die man mittlerweile ausschließlich auf den Karlsplatz beschränken und hier von rund 400 auf rund 100 Betroffene habe senken können. Dies sei nicht nur im Sinne der Betroffenen, sondern auch der Menschen, die mit der Szene in der Passage konfrontiert würden. Zehn bis zwanzig Prozent der Szenegänger am Karlsplatz kämen übrigens aus anderen Bundesländern. An eine Rückführung in ihr Heimatbundesland, wie dies beispielsweise die Schweiz praktiziere, werde aber nicht gedacht, unterstrich Dressel.

Nicht vertreiben, sondern integrieren

Auch Wiener Drogenkranken würden nicht einfach vertrieben, worauf sich andernorts eine Szene entwickeln würde, sondern möglichst wieder gesellschaftlich integriert: "Ziel ist, dass diese Szene dort nicht mehr sein wird". Man sei entsprechend auch bereits in die Planungen für den neuen Hauptbahnhof involviert, um bauliche Fehler wie Nischen und Ähnliches von vornherein vermeiden zu helfen.

Ein weiterer Schwerpunkt sei in den vergangenen drei Jahren ein verstärkter Fokus auf der Präventionsarbeit gewesen, was etwa die Schulung von Multiplikatoren wie Lehrer betreffe. So könne der Bereich Früherkennung gestärkt werden. Überdies seien in Zusammenarbeit mit dem AMS die Reintegrationsbemühungen in den Arbeitsmarkt forciert worden. Betroffene müssten auch hier wieder Fuß fassen, "sonst ist der Absturz vorprogrammiert", betonte der Drogenkoordinator.

Grundsätzlich unterstrichen Dressel und der Drogenbeauftragte Alexander David, dass man nach wie vor den Zielsetzungen des allgemeinen Wiener Drogenkonzepts aus dem Jahr 1999 folge, das auf mittel- und langfristige Strategien und nicht auf teure Showeffekte setze. So könne den rund 10.000 Abhängigen, von denen knapp 7.000 substituiert sind, am besten geholfen werden. Klar sei aber auch, betonte David: "Drogenfachleute können nicht die Problematik einer ganze Region lösen." (APA)

Share if you care.