Wiener Grüne

Vorwähler haben weiter Mitbestimmungs-Recht

22. Juni 2009, 06:35
  • Artikelbild
    foto: standard/newald

    Wer darf mitstimmen, wenn es im November ans Eingemachte - die Listenerstellung für die Landtagswahlen - geht? Diese Frage beschäftigte die Grünen bei ihrer Landesversammlung am Sonntag.

Landesversammlung beschloss aber Beschränkung der Rechte von "UnterstützerInnen" - Silvia Nossek wird neue Landessprecherin

Wien - Wer sich bei den Wiener Grünen engagiert, der darf kein zartes Pflänzchen sein. Tageslicht war den Parteimitgliedern, die sich am Sonntagnachmittag im Haus der Begegnung in Wien-Floridsdorf zur 62. Landesversammlung trafen, keines vergönnt. Und auch bei der Diskussion ging es in den fensterlosen Räumlichkeiten ordentlich zur Sache. Thema Nummer eins: Die grüne Vorwahlbewegung, die sich in den vergangenen Monaten vor allem via Internet formiert hatte.

 

Rechte eingeschränkt

Nach stundenlangen Debatten haben sich die Wiener Grünen am Sonntagabend entschlossen, die Rechte der "Unterstützer" einzuschränken - allerdings nur in Maßen und nicht, wie vorerst abzusehen war, radikal. Diese dürfen künftig nicht mehr bei Vertrauensabstimmungen mitvotieren. Einer solchen Abstimmung müssen sich laut Parteistatut jene Personen unterziehen, die zum dritten Mal hintereinander für eine Funktion kandidieren. Ein entsprechender Antrag wurde bei der 62. Landesversammlung mit großer Mehrheit von den Delegierten angenommen. Das Mitbestimmungsrecht bei der Listenerstellung für die Wien-Wahl 2010 bleibt jedoch erhalten.

Insgesamt sprachen sich nach einer geheimen Wahl 151 von 178 gültigen Delegiertenstimmen für die Annahme des Antrags die Zwei-Drittel-Regelung betreffend aus. Das sind 84,4 Prozent und somit mehr als die für Statutenänderungen erforderliche zwei Drittel. Als Begründung war in der Diskussion immer wieder zu hören, dass Menschen, die vergleichsweise erst kurz in die Parteiarbeit eingebunden sind, nicht beurteilten könnten, ob sich Funktionäre in den Jahren davor bereits bewährt hätten. Unterstützt hatte diese Position unter anderem auch der Grüne Gemeinderat Christoph Chorherr, der sich im Zuge der Diskussion durchwegs positiv den "Grünen Vorwählern" und anderen mobilisierenden Webseiten gegenüber geäußert hatte.

Bezirke können mitentscheiden

Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde die Zwei-Drittel-Regelung 2005, als der damals noch Grüne Mandatar Günter Kenesei bei seiner vierten Kandidatur den nötigen Stimmenanteil nicht erreichen und dadurch bei der Wien-Wahl nicht mehr antreten konnte. Kenesei wechselte daraufhin in das Lager der Wiener ÖVP.

Beschlossen wurde heute auch, dass künftig die Bezirksorganisationen darüber entscheiden können, welche Unterstützer auf Bezirksebene mitbestimmen können. Bisher wurde dies auf Landesebene entschieden.

Abgestimmt wurde zudem über einen Antrag, der den Entzug sämtlicher Stimmrechte der Unterstützer forderte. Damit hätten diese im Herbst auch bei der Listenerstellung der Kandidaten für die Gemeinderatswahl 2010 nicht mitmischen dürfen. Diese Abstimmung wurde mehrheitlich abgelehnt. 113 Delegierte sprachen sich gegen diese drastische Maßnahme aus, immerhin 69 stimmten dafür.

"Lasst euch bitte etwas einfallen"

Denn die Landespartei - in den entsprechenden E-Mails namentlich vertreten durch Geschäftsführer Robert Korbei - hatte in den letzten Tagen einigen, die im November bei der Listenerstellung für die Wiener Gemeinderatswahlen mitwirken wollten, eine Abfuhr erteilt. "Dutzende" der knapp 700 potenziellen Vorwähler seien davon betroffen gewesen, beschwerte sich Gemeinderat Christoph Chorherr bei der Landesversammlung - "ein schwerer Fehler" . Und ein Sympathisant appellierte: "Lasst euch bitte etwas einfallen! Alles, was ihr tut, kommt elitärst an."

"Wählen allein ist keine Mitarbeit für die Grünen" , konterte Landesvorstandsmitglied Claudia Smolik. Man habe einen Weg finden müssen, um jene Unterstützer "auszufiltern" , die lediglich mobilisiert worden seien, um einen bestimmten Kandidaten zu wählen. Landesgeschäftsführer Korbei räumte ein, dass in den letzten zehn Jahren keine Diskussion die Wiener Grünen so bewegt habe wie die um die Vorwahl. Der Vorstand habe nur eine falsche Entscheidung treffen können, in dem er entweder zu viele oder zu wenige Unterstützer zulässt.

Knappe Zustimmung

Diese heikle Frage wird in den nächsten Monaten auch Silvia Nossek beschäftigen. Die 44-Jährige aus Wien-Währing wurde zur neuen Landessprecherin gewählt und setzte sich mit 51,2 Prozent knapp gegen Lukas Wurz durch, der seit dem Rücktritt von Birgit Meinhard-Schiebl im Herbst interimistisch als Landessprecher fungiert hatte. Nossek hält es für die "Verantwortung des Vorstandes, eine breite Entscheidung und gleichzeitig Qualität zu ermöglichen" , sagte sie unmittelbar nach ihrer Wahl zum Standard. Vor allem organisierte Anmeldungen müsse man sich sehr genau anschauen. Im Wien-Wahlkampf, glaubt Nossek, müssten die Grünen den Schwerpunkt auf die Wirtschaftskrise legen. "Ich halte es für gefährlich, davon zu sprechen, dass die Krise wieder abflaut."

Die Position von Landesgeschäftsführer Korbei steht erst im kommenden Jahr wieder zur Disposition; die Entscheidung, ob Maria Vassilakou erneut grüne Spitzenkandidatin in Wien wird, fällt im November. (APA,hei, DER STANDARD, Printausgabe, 22.6.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 200
1 2 3 4 5
head bang0r
00
30.6.2009, 16:17

ok ok wir haben alle verstanden dass die grünen sitzungen langwirig sind! Einmal darf man "kein zartes pflänzchen sein", dann braucht man einen "betonhintern" und so weiter... es reicht langsam.

Ich AG1
00
27.6.2009, 12:51
negatives Kampfposter geschwaffl

trägt zur Verdummung der Menschheit bei !

Wahr ist, das die Grünen die einzige Partei sind, bei denen Jede/r UnterstützerIn die KanditatInnen mit wählen kann !

Verdammt Coole Schreckschrauwe
10
27.6.2009, 08:01
ach, wo sind die Zeiten, als es noch um ein Rotationsprinzip ging...?

heute geht es nur mehr um POSTEN - und zwar bezahlte - und darum, wie die auch gehalten werden können. Die BasiswapplerInnen sind schon lange abgestellt.

Kremser
31
24.6.2009, 21:02
eine neue hymne

für die grünen:

grün, grün, grün ist alles was ich kotze ...

Gerhard Müller
11
23.6.2009, 13:05
Der Hauptgrund, wieso ich mich als Unterstützer anmeldete

war, dass Voggenhuber so deppat war.

Und ich nach langer Zeit von den GrünInnen nach viel warmer Luft wieder eine einigermaßen klare Aussage erkennen konnte.

Bleibt noch viel zu tun. Es gibt noch einige faule ApfelInnen, die es auszusortieren gilt.

Als allererstes wieder zurück zu einer normalen Sprache. Es ist unerträglich, wenn 10% aller Worte als GenderfloskelInnen als Substanz verkauft werden.

Ich werde gleich am Anfang eine Sprachpolizei einrichten. Jeder, der Innen sagt, wird mit einem temporären Redeverbot belegt und muss 100x auf die Tafel schreiben:

Ich muss mich bemühen, verständlich zu sprechen.

Gerhard Müller
11
23.6.2009, 12:54
Das sind doch Grabenkämpfe!

Und wenn dann zehnmal versucht wird, einem LanggedientInnen die Möglichkeit zu verschaffen, weiterhin für ein Amt zu kandidieren, so bleibt die Tatsache übrig, dass dieser KandidatInnen sich trotzdem einer Wahl stellen müssen, bei der die Unterstützer volles Stimmrecht haben.

Ist doch Unsinn das Ganze und im Grunde genommen nichts wert. Mehr als die Tatsache, dass er wieder auf die Liste gestellt wird, ist es nicht.

Ich freue mich schon, Umrühren zu dürfen. Und eines ist sicher: Wir Unterstützer werden uns auch deutlich als solche deklarieren.

Und solche - Hintenherumabstimmungen gegen die BasisInnen - soll es in Zukunft nicht mehr geben. War das die letzte Abstimmung im Wiener GrünklüngelInnen, welche ohne Unterstützer durchging?

W. Müller
 
02
23.6.2009, 14:57
BasisInnen ?

Basis [fem]

Richtig, also gendergerecht müßt's also BasisEr heißen.

;-)

leojus
11
22.6.2009, 21:45
Lächerlich

Kann mir bitte jemand erklären, warum die grünen Vorwähler jetzt nicht mitabstimmen sollen wenn es darum geht ob jemand zum vierten mal kandidieren darf? Was soll das bringen? Bitte um Erleuchtung

Philipp W.
 
02
23.6.2009, 02:53
bling bling .. erleuchtung..

UnterstützerInnen durften eigentlich nie an abstimmungen teilnehmen die eine 2 drittel mehrheit erfordern. dies ist schon lange bestandteil des statuts. mit der intensiven auseinandersetzung mit den rechten der UnterstützerInnen ist dieser "Schönheitsfehler" im Statut aufgefallen, und wurde nun behoben.

An den wirklich wesentlichen Rechten einer/eines UnterstüzterIn hat sich eigentlich nichts geändert.

der fehler lag eigentlich darin dass die zulassungsabstimmung nicht unter der Liste steht welche entscheidungen eine 2/3tel mehrheit brauchen. Allerdings ist die Zulassungsabstimmung ein ganz wesentlicher Punkt der weiterhin einen eigenen § verdient, deshalb diese jetzt wenig elegant wirkende maßnahme.

St.Rache - Beruf: Volkskomiker!
02
22.6.2009, 16:21
Lieber noch GRÜN als blau!

Wir leiden nach wie vor unter schwarz/blau! 58 Erhöhungen, Verschlechterungen, EUROfighter, Verkauf von Staatssilber, Ausländerhass und neue NEONazis in Österreich, Wirbel bei Demos, alles mies machen in einer Wirtschaftskrise, wo man einen Ansporn bräuchte, Plasphemie, Hass gegen Islamisten und Beschimpfung der Ausländer, bis es noch zu etwas kommen wird und dann die Sicherheit ganz verschwindet in diesem Land!
Das Innenministerium wird auch immer deFekter und durch den Abbau von Polizisten unter schwarz/blau, kann die Exekutive die Arbeit nicht mehr bewältigen!
Schüssel auch wieder im Vormarsch und Molterer vielleicht auch noch EU-Kommisar, Strasser EU Abgeordneter!
Bumm wir haben etwas beinand!
Dabei würde Faymann eine gute Arbeit machen

rechtscheipfehler
11
22.6.2009, 16:54

als clown. maximal.

Klaus HENNING
63
22.6.2009, 15:53
Die A.K. müsst ma subentioniern!

Jetzt - seit gestern Abend - kennt der Seher die Frau Alev Korun. Mei, das wär' a Investition für die FPÖ! Spendet's doch der viel Geld für öffentliche Auftritte, die is noch a bessere Wahlwerbung für die FPÖ als die andern Sympathieträger bei Grün und Rot. Allein wie sie pefekt jedem anderen Redner hineinquatscht mit ihrer Jammerfistelstimme, das is scho a Melodie! Also haut's ihr die Marie nach, die bringt die Grünen runter auf 5 Prozent, aber locker!

ikarus08
 
00
23.6.2009, 00:24

Schön, wenn man ausreichend Argumente hat, um andere nicht beleidigen zu müssen, gell?

Bully Bullson
22
22.6.2009, 16:29
ich hab die Korun schon ein paar Mal im Parlament und auch gestern im TV gesehen...

...und genauso FunktionsinhaberInnen wie die Korun verursachen bei mir diese innere Sperre, mein Kreuzerl (wieder) bei Grün zu machen.

..auch gestern in der Diskussion war bei jeder Wortmeldung von ihr klar ersichtlich, dass sie einfach zur "TheoretikerInnen - Gutmenschenfraktion" gehört...

..und dieser Ansatz zog bei mir noch, als ich Student war, nur im Laufe der Zeit lernen man zu differenzieren... viele der Ex-Grünwähler machen das mittlerweile.. nur die ParteifunktionärInnen können es nicht... und deswegen rennen den Grünen die WählerInnen weg...

ikarus08
 
10
23.6.2009, 00:22

Könnten Sie bitte auch erläutern, was Sie an den Aussagen der Frau Koran als so undiffernziert erachten, anstatt "Pseudomeinungsforschung" zu betreiben.

Vielen Dank im voraus!

Bully Bullson
01
24.6.2009, 08:48
...warum......weil sie bspw. der Fekter (die ich auch nicht mag) andauernd gesagt hat, dass das Problem der Abschubsverschleppung dadurch zu lösen wäre, einen Folgeantrag (einfach) zurückzuweisen ...

..das ist Schwachsinn, denn ich in diesem Fall ist trotzdem ein Ermitllungsverfahren durchzuführen sobald der Antrag gestellt ist...(und wenn der Flug bereits gebucht ist, macht das die Abschiebung unmöglich)...entweder lügt sie oder hat keine Ahnung (und die Grünen wären die 1. die schreinen, wenn nicht ermittelt werden würde..).

Bspw fand ich den Anwalt extrem sympathisch, der war auch gegen die Fektermentalität, aber objektiver.. Korun (nicht:"Koran":-) war aber nur emotional-subjektiv unterwegs, fiel allen ins Wort und agierte mMn völlig unprofessionell und inkompetent..

..wie gesagt, damit kann man (vielleicht) Studenten imponieren, aber nicht Menschen die im Arbeitsleben stehen.

Pumuckel Salzstreuer
11
22.6.2009, 15:53
Ich fühle mich über diese Entscheidung sehr unglücklich...

sie dient lediglich der Festigung der etablierten Machthaber und deren Isolierung von der Basis.

Geht für mich nicht in Ordnung, meine Stimme verweigere ich ihnen. Ich wünsche mir eine grüne Alternative mit mehr Fundis und weniger Pragmatismus, mehr Interesse an Kernthemen und weniger Machtgeilheit.

fabrikant
43
22.6.2009, 14:10

auf dem bild heben vier leute den rechten arm - ist das nicht verboten ?

Divid Ende
00
22.6.2009, 15:21
Da auch:

Festkommers- Ermittlungen nach "Hitlergruß"
http://tirol.orf.at/stories/370156/

Alexander M. Swoboda
03
22.6.2009, 13:31
Die Differenzierte Ansicht aus erster Hand von Christoph Chorherr

gibt's unter http://chorherr.twoday.net/stories/5777194/

Klingt nach einer sinnvollen Entscheidung!

Mit freundlichen Grüßen!

Alexander M. Swoboda

FatFaceRicky
09
22.6.2009, 13:01

Hauptsache Raunzen, oder? Ich bin auch bei Weitem nicht mit Allem zufrieden bei den Grünen, und machne Funktionäre finde ich auch problemtisch, aber die gegenständliche Entscheidung geht absolut in Ordnung.

Was es jetzt noch braucht sind einheitliche, nachvollziehbare Aufnahme- und Ablehnungskriterien (und ordentliche Begründungen bei den Ablehnungen, da haperts heftig).

li chang junior
20
22.6.2009, 13:30

jo, auf dem weg zur stingnormalen partei, liefern wir die opportunen rechtfertigungen eh immer nach ;-)

knievel
05
22.6.2009, 12:53
ist aber schon auch verständlich

da es ja keine aufnahmekriterien gibt ist ja aus sicht der partei tatsächlich völlig unklar was das für leute sind die da plötzlich mitbestimmen möchten. anders verhält es sich natürlich wenn die/der betreffende schon in der partei mitarbeitet und damit halbwegs klar ist das es eine ideologische verbundenheit gibt.

paul strobinger
33
22.6.2009, 11:45
komische standard-berichterstattung

ist ja in der sache alles okay was die grünen beschließen, aber etwas seltsam finde ich die schlagzeilen-politik der standard-redaktion. dürfen sich jetzt grün-politiker die schlagzeilen selbst aussuchen? bis heute morgen hieß es sinngemäß "Wiener Grüne schränken Rechte der Unterstützer ein" (was ja auch objektiv stimmt, man mag es - so wie ich - gerechtfertigt finden oder auch nicht).nachdem z.b. christoph chorherr in seinem blog befunden hat, er hätt gerne als titel, dass die rechte nicht eingeschränkt werden, ist der artikel plötzlich mit "Vorwähler haben weiter Mitbestimmungs-Recht" betitelt.ist natürlich auch legitim,aber seit wann ist der standard eine grüne parteizeitung in der sich parteifunktionäre schlagzeilen wünschen dürfen?

Pumuckel Salzstreuer
11
22.6.2009, 15:54
Na geh...

soll nur der Dichand bestimmen was geschrieben wird?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 200
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.