Schmerzmittelverbot senkt Anzahl der Suizide

19. Juni 2009, 14:10
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Co-Proxamol bei Überdosierung extrem gefährlich - Medikament für ein Fünftel aller Suizide verantwortlich

Oxford - In Großbritannien ist durch die kontrovers diskutierte Absetzung eines verbreiteten Schmerzmittels die Anzahl der Suizide drastisch gesunken. Das schrittweise Auslaufen des Medikaments Co-Proxamol hat laut Wissenschaftlern des Centre for Suicide Research an der University of Oxford entscheidend dazu beigetragen, 350 Selbstmorde und Unfalltode zu verhindern. Die zuständigen Behörden entzogen dem Medikament im Jahr 2007 die Zulassung.

Hohes Risiko für Überdosis

Hauptgrund dafür war laut BBC das zu hohe Risiko bei einer Überdosis. Das Verbot wurde allerdings von manchen Patienten und Medizinern abgelehnt. Organisationen wie Arthritis Care berichten, dass Patienten jetzt ernste Schwierigkeiten dabei haben, ihre Schmerzen unter Kontrolle zu halten. Die Medicines and Healthcare Products Regulatory Agency hatte die Absetzung des Medikaments bereits 2005 angekündigt. Details der Studie wurden im British Medical Journal veröffentlicht.

Ein Fünftel aller Suizide mit Co-Proxamol

Praktische Ärzte waren ermutigt worden, ihre Patienten auf andere Schmerzmittel umzustellen, bevor dem Medikament vor zwei Jahren die Zulassung entzogen wurde. Nach diesem Zeitpunkt konnte das Medikament noch direkt an ganz bestimmte Patienten verschrieben werden, die mit ihren Schmerzen nicht anders nicht umgehen konnten. Ohne Zulassung erfolgte die Verschreibung jedoch auf eigenes Risiko. Der leitende Wissenschaftler Keith Hawton erklärte, dass Co-Proxamol vor den Beschränkungen wahrscheinlich für ein Fünftel aller Suizide mit Medikamenten verantwortlich war. Bis 2007 war die Anzahl der Verschreibungen um 59 Prozent gesunken.

62 Prozent weniger Todesfälle

Innerhalb von zwei Jahren sank die Anzahl der Todesfälle, die mit dem Medikament in Zusammenhang gebracht werden, um 62 Prozent. Konkret gab es 295 Selbstmorde und 349 Todesfälle durch das Medikament - inklusive versehentliche Überdosierungen - weniger. Es kam laut Studie trotz des verstärkten Einsatzes zu keinem Anstieg der Todesfälle durch andere Schmerzmittel. Laut Hawton überlegen die US-amerikanischen Behörden derzeit, das Medikament ebenfalls vom Markt zu nehmen. Bei Co-Proxamol handelt es sich um eine Kombination von Paracetamol und einer opiathältigen Substanz. 2008 gab es in Großbritannien noch immer 380.831 Verschreibungen des Medikaments. (pte)

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    Innerhalb von zwei Jahren sank die Anzahl der Todesfälle, die mit dem Medikament in Zusammenhang gebracht werden, um 62 Prozent

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