Generali: Lebensversicherung stagniert

19. Juni 2009, 13:22
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Die Lebensversicherung stagniert heuer wegen der Wirtschaftskrise, bei Fondspolizzen und Einmalprämien gibt es sogar leichte Rückgänge

Wien - Bei Generali in Österreich entfallen zwei Drittel des Neugeschäfts auf die klassische Lebensversicherung. Der Anteil der Fondspolizzen ist dagegen auf ein Drittel gesunken - und die Kunden kaufen sie zu 90 Prozent nur noch mit Garantien. Im April und Mai hat sich der Trend Richtung klassische Polizzen noch verschärft, berichtete der Vorstand am Freitag.

Bei Rückkäufen und Prämienfreistellungen gebe es keine nennenswerten Steigerungen, erklärte Vertriebsvorstand Harald Steirer anlässlich der Präsentation eines neuen Fonds-Garantie-Produkts. Derzeit gebe es im Bestand 1,7 Prozent Prämienfreistellungen, früher - vor der Finanzkrise - seien es auch 1,5 Prozent gewesen.

Nachfrage Richtung Garantieprodukte

Die Nachfrage gehe sehr stark in Richtung Garantieprodukte, und das Bedürfnis nach Sicherheit steige sogar noch weiter. Insgesamt nahm die Generali Versicherung AG heuer im 1. Quartal 185,2 Mio. Euro an verrechneten direkten Prämien ein, ein Minus von 0,5 Prozent. Dabei hielt sich die "Klassische" bei 114 Mio. Euro (-0,2 Prozent), bei Fondspolizzen gab es einen leichten Rückgang um 1,0 Prozent auf 71 Mio. Euro. 2008 hatten die Fondsgebundenen noch um 23 Prozent auf 319 Mio. Euro zugelegt und die klassischen Polizzen um 3,2 Prozent auf 399 Mio. nachgegeben; in Summe blieben bei Generali +7 Prozent auf 718 Mio. Euro, gegenüber nur 2,2 Prozent Zuwachs am Gesamtmarkt.

Angesichts des wachsenden Sicherheitsbedürfnisses bringt Generali kommende Woche ein neuartiges Kombi-Produkt aus fondsgebundener und klassischer Versicherung samt hauseigener Garantie auf den Markt. Je nach Entwicklung der Märkte wird bei der "Generali Dynamik Pro Sicherheit" laufend, jeden Monat individuell für jeden Kunden, stärker in ertragreiche Fonds oder die konventionellen Veranlagungen gewechselt. Dies soll einerseits Stabilität auch in fallenden Märkten bringen, die Ertragschancen weitgehend erhalten, sagten DWS-Investment-Manager Thorsten Klingenmeier und Generali-Versicherungstechnik-Vorstand Peter Thirring. In der Zeit, in der Gelder im herkömmlichen Deckungsstock liegen, gibt es dafür die derzeit 2,25 Prozent Garantiezins zuzüglich Gewinnbeteiligung.

Hybridversicherungen

In den vergangenen 2 1/2 Monaten hat der hier unterlegte DWS Funds Invest ZukunftsStrategie mit +13,7 Prozent nur knapp unter dem MSCI World performt (+14,9 Prozent), aber mit geringerer Volatilität von nur 16,3 versus 20,0 Prozent. Derartige Hybridversicherungen sind in Österreich neu, werden aber in Deutschland bereits von 15 bis 20 Versicherungen angeboten. Die Garantie der Generali - die durch Derivate und Swaps ermöglicht wird - kostet natürlich etwas, allerdings nur 0,02 bis 0,03 Prozent: "Wir sichern ja immer nur sehr kurze Zeitspannen ab." Die Garantie bezieht sich auf die insgesamt eingezahlten Beiträge abzüglich der 4 Prozent Versicherungssteuer. Von den in Fonds veranlagten Geldern können in einem Monat maximal 20 Prozent verloren geben, 80 Prozent sind also auch dort garantiert.

Die zur Deutsche-Bank-Gruppe gehörende DWS verlangt netto 1,5 bzw. brutto 1,8 Prozent Kostenpauschale pro Jahr. Dafür muss die Generali als großer institutioneller Investor nicht den für Retail-Kunden ansonsten vorgesehenen 5-prozentigen Ausgabeaufschlag bezahlen: "Die Versicherung kauft zum net asset value", so Klingenmeier. Der DWS Funds Invest ZukunftsStrategie ist ein globaler, aktiv gemanagter Dachfonds, der in DWS-Fonds und auch Fonds anderer Gesellschaften, überwiegend aus der DB-Gruppe, investiert.

Schmälere Rendite

Durch die bei dem Hybridprodukt gegen Laufzeitende aktivierbare Wertsicherung fallen zwar keine zusätzlichen Kosten an, es wird aber klarerweise die Rendite geschmälert. "In welchem Ausmaß, dass weiß man eigentlich erst hinterher", sagte Dozent Jochen Ruß vom Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften in Ulm. Im Gegenzug sinke aber auch die Volatilität, es komme mehr Stabilität hinein. In den letzten Jahren wären Versicherungsnehmer mit Wertsicherung zweifellos positiv ausgestiegen, so Ruß, der auch an der Uni Ulm lehrt.

Die "Generali Dynamik Pro Sicherheit", eine Fondspolizze mit dynamischer Veranlagung, wird mit Laufzeiten von 10 bis 30 Jahren gegen laufende Prämie angeboten, wobei man schon ab 35 Euro pro Monat dabei ist. Das Eintrittsalter ist mit 70 limitiert, das Endalter mit 80. Neben der garantierten Erlebensleistung können garantierte Ablebensleistungen hinzu erworben werden, optional auch - ebenso kostenpflichtig - Berufsunfähigkeits-Zusatz-Module. Am Ende der Laufzeit besteht ein "Pensionswahlrecht", man kann sich also das Ablaufkapital auch als private Zusatzpension auszahlen lassen, erläuterte Thirring. Für Laufzeiten ab 25 Jahren ist eine Teilauszahlung 15 Jahre vor Vertragsablauf möglich. Grundsätzlich bieten längere Laufzeiten im Schnitt natürlich höhere Ertragschancen.

Private Altersvorsorge sei aufgrund der weiter zunehmenden Lebenserwartung immer wichtiger, so Ruß, "damit man nicht womöglich länger lebt als das eigene Geld reicht". Seit 150 Jahren steige die Lebenserwartung um 3 Monate pro Jahr bzw. um 2 1/2 Jahre pro Jahrzehnt -, und dieser Trend halte auch heute weiter an. (APA)

 

 

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