derStandard.at-Interview

"War immer überrascht, wie weise die Basis ist"

19. Juni 2009, 13:46
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    foto: apa

    "Ich war immer überrascht, wie weise die Basis eigentlich ist. Sie hat ein untrügliches Gespür, wenn wir uns aufs Glatteis begeben", sagt Petrovic.

NÖ-Grünen-Chefin Petrovic über "Trottelreime auf Plakaten", ihre aktionistische Seite und den Kampf gegen Populisten

Ab und zu stattet sie Wien einen Besuch ab. Madeleine Petrovic, Chefin der niederösterreichischen Grünen sitzt im frisch renovierten Palais Niederösterreich und wirkt entspannt. Wegen eines Wasserrohrbruchs musste unlängst das gesamte Büro aus- und wieder eingeräumt werden. Die ehemalige Bundessprecherin der Grünen spricht im Interview mit derStandard.at über die populistische FPÖ, die Basisdemokratie der Grünen und Eva Glawischnig. Die Fragen stellte Saskia Jungnikl.

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derStandard.at: Der Grüne Bundesrat Efgani Dönmez fällt momentan wegen - in grünen Kreisen - eher unkonventionellen Lösungen auf. Was sollen die Grünen an ihrer Asylpolitik ändern?

Petrovic: Dönmez kann in der Sprache herb sein, aber in der Sache hat er nicht Unrecht. Wir sind nicht für schrankenlos offene Grenzen, aber in dem Thema sind wir andauernd in der Defensive. Und wenn irgendwo ein Fremder Blödsinn macht - was natürlich auch passiert, so wie auch nicht alle Österreicher Heilige sind - kriegen wir die Meldungen wie 'Da habts es!'. Als ob wir uns für Missstände einsetzen.

derStandard.at: Aber ändern sollten sie etwas, in Anbetracht der Wahlergebnisse.

Petrovic: Was wir brauchen ist ein modernes Einwanderungsrecht, das auch manchen Grünen nicht gefallen wird. Das hat mit Rassismus nichts zu tun. Wir kämpfen gegen Populisten und das ist nicht leicht. Vor allem nicht, wenn man eine Wählerschaft hat, die Populismus nicht goutiert.

derStandard.at: Eigentlich sind die Themen der Zeit auf Seiten der Grünen: Für andere europäische Grüne wie in Frankreich unter Daniel Cohn-Bendit hat sich der Wirtschaftsplan, der "Green New Deal", im Wahlergebnis gerechnet. Wie kann man damit noch eine Wahl verlieren?

Petrovic: Na, was war denn Thema in dem Wahlkampf? Wieder irgendwelche Trottelreime auf Plakaten.

derStandard.at: Bei den Grünen war das Thema eher der innerparteiliche Streit um die Listenplätze.

Petrovic: Ich glaube nicht, dass die personelle Veränderung bei den Grünen sehr bedeutsam war. Tatsache ist, dass wir mit unseren Themen immer schwerer durchkommen.

derStandard.at: Wieso?

Petrovic: Ich erinnere mich noch gut an eine Geschichte, die mir Heide Schmid erzählt hat. Bei einer internen FPÖ-Sitzung 1993 zum Thema "Ausländervolksbegehren" wo sie gefragt hat: 'Und was tun wir, wenn wirklich jemand ausrastet und ein Molotow-Cocktail fliegt?' Und Jörg Haider hat gegrinst und gesagt: 'Dann ist es halt so.' Da hat man gesehen, die nehmen Gewalt in Kauf und das hat sich bis heute nicht geändert. Der Verbalradikalismus von Susanne Winter oder Martin Graf, das ist kein Zufall sondern Strategie. Und wir alle - Medien eingeschlossen - haben keine Antwort darauf.

derStandard.at: Das heißt, das Populistische der FPÖ hindert die Grünen am Durchkommen mit ihren Themen?

Petrovic: Es ist zumindest erschlagend. Wenn man heute die Zeitungen liest, dann dominiert Westenthalers Schuldspruch.

derStandard.at: Was heißt das für das Konzept der Grünen? Dass man sowieso nicht durchkommt, also lässt man es lieber sein?

Petrovic: Nein. Wir müssen in den Artikulationsformen - nicht in der Untergriffigkeit - härter und schärfer werden. Vielleicht auch wieder die eine oder andere Aktion setzen. Ich bin auch dagegen das Migrationsthema zu verstecken. Wenn man in die Altenheime schaut, in die Reinigungsfirmen, in die Bauwirtschaft - da seh ich keine Österreicher. Aber wir wollten uns halt seriös damit auseinandersetzen und nicht auf die Ebene der Populisten herabzusteigen.

derStandard.at: Vor wenigen Wochen hat eine Gruppe von Bloggern bei den Grünen für Aufregung bei einer möglichen Listenerstellung gesorgt. Ist das basisdemokratische Prinzip der Grünen nicht total überholt?

Petrovic: Nein, das glaube ich nicht. Ich war immer überrascht, wie weise die Basis eigentlich ist. Sie hat ein untrügliches Gespür, wenn wir uns aufs Glatteis begeben. Aber man muss eine neue Form finden. Vielleicht dass sich eine inhaltlich besonders spezialisierte Gruppe artikulieren kann. Aber ich weiß, das die Aktivisten wichtig sind: manche, die auf der Straße Zettel verteilen und manche, die im Internet tätig sind. Genau anschauen muss man sich die Leute aber auch. Schließlich kann es passieren und ist auch schon versucht worden, dass Leute, die mit den Grünen gar nichts zu tun haben, sich elektronisch einschleichen und uns die blödesten Ratschläge geben.

derStandard.at: Sie waren einmal Bundessprecherin der Grünen und haben dazu beigetragen, dass sich die Grünen in der Öffentlichkeit von dem Bild der "Chaoten-Gruppe" entfernten. Was ist für Sie heute noch "Petrovic"-geprägt?

Petrovic: Es bewegt sich was. Manche Themen sind durch uns salonfähig geworden und außerdem ist die Professionalisierung der Partei da und ist von damals geblieben. Mittlerweile glaub ich, werd ich mich eher wieder auf die aktionistische Seite schlagen.

derStandard.at: Sind momentan zu viele Frauen an der Spitze der Grünen?

Petrovic: Es können gar nicht genug Frauen sein. Und es fällt niemanden auf, dass Jahre und Jahrzehnte lang die Männer dominiert haben. An der Aufregung merkt man, dass gerade in Österreich das Thema noch lange nicht abgehakt werden kann.

derStandard.at: Viele unserer User beklagen, dass die Grünen immer mehr ausschließlich Interessen von Minderheiten bedienen: Helene Jarmer repräsentiert im Nationalrat die Gehörlosen, Ulrike Lunacek die Homosexuellen,.... Verstehen Sie, dass manche das Gefühl haben, die Grünen setzen sich nicht mehr für den "Normalbürger" ein?

Petrovic: Solange eine Gruppe wirklich unterdrückt wird oder nicht gleich gestellt ist, ist das so dominierend. Da ist viel Kraft dahinter und deshalb ist es laut. Aber von allen Abgeordneten ist immer noch das Gros sehr der Norm entsprechend. Die meisten leben eher in einem traditionellen und bürgerlichen Kontext. Ich auch.

derStandard.at: Macht Eva Glawischnig bisher alles richtig?

Petrovic: Alles richtig macht niemand von uns. Aber sie macht einen guten Job und hat meine und unsere volle Unterstützung. (Saskia Jungnikl, derStandard.at, 19.6.2009)

Zur Person: Madeleine Petrovic wurde am 25. 6. 1956 in Wien geboren. Ab 1990 sitzt sie für die Grünen im Nationalrat, von '92 bis '99 ist sie Klubobfrau. '94 wird sie Bundessprecherin, zwei Jahre später löst sie Alexander van der Bellen ab. Von 1999 bis 2008 war sie stellvertretende Klubobfrau. Momentan ist sie die Chefin der niederösterreichischen Grünen und Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins.

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TAFKAH - the agent formerly known as Holec
01
23.10.2009, 14:47
BasiswapplerIn.

Hamit_Hatemi
00
"Trottelreime auf Plakaten"

lol... Finde ich gut !

gg

Felix Kronabetter
01
29.6.2009, 14:14
Die Blindheit der Gruenen?

Ich finde es schade das viele Funktionaere dieser Partei - wie z.b.: Frau Petrovic - in Ihren Auftritten ungeschickte Bonmos abgeben und dadurch dann doch ein bisschen sehr arrogant erscheinen.

Wenn man z.b. nach einer Wahl traurig ist Anteile verloren zu haben versteht das jeder und man sollte das auch zeigen. Aber den Verlust dadurch zu erklaeren das "die Oesterreicher" dumm sind ist fuer mich absolut disqualifizierend fuer eine Rolle in der Politik.

Kremser
23
24.6.2009, 19:10
auf oe1 läuft gerade ein diskussion

es geht um die grünen und ihren abstieg.
stoisits, vasilakou, anschober, voggenhuber diskutieren.
der jüngste "wahlerfolg" liegt ihnen schwer im magen und rätseln worans gelegen ist. aus dem was bisher zu hören war, kann ich nur schließen, daß sie nichts begriffen haben. die themen seien nicht "rübergekommen". feminismus, homo-ehe, grenzenloser ausländerimport, ständige polizeischelte sind sehr wohl rübergekommen! und die leute habens offenbar satt! jetzt reden sie freilich von was anderem, aber wo warens damit während des wahlkampfes?


Glaros
31
24.6.2009, 22:38

Wieder ein FPÖ-Wähler, der sich als Experte für die Grünen geriert!

Die Themen der Grünen haben sich in den vergangenen Jahren nicht so stark geändert. Auch bei der letzten EU-Wahl waren sie nicht für prügelnde Polizisten, für Frauen-, Schwulen- und Ausländerdiskriminierung, auch wenn Ihnen das vielleicht gefallen würde.

Wenn einige ehemalige Wähler jetzt nicht mehr Grün gewählt haben, wird's also wohl andere Gründe haben, als sich so ein FPÖ-Hirn zusammenfabuliert.

Kremser
33
25.6.2009, 08:28

klar, so ein grünIn kann sich natürlich nicht vorstellen, daß man die grünen konstruktiv kritisieren kann ohne die fpö zu wählen.

Glaros
23
25.6.2009, 12:29

Kleiner Tipp von einer Grünin: Wenn die Grünen das Engagement gegen Frauen-, Schwulen-, Ausländerdiskriminierung und gegen Prügel-Polizisten von der Agenda strichen und sich nur noch für Gänseblümchen und Tiere engagierten, würde ich sie nicht mehr wählen. Denn sie wurden und werden nicht nur wegen der Ökothemen gewählt.
Wenn die Grünen das alles ändern, was Sie vorschlagen, können sie zusperren und sich in Maria Fekter umbenennen.
Wenn Sie eine rechtskonservative Ökpartei wollen, dan gründen Sie eine! (Oder wählen Sie meinetwegen ÖVP, wenn Ihnen die FPÖ zu radikal ist!)

Kremser
12
25.6.2009, 13:59

wie wärs damit:
1. sich um die rechte der arbeitnehmer kümmern, sie verteidigen und ausbauen,
2. grundsicherung
3. und natürlich die öko-themen.

Glaros
11
25.6.2009, 14:23

Damit bin ich einverstanden.

Allerdings nur, wenn Prügelpolizisten nicht abgenickt werden (Menschenrechtsverletzungsverharmloser gibt's in anderen Parteien schon genug - so was würde ich nicht wählen) und Schwulen- und Frauenrechte sowie ein fairer, konstruktiver Umgang mit Ausländern eine Selbstverständlichkeit sind.

Dass die Grünen für "grenzenlosen Ausländerimport" wären, wie Sie oben behaupten, ist ein Klischee, das vor allem von der FPÖ gegen die Grünen benutzt wird, daher meine Vermutung, Sie kämen aus dieser Ecke.

Glaros
00
25.6.2009, 12:15

Dann haben Sie, angesichts der Themen, die Sie oben angesprochen haben und die Ihnen offenbar stagelgrün aufliegen, Ihre wahre politische Heimat offenbar noch nicht gefunden. Na, vielleicht wird's noch!

Kremser
00
25.6.2009, 14:00

tatsächlich, eine politische heimat hab ich nicht gefunden. glaubte es könnten die grünen sein (wegen öko, grundsicherung) da aber die falschen themen im vordergrund stehen ists halt nichts damit

Hoher Gemeinderat
01
22.6.2009, 09:57
Madeleine "Marie Antoinette" Petrovic

Erstaunlich, daß noch jemand diese Dame als Politikerin wahrnimmt. Seit der Sitzung des erweiterten Bundesvorstands und vollzogener Voggenhuber-Entfernung ist sie in der breiteren Öffentlichkeit nicht wahrnehmbar gewesen (von Tierschutz-Funktion einmal abgesehen).

Daß sich die Grünen NÖ so etwas bieten lassen müssen liegt daran, daß das dort herrschende Familienkollektiv um Familie Huber jegliche unabhängige Anwandlung brutal unterdrückt. Es wird strammer ÖVP-Anbiederungskurs gefahren, so als ob die Wahlergebnisse der letzten Jahre und das politische Scheitern von VDB nicht eine andere Sprache sprechen würden...

mickey12345
00
12.8.2009, 12:42
woraus schließen Sie,

dass VDB politisch gescheitert wäre??

Rups
04
21.6.2009, 17:09
Glawischnig macht einen guten Job

wenn das die Meinung der Grünen ist, ist ja alles im Lot. Bloß der Wähler sieht das eben nicht so!

Aber der Wähler ist ja zu blöd, die irrsinnig intelligente Politik der Grünen zu erkennen.

Arrogant, überheblich und dämlich gleichermaßen, die Vertreter der Frauenpartei!!

mohikaner
12
21.6.2009, 15:21
werte frau petrovic

in vielen fällen, nicht in allen, ist es doch wohl so, dass ausländische arbeitnehmer den österreichern vorgezogen werden. dies ist unter anderem einer der gründe, warum man in manchen sparten keine österreichischen arbeitnehmer sieht.
und das soll man sich gefallen lassen??

GOTT (himself)
04
21.6.2009, 16:00
Wenn sie schon das Problem erkennen, wieso beantworten sie es nicht gleich? Weshalb ist es denn so, das in vielen Berufen nur noch Ausländer arbeiten? Weil die Arbeit schlecht bezahlt ist und sich kein Österreicher findet der bereit ist um so wenig

Geld zu arbeiten.
Jetzt haben wir die URSACHE des Problems erkannt.

Also lasst uns das Problem lösen:
FPÖ und BZÖ wollen die Ausländer abschieben und daher die Österreicher zwingen zu einem Hungerlohn zu arbeiten - na toll!

Die ÖVP will das alles so bleibt. Einerseits dient es der Profitmaximierung ihrer Kernklientel und andererseits schürt es Konflikte in der Bevölkerung welche vom eigentlichen Problem ablenken. Eine Win-Win Situation, wie die letzten Wahlen zeigen.

Die SPÖ starrt wie gebannt auf die Krone und checkt gar nix mehr. Agonie wohin man blickt. Zum sterben verurteilt.

Und die Grünen zeigen auf, das auch Ausländer Rechte haben und werden als Nestbeschmutzer vernadert.

Soweit die Angebote der Politik - armselig!

kmmm
12
21.6.2009, 15:03
grün ist, ...

wenn man sie trotzdem wählt

rapidla01
00
21.6.2009, 14:21

wenn man Minderheitenpolitik betreibt und erwartet das die Mehrheit einen wählt könnten da schon gewisse Probleme auftreten.

Glaros
13
21.6.2009, 16:08

In Österreich ist vernünftige Politik von vornherein ein Paradoxon. Da die Mehrheit saudeppert ist, müsste man eine saublöde Politik machen, um von einer Mehrheit gewählt zu werden. Aber welche vernünftige und verantwortungsbewusste Mensch will das schon?

Kremser
10
24.6.2009, 21:11

die mehrheit als saudeppat zu bezeichnen zeugt von mangelndem demokratieverständnis!

Glaros
02
24.6.2009, 22:08

Wieso? 1933 stimmte in Deutschland eine relative Mehrheit für Hitler. Muss ich das um der Demokratie willen als weise Wahlentscheidung werten? Darf ich um der Demokratie willen nicht sagen, dass diese 43, 9 % SAUDEPPERT waren?

miraculix66
 
20
22.6.2009, 15:03

die saudepperten stehen zumindest an dritter stelle bei den reichsten ländern- also ganz so dumm scheinen sie nicht zu sein....

Glaros
11
22.6.2009, 22:03

Allein schon dieses Posting muss ich als Bestätigung meiner Theorie werten, tut mir leid.

miraculix66
 
21
23.6.2009, 09:45

also wenn man saudeppert sein muss um an der dritten stelle der reichsten ländern der welt zu stehen ist man gern saudeppert.
dafür flüchtens auch aus den geistig hochentwickelten ländern zu uns , damits auch so saudeppert werden....
linke logik....

Glaros
02
23.6.2009, 13:29
Oje, ein "Patriot" ...

Die Deutschen wurden kürzlich in einer TV-Show gefragt, ob sie gern einen Feiertag opfern würden, um mehr zu arbeiten. Ein relativ hoher Prozentsatz hat Ja gesagt. Wenn Sie das einem Spanier erzählen, wird der nicht vor Neid erblassen, was für ein intelligentes (weil arbeitsames und habgieriges) Volk die Deutschen sind, sondern er wird sich an den Kopf greifen. Denn er weiß: Ein freier Feiertag bietet mehr an Lebensqualität, als materiell an ihm erwirtschaftet werden kann. Habgier und blinde Hackelwut haben mit Intelligenz nicht allzu viel zu tun.
Und warum schauen die Österreicher immer so zwider, wenn sie doch so ein reiches (und Ihrer Logik zufolge demzufolge intelligentes) Volk sind? Weil sie z. B. zu blöd zum Lebensgenuss sind.

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