Wiedeking attackiert Piëch

19. Juni 2009, 17:11
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Bei Porsche schrumpft der Gewinn. Auf Staatshilfe aus Steuermitteln kann der angeschlagene Sportwagenbauer aber dennoch nicht hoffen

Freundliche Worte fallen zwischen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Ferdinand Piëch (VW-Aufsichtsratschef, Porsche-Großaktionär, Porsche-Aufsichtsrat) ja schon lange nicht mehr. Doch nun hat der Machtkampf eine neue, in der deutschen Wirtschaftsgeschichte einmalige Dimension erreicht.

Die "Süddeutsche Zeitung" zitiert aus einem Brief Wiedekings an Piëch vom 13. Mai. In diesem wirft er dem österreichischen Großindustriellen vor, ihn bei einer VW-Veranstaltung auf Sardinien öffentlich blamiert zu haben. Dadurch fühlt sich Wiedeking aber nicht alleine persönlich angegriffen. Er meint, Piëchs Äußerungen seien unter Umständen für Porsche sogar "geschäftsschädigend" gewesen, was sich auf die Kreditwürdigkeit des Autobauers auswirken könnte. Notfalls müsse Piëch dafür "persönlich haften" - was VW umgehend zurückwies.

Porsche-Umsatz ging stark zurück

Wenig erfreulich für Wiedeking sind auch die Zahlen, die sein Unternehmen am Freitag vorlegte. Die Absatzflaute auf den Automärkten und die hohe Verschuldung wegen der geplanten VW-Übernahme setzen dem Sportwagenbauer zu. In den vergangenen neun Monaten sank der Umsatz um 15 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro. Der Absatz bei den Fahrzeugen ging um 27,6 Prozent auf 53.635 Autos zurück.

Am Freitag hatte auch die staatliche KfW-Bank (Kreditanstalt für Wiederaufbau) Porsche auf der Tagesordnung. Wiedeking bemüht sich ja um einen Kredit in Höhe von 1,75 Milliarden Euro und lobt die eigene Firma dafür in den höchsten Tönen. "Porsche ist ein kerngesundes Unternehmen, nicht vergleichbar mit Opel, Schaeffler oder Arcandor", heißt es in einem Schreiben an die Förderbank.

Vizekanzler und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier stellt in den Stuttgarter Nachrichten jedoch schon mal klar, dass die Regierung Porsche auf keinen Fall mit Steuermitteln unter die Arme greifen werde: "Mit Steuergeld muss hier nicht geholfen werden." Ein Kredit der KfW komme auch nur infrage, wenn dieser "zu üblichen Geschäftsbedingungen und mit der Aussicht auf Gewinn vergeben werden" könne.

"Waghalsige Manöver"

Die Sozialdemokraten hatten sich - im Gegensatz zu CDU und CSU - zuletzt für staatliche Hilfe für Arcandor (Karstadt, Quelle) stark gemacht und waren nach Ansicht von Politologen und Meinungsforschern auch dafür bei der EU-Wahl schwer abgestraft worden. Auch IG-Metall-Chef Berthold Huber ist gegen Staatshilfe für Porsche. Er wirft Wiedeking vor, das Unternehmen durch "waghalsige Manöver" in die jetzige Situation gebracht haben. Jetzt möge Wiedeking die Situation selbst bewältigen, "nicht zuletzt vor dem Hintergrund" seines Gehalts, so Huber. Wiedeking ist der bestbezahlte Manager in Deutschland. Im vergangenen Jahr hat der Porsche-Chef rund 77 Millionen Euro verdient.

Immerhin blieben Porsche und VW am "Hexensabbat" (bis Freitagnachmittag) große Kurssprünge an der Börse erspart. Da lief auch ein großer Teil der vom Sportwagenbauer eingegangenen Optionsgeschäfte zur Übernahme von VW aus. Porsche hat sich ja mit Optionen den Zugriff auf 20 Prozent der VW-Aktien gesichert, 51 Prozent an dem Wolfsburger Unternehmen besitzt Porsche bereits.

Die Verhandlungen über ein Zusammengehen mit VW liegen derzeit auf Eis. Nächste Woche soll es aber wieder Gespräche geben. Die beiden Familien Porsche und Piëch wollen dabei auch über eine mögliche Beteiligung des Emirats Katar an Porsche beraten.  (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20./21.6.2009)

  • Die beiden Rivalen: Porsche-Miteigentümer Ferdinand Piëch und der Konzernchef Wendelin Wiedeking.
    foto: epa

    Die beiden Rivalen: Porsche-Miteigentümer Ferdinand Piëch und der Konzernchef Wendelin Wiedeking.

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