Warum der Internet Explorer 8 viel besser als Firefox ist

19. Juni 2009, 10:09
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Oder: Wie Microsoft uns das glauben machen möchte - Mit fragwürdigen "Fakten" gegen die Konkurrenz

Vor allem in Europa sieht sich Microsoft derzeit mit einer raschen Erosion des eigenen Marktanteils im Browser-Markt konfrontiert: Firefox, Safari und Co. knabbern eifrig an den Prozentzahlen des Internet Explorers, ein Umstand, der sich durchaus auch in symbolträchtigen Verschiebungen manifestiert. So hat etwa der Firefox vor kurzem auch unter den LeserInnen von derStandard.at den Internet Explorer als meistbenutzten Browser abgelöst.

Marketing

Eine Situation, in der Microsoft nun zu altbewährten Mitteln greift: Über eine Marketing-Kampagne sollen die  Vorzüge der eigenen Software ins rechte Licht gerückt werden. Dabei greift man teilweise zu recht handfesten Methoden, so gibt es etwa in Australien 10.000 AUS-Dollar zu gewinnen - ein Wechsel auf den IE8 natürlich vorausgesetzt.

Fakten?

Gleichzeitig versucht sich Microsoft aber auch an einer Neuauflage seiner "Get the Facts"-Kampagne, die in ihrer Ausrichtung allerdings an die Untiefen der Anti-Linux-Propaganda des Konzerns erinnert. In einer Tabelle werden dabei der IE, Firefox und Google Chrome gegenüberstellt, das Microsoft-Produkt geht dabei als klarer Sieger hervor.

Sicherheit

Ein Umstand, der wenig überraschen kann, sieht man sich die angelegten Kriterien an: So behauptet Microsoft etwa, dass der IE aufgrund der Malware und Phishing Protection der sicherste Browser sei. Dass die Konkurrenz ähnliche Maßnahmen schon länger besitzt, blendet man ebenso aus, wie den gesamten Komplex der Sicherheitslücken. Wohl nicht ganz ohne Grund, liegt der IE doch bei der realen Gefährdung für die BenutzerInnen - durch Exploits für vom Hersteller bislang nicht behobene Bugs - seit Jahren an der in diesem Bereich wenig ruhmreichen Top-Position.

Unentschieden

Durchaus verwegen auch Ansagen in anderen Bereichen: So sieht sich Microsoft mit der Konkurrenz bei der Unterstützung von Webstandards auf Augenhöhe, ein Verdikt, das man auch im Bereich der individuellen Anpassbarkeit vergibt. Zwar gesteht man durchaus ein, dass der Firefox mit seinem großen Add-On-Ökosystem hier einen gewissen Vorteil habe, andererseits seien im IE8 viele der dort verfügbaren Funktionen schon von vornherein installiert - ein etwas krude argumentiertes Unentschieden. Etwa anders geht man es bei der Kategorie "Benutzbarkeit" an: Hier listet man schlicht drei der neuen Features von IE8 auf, Accelerators, Web Slices und Visual Search Suggestions seien der Beweis dafür, dass der eigenen Browser dieses Kriterium klar für sich entscheide.

Speed

Bei der Performance will man ebenfalls keinen Vorteil für die Konkurrenz sehen, dies obwohl Benchmarks hier die Microsoft-Software regelmäßig weit abgeschlagen am Ende des Browser-Felds verorten. Die Argumentation des Unternehmens: Wer einen Unterschied zwischen den Browsern ausmachen wolle, brauche schon eine Zeitlupenaufnahmen, ignoriert man weitgehend den vom Javascript-Speed getragenen Bereich der Web-Anwendungen. Interessantes Detail am Rande: Bei der Präsentation des IE8 hatte Microsoft noch behauptet, dass die aktuelle Generation der eigenen Software deutlich flotter bei der Darstellung realer Seiten - im Unterschied zu Benchmarks - sei als die Konkurrenz sei. Eine Einschätzung, die man offenbar mittlerweile ad acta gelegt hat. (Andreas Proschofsky [@suka_hiroaki auf Twitter], derStandard.at, 19.06.2009)

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