"Endverbraucher" Berlusconi

18. Juni 2009, 19:47
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Unternehmer bezahlte Partygirls für Regierungschef

Italiens Premier Silvio Berlusconi taumelt von einer Affäre zur nächsten. Mindestens vier junge Frauen haben der Staatsanwaltschaft von Bari gestanden, gegen Bezahlung an nächtlichen Partys in der römischen Privatresidenz des Regierungschefs teilgenommen zu haben. Die ehemalige Prostituierte Patrizia D'Addario übergab dem Staatsanwalt als Beweismittel Bild- und Tonaufnahmen, die vermutlich mit einem Handy in den Innenräumen des Palastes aufgenommen wurden. Bezahlt wurden die jungen Frauen vom Unternehmer Gianpaolo Tarantini, gegen den in Bari wegen Korruption ermittelt wird.

Von den gegen Geld angeheuerten Partygirls erfuhren die Staatsanwälte aus abgehörten Telefongesprächen des Unternehmers, dessen Villa an der Costa Smeralda in unmittelbarer Nähe jener Berlusconis liegt. Tarantini bezahlte den Mädchen neben Flug und Aufenthalt jeweils 2000 Euro. Er erteilte ihnen Anweisungen, sich hübsch zu kleiden und die verdunkelten Scheiben der Limousine, die sie im Hotel abholte, nicht zu öffnen.

Ausgelöst wurde die Affäre durch ein Interview, in dem Patrizia D'Addario versicherte, eine Nacht in Berlusconis Palazzo Grazioli verbracht zu haben. Der Regierungschef wertete "die gehässigen Erfindungen der Medien" als "Teil eines Komplotts gegen den rechtmäßig gewählten Premier des Landes." Sein Verteidiger Niccolò Ghedini erklärte, Berlusconi sei in jedem Fall unschuldig, weil er "bestenfalls als Endverbraucher der Mädchen infrage" komme.

Von deren Bezahlung habe der Premier nichts gewusst: "Ermittelt wird gegen Tarantini und nicht gegen Berlusconi." Der Cavaliere habe "es nicht nötig, 2000 Euro für eine Frau zu bezahlen". Er könne sie "in großen Mengen gratis haben" erklärte der Abgeordnete und Vertraute des Premiers. Gleichzeitig startete die Regierungsallianz eine Offensive gegen den früheren Außenminister Massimo D'Alema, der kürzlich "erhebliche Erschütterungen" prognostiziert hatte. (Gerhard Mumelter aus Rom, DER STANDARD - Printausgabe, 19. Juni 2009)

 

 

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