"Nicht-Handeln nicht zu entschuldigen"

18. Juni 2009, 19:28
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Forscher warnen in neuem Bericht eindringlich vor "schnellen und unumkehrbaren Klimaveränderungen"

Brüssel - Das weltweite Klima wandelt sich nach neuesten Forschungsergebnissen noch rasanter als bisher befürchtet. Die Höhe des Treibhausgasausstoßes und andere wichtige Indikatoren zum Klimawandel lägen bereits an oder nahe an den jeweiligen Obergrenzen, die der Weltklimarat (IPCC) vorgegeben habe. Wie aus dem Kopenhagen-Bericht führender Forscher hervorgeht, könnte der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 um einen Meter oder mehr steigen. Wegen der neuen Erkenntnisse forderte die Forschergruppe Politiker, Wirtschaft und Verbraucher auf, ihr Verhalten zu ändern und so den Klimawandel zu bekämpfen.

Selbst nach 2100 wird das Abschmelzen des Eises in der Antarktis und in Grönland noch für mehrere Jahrhunderte andauern, wie die Forscher in dem in Brüssel veröffentlichten Bericht schreiben. Selbst wenn der Ausstoß der Treibhausgase von heute auf morgen gestoppt würde, würden die Temperaturen in den kommenden 1.000 Jahren kaum sinken. Die Entwicklung verstärke sich zudem von selbst: Ist ein Ozean nicht von Eis bedeckt, sondern von Wasser, wird mehr Hitze von der Sonne aufgenommen und weniger reflektiert. Das Aufheizen der Ozeane beschleunige sich damit weiter.

"Bereits heute spürbar"

Dabei seien die Auswirkungen des Klimawandels schon heute mit mehr Hitzewellen, Hochwassern und Unwettern zu spüren, berichteten die Forscher. Arme Länder sind dabei besonders betroffen, etwa durch Missernten. Aber auch die Stadtbevölkerung könnte mehr leiden: So fürchten die Forscher Anthony McMichael und Roberto Bertollini, dass sich die Zahl der Hitzewelle-Toten in Städten verdoppeln könnte, wenn die Temperatur nur um zwei Grad steigt. Bisher sind es im Vergleich zur vorindustriellen Zeit nur 0,7 Grad.

Nach Analyse der Forscher sind Temperaturanstiege von durchschnittlich mehr als zwei Grad nur schwer zu bewältigen und können weit bis ins nächste Jahrhundert große Probleme verursachen.

Handeln

"Nicht-Handeln ist nicht zu entschuldigen. Die Gesellschaft verfügt bereits über zahlreiche Instrumente und Ansätze, die Klima-Herausforderung anzunehmen", heißt es in dem Klimabericht. "Der neueste Stand der wissenschaftlichen Ergebnisse vermittelt einen Eindruck der großen Dringlichkeit", erklärte der deutsche Regierungsberater Hans Joachim Schellnhuber, Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

Das PIK dringt besonders auf Änderungen der Landnutzung. Analysen des Instituts hätten ergeben, dass zwölf Milliarden Menschen mit den Erträgen von weniger als einem Drittel der heutigen Anbaufläche ernährt werden könnten, sofern jeweils an optimalen Standorten die am besten geeigneten Pflanzen angebaut würden. Dazu sei ein weltweiter Pakt erforderlich, mit dem zugleich tropische Regenwälder als Teil des "globalen Allgemeinguts" für den Naturschutz reserviert werden könnten, hieß es in einer Erklärung in Potsdam.

Hintergrund

Den Kopenhagen-Bericht stellten führende Klimawissenschaftler in Vorbereitung der Weltklimakonferenz in Kopenhagen im Dezember vor. In ihm sind Erkenntnisse zusammengefasst, die im März auf einem Kongress an der Universität Kopenhagen präsentiert wurden. (APA/AP)

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Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: Kopenhagen-Klimabericht: "Nicht-Handeln ist nicht zu entschuldigen"

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    Blick auf rauchende Schornsteine in einem Industriegebiet - "Nicht-Handeln ist nicht zu entschuldigen" heißt es im neuesten Klimabericht.

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