Lichterkette als Zeichen des Engagements

18. Juni 2009, 18:08
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Romy Grasgruber und Maria Sofaly warnen vor rechter Hetze

Kennengelernt haben sich die beiden Studentinnen am Institut für internationale Entwicklung bei einer gemeinsamen Lehrveranstaltung. Sie waren einander sympathisch, sie konnten gut miteinander lachen, sie konnten gut miteinander reden. Das war vor drei Jahren. Die Erfahrung, die sie in den vergangenen drei Wochen gemacht haben, schweißt die beiden zusammen. Vor drei Wochen hatten sie ihr erstes E-Mail verschickt: Sie, zwei Studentinnen aus Wien, organisieren eine Lichterkette um das Parlament gegen die rechte Hetze. Weil sie nicht nur daherreden, sondern auch etwas tun wollen, ein Zeichen setzen, wachrütteln.

Das klang ein wenig naiv, aber in den nächsten Wochen schlossen sich 11.000 Unterstützer im Internet der Initiative an. Am Donnerstagabend schließlich wird die Lichterkette um das Parlament geschlossen, eine zweite findet in Graz statt, initiiert und veranstaltet von Romy Grasgruber, 25 Jahre alt, und Maria Sofaly, 27 Jahre alt.

Die letzten drei Wochen waren purer Stress, aber es hat sich ausgezahlt. Sie haben tatsächlich ein Zeichen gesetzt, eines gegen Ausgrenzung und Intoleranz, eines für ein respektvolles Miteinander und für Zivilcourage. Und sie haben viele neue Freunde gewonnen.

Was die beide verbindet, ist soziales Engagement, das sie auch leben. Romy Grasgruber, die in Graz aufgewachsen ist, hat ihre Praktika im Ausland gemacht, da ging es um Entwicklungszusammenarbeit und Bildungsprojekte für Jugendliche, dann hat sie beim Verein für integratives Lernen Deutsch für Kinder mit Migrationshintergrund unterrichtet. Maria Sofaly kommt aus dem niederösterreichischen Dorf Stillfried, sie hat sich bei der katholischen Frauenbewegung engagiert. Ihre Auslandspraktika führten sie zum Tradecenter nach Genf und in die Slums von Buenos Aires zum "Theater der Unterdrückten" .

Politisch vereinnahmen lassen sich die beiden nicht, sie können sich auch nicht vorstellen, bei einer Partei zu arbeiten. Dann schon lieber bei einer Menschenrechtsorganisation. Maria Sofaly will sich dem Gewöhnungseffekt entgegenstellen, sie will nicht, dass Menschen respektlos behandelt werden. Die Plakate aus dem EU-Wahlkampf kann sie nicht als normal hinnehmen. Romy Grasgruber hält das schlechte Klima nicht aus: jenes von Ausgrenzung und Diskriminierung. Was die beiden von anderen unterscheidet, die das auch so sehen: Sie tun etwas. Spontan, frisch und fröhlich, vielleicht etwas naiv - aber sehr entschlossen. (Michael Völker/DER STANDARD-Printausgabe, 19. Juni 2009)

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