Stiftungsrat nahm Jahresbilanz 2008 mit Mehrheit an

18. Juni 2009, 17:54
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Negatives Ergebnis im laufenden Jahr könnte wachsen - Aufsichtsgremium pocht weiter auf schwarzer Null 2010

Neben der Wegweisung von Journalisten aus dem sechsten Stock des ORF-Zentrums diskutierte der ORF-Stiftungsrat am Donnerstag auch über die Finanzlage des Unternehmens. Der Jahresabschluss 2008, der ein Ergebnis von minus 79 Mio. Euro ausweist, wurde von den Wirtschaftsprüfern des Unternehmens bestätigt und vom Stiftungsrat mit einer großen Mehrheit beschlossen. Die laufenden Sparmaßnahmen wurden vom Aufsichtsgremium "positiv zur Kenntnis genommen", so der Vorsitzende Klaus Pekarek - im Jahr 2010 beharrt der Rat auf einem ausgeglichenen Ergebnis.

Aufgrund der aktuellen Finanzlage werde das diesjährige Finanzergebnis im ORF schlechter ausfallen als erwartet, das Minus könnte von den geplanten 29 Mio. auf 50 Mio. Euro anwachsen, erläuterte Pekarek nach der Sitzung, DER STANDARD berichtete. "Es kommt also ein weiteres Verlustjahr." ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz betonte, sein Ziel sei "immer noch, möglichst nahe an die geplanten minus 29 Mio. Euro zu kommen".

Laut Pekarek liegt das Eigenkapital des ORF derzeit bei 180 Mio. Euro und dürfte sich voraussichtlich im nächsten Jahr auf 130 Mio. verringern. Für den Stiftungsrat sei das ein eindeutiges Signal dafür, dass "2010 ein ausgeglichenes Ergebnis dastehen muss". Das Gremium wolle der Geschäftsführung daher Rückendeckung für jene Maßnahmen geben, die notwendig sind, um 2010 eine schwarze Null zu erreichen. Es sei wichtig "in allen Bereichen konsequent zu bleiben". Die Sparmaßnahmen dürften allerdings nicht zulasten des Programms gehen, so Pekarek.

Reduktion von Sach- und Personalkosten

Wrabetz will die Einsparungen unter anderem mit der Reduktion von Sach- und Personalkosten erreichen. Bis 2011 sollen 440 Vollzeitstellen abgebaut werden - laut Wrabetz liege man derzeit dank Pensionierungen, Nichtnachbesetzungen und Hand-Shake-Programm gut im Plan. Sollten aber bis 2011 nicht 440 Mitarbeiter freiwillig das Unternehmen verlassen "und wir nicht auf das erwünsche Ergebnis kommen, sind überhaupt keine Maßnahmen mehr ausgeschlossen", sagte Wrabetz auf die Frage, ob Kündigungen ein Tabu seien.

Mit Blick auf die Refundierung der Gebührenbefreiungen, die von der SPÖ versprochen von der ÖVP aber weitgehend abgelehnt wird, meinte Pekarek, dass der ORF, bei entsprechender eigener Vorleistung, auf ein Entgegenkommen der Politik bei den Erlösquellen hoffen dürfen muss. Wenn der ORF im Jahr 2010 "aus eigener Kraft" ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen wird - und an der Erreichung dieses Ziels sei die Geschäftsführung laut Pekarek zu messen - dann müsse es "legitim sein, auch über die Einnahmenseite nachzudenken". (APA)

 

 

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