Reformerinnen berichten über die Proteste

18. Juni 2009, 17:43
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Die Hauptdarsteller der politischen Krise mögen Männer sein - Aber in den ersten Tagen berichteten Iraner, dass die meisten Demonstranten Frauen waren

Wien/Teheran - Die iranische Soziologin Shahla Lahiji, die jeden Tag auf der Straße demonstriert, und die Journalistin Amene, die aus Furcht Teheran verlassen musste, verbindet, dass sie um Worte ringen, wenn sie nach der Protestwelle im Iran gefragt werden. „Wie kann ich das beschreiben? Es ist einfach unglaublich", sagt Lahiji am Telefon. Hunderttausende auf der Straße, die alle ein Gefühl verbinde: „Wir wurden belogen." Amene wird umgehend politisch: „Jeder weiß, die Wahlen wurden manipuliert. Wir gehen auf die Straße, um zu zeigen, dass wir nicht dumm sind, dass wir das wissen".

Die junge Reporterin Amene und Lahiji sind in einer Hinsicht repräsentativ: Die Hauptdarsteller der politischen Krise im Iran mögen Männer sein. Aber besonders in den ersten Tagen berichteten Iraner, dass die meisten Demonstranten Frauen waren. Lahiji spricht von einem geschätzten Frauenanteil von 60 Prozent: „Junge wie alte, reiche und arme, religiöse und weltliche marschieren mit".

Dass so viele Frauen auf die Straße gehen, sei logisch, sagt Lahiji, sie hätten schließlich am meisten unter Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad gelitten. Bereits im Wahlkampf sei eine beispiellose politische Mobilisierung der iranischen Frauen erfolgt. So wurde etwa Zahra Rahnavard, die Ehefrau von Mir-Hossein Mussavi, immer wieder in den Blickpunkt der Kampagne der Reformer gerückt. Amene begründet die massive Beteiligung der Frauen auch damit, dass die Mehrzahl der Uni-Studenten weiblich sind. Die Universitäten sind einer der Zentren der Proteste. Schließlich seien Frauen auch von den sozialen Problemen, wie Arbeitslosigkeit, für die viele Ahmadi-Nejad verantwortlich machen, stärker betroffen.

Lahiji erzählt auch vom Mut vieler Demonstrantinnen. Sie selbst habe bei den Unruhen gesehen, wie eine junge Frau in Teheran plötzlich auf einen Polizisten zugegangen sei. „Sie hat zu ihm gesagt: Schlag mich. Er hat sich natürlich nicht getraut und ist weggelaufen."
Trotz der Größe der Protestbewegung sagt Amene, dass sich im Iran nichts ändern werde. „Die Proteste werden versanden, und das Ausland wird vergessen." Lahiji will über die Erfolgsaussichten nichts sagen. Sie muss zur Demo: „Hoffentlich bleibt es diesmal ruhig." (András Szigetvari, DER STANDARD, Printausgabe, 19.6.2009)

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