Lichte Momente gegen dunkle Mächte

18. Juni 2009, 17:28
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    foto: christian fischer

    Waldheim-Pferd meets Botschaft der besorgten Bürger gegen Schwarzblau: Aktivisten der Zivilgesellschaft entlarven Österreichs Umgang mit dem NS-Erbe, scheitern aber im kampf gegen Rechts.

Lichterketten sind beliebte Aktionsmittel gegen Rechts - Eine Bilanz der Aktionen der "Zivilgesellschaft"

Wien - Er ist wieder dabei. Wie so oft, wenn die vielzitierte "Zivilgesellschaft" in Österreich das Wort ergreift. Um gegen "rechte Hetze" zu protestieren, hatten die Studentinnen Romy Grasgruber und Maria Sofaly am Donnerstagabend eine Lichterkette ums Parlament organisiert und als Redner auch Doron Rabinovici eingeladen. Natürlich, könnte man fast sagen.

Der Schriftsteller war schon in den Achtzigern aktiv, als sich der Republikanische Club formierte. Vordergründig ging es gegen Präsident Kurt Waldheim, der sich nicht an seine Kriegskarriere erinnern wollte, im Kern aber gegen die gängige Verdrängung der NS-Vergangenheit. Mit "Spaßguerilla" -Taktik machten die Aktivisten Furore, Prunkstück war ein großes Holzpferd, das auf die von Waldheim zunächst geleugnete Mitgliedschaft bei einer SA-Reiterstaffel anspielte. "Wo immer wir mit dem Pferd aufgetaucht sind, haben Waldheim und seine Leute Reißaus genommen" , erzählt Rabinovici. Doch Weglaufen war nicht mehr drinnen. Bald diskutierte das ganz Land öffentlich, was die "Republikaner" gefordert hatten: Den Umgang mit dem eigenen Nazi-Erbe.

Vom Anti-Ausländer-Volksbegehren...

Der Protest wurde in der Form ernster, aber nicht unbedingt politischer: Das Lichtermeer von 1993 gegen das Anti-Ausländer-Volksbegehren der FPÖ, mit 300.000 Teilnehmern die größte Demo der zweiten Republik, hat Rabinovici eher als "Event" in Erinnerung. Die Organisatoren von "SOS-Mitmensch" forderten (faire) "Gesetze statt Hetze" , stießen bei den Regierenden letztlich aber auf taube Ohren. Auch rote Innenminister bauten neue Schikanen für Ausländer, ehe im Jahr 2000 der Worst Case eintrat: Die FPÖ Jörg Haiders kam in die Regierung, wo sie in der Mutation des BZÖ bis 2007 blieb.

... bis zum Protest gegen Schwarz-Blau

Daran änderte auch die "Demokratische Offensive" nichts, die im Wendejahr bis zu 250.000 Menschen gegen Schwarz-Blau auf die Straße brachte. War der Protest also vergeblich? Nein, sagt Rabinovici: Jene, die gegen Rassismus auftreten, hätten gelernt, nicht nur für, sondern gemeinsam mit den Diskriminierten zu sprechen. Und auch wenn die Gegenbewegung gerne größer sein könnte: "Ein stärkeres Bewusstsein gegen rassistischen Populismus und Verharmlosung des Nationalsozialismus haben wir schon geschaffen."

Der damalige "zivilgesellschaftliche Aufbruch" habe durchaus Schule gemacht, meint Kurt Wendt, der anno 2000 die Donnerstagsdemos mitorganisierte. Seither hätten sich immer wieder autonome Initiativen auf die Beine gestellt, die auf traditionelle Organisation verzichten, aber via Internet gut vernetzt und kaum zu kontrollieren sind. Beispiel: der blitzartige Protest gegen das Trinkverbot im Wiener Museumsquartier.

Die Lichterkette findet Wendt nur im Prinzip gut, denn: "Fackeln sind mehr eine faschistische Tradition." Deshalb fehlt er aber nicht auf der Demo, gibt er zu: Er wolle "einfach lieber baden im Gänsehäufel." (Gerald John/DER STANDARD-Printausgabe, 19. Juni 2009)

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Posting 1 bis 25 von 77
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Sepp Bauer
00
20.6.2009, 11:35
rechtsregel

man beachte nur die kommentare zu vorliegendem arikel. nazi-land? auf jeden fall. aber es ist in einer demokratie nun einmal notwendig, die krankheit des nationalsozialismus im leibe zu haben, damit das hauptsystem gesund bleiben und arbeiten kann, fast so wie beim impfen. die nazis werden nicht zu "alter" macht aufsteigen, soviele tische und sessel sind in wirtshäusern und omv-tankstellen leider nun mal nicht verfügbar. lustig find ich nur, wie bereitwillig sich diese gesellschaft ins kino für amerikanische (AUSLÄNDISCHE!!!) actionfilme spült, mit welcher energie sich schon dicke und rissige leiber mit fast food (ausland!!) zusätzlich einfetten, um dann auf i-phones (auch ausm ausland) herumzuschmieren. das brauchen wir dann schon alles!

amPunkt
21
19.6.2009, 06:50
Ewig gestrige Feindbilder!

So kann die Linke elegant von ihrer Duldung der Vorgänge im Iran ablenken!

Wo bleibt da der Protest gegen den Wahlbetrug und die brutale Niederwerfung der Opposition???

Ja, ja der Balken vor dem eigenen Auge verhindert den objektiven Blick!

Ava Tar
00
20.6.2009, 08:26

Ja wie gut, daß Strache und Pröll nicht duldeten. Sie Kipferl.

amPunkt
00
21.6.2009, 15:44
Aber die Gutmenschen seid doch ihr!

Walter Bimini
10
19.6.2009, 00:16
lichterlkette während die politiker den staat für die banken plündern.

Angelika70
01
18.6.2009, 22:30

Die Schätzung beläuft sich auf 3500 Teilnehmer!

Stachanow, Mitarbeiter des Monats!
 
03
18.6.2009, 23:19
Und die anderen 7.000 waren Geheimpolizisten?

Quintus Beckloeffel
12
18.6.2009, 23:12

Da kann die Kirchweih in Hintertupfing aber locker mithalten.

Karl Buschina
115
18.6.2009, 22:17
Trotz lichter Momente

sind die meisten Teilnehmer mit Blindheit geschlagen.

Was ist schlimmer als die FPÖ?

http://tinyurl.com/n7xh6l

Walter Angelli
10
19.6.2009, 01:15

traurige wahrheit

Marilynn E.
01
18.6.2009, 21:53

coole rede von Doron Rabinovici, schöner text von streeruwitz mußte leider früher gehen und hätte mir mehr teilnehmer gewünscht.

geht lieber ins gänsehäufl baden. jo, die meisten haben immer was besseres zu tun...

barbarutta
00
18.6.2009, 23:40

das gänsehäufel war um die zeit, als die lichterkette stattfand, längst geschlossen.

Cuchullain
01
18.6.2009, 23:09
Knapp vor der Bühne war für ca. 15 auch die Laura (Rudas):

Ließ sich vom SPÖ-Hoffotografen ablichten und ist dann sogleich verschwunden

Cuchullain
00
19.6.2009, 10:38
15 = 15 Minuten

Sorry!

alles ist lächerlich...
02
18.6.2009, 21:23
sch.... moralisten

auflehnung gegen faschismus und geistigen schrebergärtnern ist weder gut noch böse sondern notwendig.

gefühlte Inflation
59
18.6.2009, 20:27
Liebe Hanna A.!

Sie leben ja nimmer in Österreich, sagen Sie. Aber Sie wissen, dass sich jede/r beklagt, wie "furchtbar die Entwicklungen in Österreich nicht seien" usw.

Ich lebe aber hier und ich kenne viele, die sich nicht beklagen. Im Gegenteil, sie sind heilfroh, in diesem Land zu leben.

Ja, es gibt sogar das Kuriosum, dass grade diejenigen, die das Leben hierzulande nicht auszuhalten vorgeben:

a) und deswegen fortgehen wollen, immer noch da sind

b) wenn sie dieses Land seiner Unerträglichkeit wegen verlassen haben, schon wieder da sind, zB die Elfi

c) sich mächtig dafür einsetzen, dass möglichst viele Immigtranten in dieses schrecklich Land kommen können - statt sie davor zu warnen herzukommen.

Hanna A.
00
21.6.2009, 16:14

Ich Schlussfolgere das all diejenigen die eine andere politische Einstellung haben und die mit den derzeitigen politischen Entwicklung in Österreich unzufrieden sind ihrer Meinung nach…

a)Aufgefordert sind ihre Heimat zu verlassen
b)Nicht in ihre Heimat zurückkehren sollen wenn sie nicht die gleichen Überzeugung entwickeln
c)Österreich Menschen mit fremden ethnischem Hintergrund nicht willkommen heißt.

Eben das ist eine Komponente, eine Auffassungsweise die ich an den Entwicklungen in Österreich kritisiere.Dieser Denkansatz ist anscheinend sehr in uns Österreichern verankert.

Tom93
30
18.6.2009, 19:54
was treibt die gute alte zivilgesellschaft so?


was tut sich vor dem parlament? sind alle 11.000 facebook-mitglieder gekommen?

Angelika70
02
18.6.2009, 22:30

3500 sind gekommen.

barbarutta
02
18.6.2009, 23:41

es waren weit mehr.

Walter Angelli
20
19.6.2009, 01:16

unsinn.

barbarutta
00
19.6.2009, 13:41

nein.
500 fackeln. weitaus die meisten leute hatten keine fackel, weil viel zu wenige da waren.
ich war dort und habe das gesehen. es war sehr beeindruclend, wie viele leute auf den aufruf von zwei studentinnen gekommen sind.

sylvia29
10
19.6.2009, 11:47
und vor allem völlig irrelevant.

wenn man nur wenige 100 hanseln zsammbringt wie die moschee-fankatiker, ist es lächerlich.

wenn 100.000 kommen, ist es sensationell.

die frage hingegen, ob bei einer veranstaltung 3000, 5000 oder 7000 menschen waren, sei erbsenzählern vorbehalten.

Hanna A.
118
18.6.2009, 19:47

Ich lebe nicht mehr in Österreich...aber jedes mal wenn ich nach Wien heim komme, habe ich einschneidende Erlebnisse, die mich aufwühlen und entsetzen.
Was mich am meisten aufbringt ist das Schweigen der Masse. Jeder/Jede beklagt sich furchtbar die Entwicklungen in Österreich nicht seien…aber keiner steht auf und handelt. Alle sind so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie nicht Zeit und Energie aufbringen aufzustehen und zu handeln. Manchmal habe ich sogar den Eindruck es besteht eine Scheu davor sich öffentlich zu positionieren. Aber genau darum geht es - man muss Position ergreifen, denn sonst wird man zum Mitläufer. Ich hoffe dass all diejenigen die immer nur reden und raunzen heute bei der Lichterkette und morgen aktiv sind…

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