Besuch der alten Dame

18. Juni 2009, 17:15
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Die von Werner Schneyder jovial moderierte Ausgabe machte den Eindruck einer sympathischen, für ideologische Fremdgeher und notorische Querzapper aber nur bedingt zugängliche Veranstaltung

Mitunter läuft auch eine segensreiche Sendung wie der Club 2 unter der selbst gelegten Themenlatte locker durch. Die von Werner Schneyder jovial moderierte Ausgabe zum Thema "Braucht Österreich, braucht Europa eine neue Linke?" machte Mittwochabend den Eindruck einer sympathischen, für ideologische Fremdgeher und notorische Querzapper aber nur bedingt zugängliche Veranstaltung.

Man könnte auch wie folgt sprechen: Versprengte SPÖ-Sympathisanten und solche, die ihre Nähe zur Sozialdemokratie nur noch mit Magendrücken einbekennen, treffen sich unter Mitwirkung von zwei angekündigten Miesepetern und Spielverderbern aus Deutschland zum trauten, von keinerlei Zwietracht getrübten Verständigungsabend.

Man muss kein gewerbsmäßiger Kommentator der heimischen Innenpolitik sein, um von dem sich aufdrängenden Befund bestürzt zu sein: Die SPÖ - mit ihr das Gros der europäischen Sozialdemokraten - ist offenbar eine furchtbar "demodé" wirkende alte Tante, an deren Siechenlager sich selbst Berufene nur in Ausnahmefällen herumdrücken möchten.

Die kontroverseren Momente ergaben sich daher dann, wenn die wunderbar saloppe Trautl Brandstaller mit Josef "Joe" Kalina versuchsweise die Klingen kreuzte: eine verdiente ORF-Journalistin, die einem "pragmatisch" getönten, demütig wirkenden Kommunikationsexperten mit guter Anbindung an das Dichand-Imperium beinahe die Leviten las. Aber eben nur beinahe. Der Zustand der alten Dame lässt keine gröberen Konfrontationen mehr zu. Man unterhält sich leise im abgedunkelten Raum, in dem die Sozialdemokratie vor sich hindämmert. Ein Club 2 als Offenbarungseid!? (Ronald Pohl, DER STANDARD; Printausgabe 19.6.009)

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