Showdown auf Schalke

20. Juni 2009, 13:12
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Zuschauer-Massen bei Klitschko gegen Tschagajew wie zu Zeiten von Max Schmeling - Usbeke wittert vor 60.000 große Chance

Gelsenkirchen - 60.000 Zuschauer in der Veltins-Arena von Gelsenkirchen und Millionen Zuschauer in mehr als 100 Ländern werden den Schwergewichts-WM-Titelkampf zwischen dem Ukrainer Wladimir Klitschko und dem Usbeken Ruslan Tschagajew am Samstag (22.00 Uhr/ live RTL) verfolgen. Einen größeren Zuschauer-Andrang beim Boxen hat es in Deutschland seit 70 Jahren nicht gegeben.

Damals, am 2. Juli 1939 in Stuttgart, brachte Idol Max Schmeling im Kampf um die deutsche Meisterschaft gegen den Bonner Adolf Heuser 70.000 Menschen auf die Beine. Nicht nur den deutschen, auch den Europarekord hält Schmeling: 102.000 Zuschauer strömten am 26. August 1934 auf die Sandbahn Hamburg-Lokstedt, um den K.o.-Sieg des Ex-Weltmeisters gegen Walter Neusel zu bejubeln.

"Es ist eine Gelegenheit, die zum ersten Mal in meiner gesamten sportlichen Karriere zustande gekommen ist", verkündet WBO-, und IBF-Weltmeister Klitschko feierlich. "Ich freue mich wahnsinnig auf diese 60.000 Zuschauer." Ob die Rivalen dem nervlichen Druck standhalten, den die respekteinflößende Kulisse ausübt, wird sich zeigen. "In so einer Arena haben sie noch nicht geboxt. Respekt haben beide", meint Jean-Marcel Nartz, Technischer Leiter der Hamburger Universum Box-Promotion, bei der Tschagajew unter Vertrag steht.

Der 33-jährige Klitschko (52 Siege, 3 Niederlagen), der neben den beiden anerkannten WM-Titeln auch noch den Gürtel des unbedeutenden Verbandes IBO besitzt, steigt als Favorit in den Ring. "Wladimir ist nach seinen Niederlagen gegen Corrie Sanders und Lamon Brewster stabiler, sicherer geworden", sagt Nartz. "Den Kampf hat er aber noch nicht gewonnen. Ruslan hat mehr als eine Außenseiterchance." WBA-Weltmeister Tschagajew, in 26 Profi-Kämpfen ungeschlagen, hat selbst den 28 Zentimeter größeren Nikolai Walujew bezwungen. Klitschko misst nur 15 Zentimeter mehr als sein Herausforderer.

"Das ist endlich wieder ein Schwergewichtskampf, über den die Leute reden können", beteuerte Nartz. Alle Beobachter sind sich weitgehend einig: In Tschagajew hat Klitschko einen stärkeren Widerpart als in dem zunächst vorgesehenen Briten David Haye, dem zwar eine große Klappe, aber auch ein Glaskinn nachgesagt wird. Haye hatte den Kampf wegen einer Trainingsverletzung 17 Tage vor dem ersten Gong abgesagt. Nachdem "Russen-Riese" Walujew als Ersatzkandidat abgewunken hatte, nahm Tschagajew die Offerte Klitschkos an.

Tschagajew, dessen WM-Kampf am 30. Mai in Helsinki gegen Walujew geplatzt war, weil ihm finnische Ärzte wegen eines nachgewiesenen Hepatitis-B-Antigens im Blut die Starterlaubnis verweigerten, sieht sich vor einer Riesenchance. Im Gegensatz zu den Bedenken in Finnland besteht nach Ansicht deutscher Ärzte kein Gesundheitsrisiko. Der Usbeke, der von der WBA als "Weltmeister in der Pause" geführt wird, sich aber im Vergleich mit dem "ordentlichen" Titelträger Walujew als wahrer Champion fühlt, kann mit einem Schlag zwei weitere WM-Gürtel erobern und damit zum Helden der Szene werden. "Das ist für mich echtes Glück. So eine Chance bekommt man nur einmal im Leben", bekannte Tschagajew, der eigentlich schon auf dem Weg in den Urlaub war, als ihn das verlockende Angebot erreichte.

Für Klitschko bleibt der WBA-Titel in jedem Fall unerreichbar. Die Weltmeisterschaft stünde nicht zur Disposition teilte der in Panama ansässige Weltverband am Samstag mit. Die WBA begründete ihre Entscheidung mit den ungeklärten Konsequenzen aus der Absage des Kampfes zwischen Walujew und Tschagajew in Helsinki. (APA/dpa)

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    Vladimir Klitschko aus der Ukraine (L) mit drei Schwergewichts-Titeln trifft am Samstag auf den Usbeken Ruslan Chagaev, der nur "Weltmeister im Wartestand" ist. Für Klitschko gibt's daher wahrscheinlich keinen weiteren Titel.

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