Süßstoffe finden sich im Trinkwasser wieder

20. Juni 2009, 12:39
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    foto: standard/fischer

    Manche der untersuchten Süßstoffe können durch Kläranlagen nicht entfernt werden und gelangen so ins Trinkwasser.

"Sie stellen nach derzeitigen Erkenntnissen keine Gefährdung für den Menschen dar"

Karlsruhe - Abwässer aus Kläranlagen und Oberflächenwasser enthalten eine Vielzahl synthetischer Süßstoffe aus Getränken und Lebensmitteln. Das berichten Trinkwasseranalytiker vom Karlsruher Technologiezentrum Wasser in einer der kommenden Ausgaben der Fachzeitschrift "Analytical and Bioanalytical Chemistry". "Ohne es zu bemerken, konsumieren wir täglich eine hohe Anzahl von Chemikalien. Diese hinterlassen jedoch ihre Spur im Wasserkreislauf, denn anders als etwa Öl wird Wasser nicht ver- sondern gebraucht und immer wieder verwendet. Viele der Stoffe können durch Kläranlagen nicht entfernt werden und gelangen so ins Trinkwasser", so Studienautor Heinz-Jürgen Brauch zu den Ergebnissen.

Untersucht wurden sieben künstliche Süßstoffe: Acesulfam, Cyclamat, Saccharin und Sucralose konnten die Forscher in Wasserproben der deutschen Kläranlagen Eggenstein-Leopoldshafen und Karlsruhe durch neue Analysemethoden nachweisen. "Während man früher nur diejenigen Stoffe untersuchen konnte, die leicht aus dem Wasser zu entfernen sind, ist das nun auch bei wasserlöslichen Substanzen möglich. Neue Stoffgruppen können damit erschlossen werden", so Brauch. Während Cyclamat und Saccharin in den untersuchten Kläranlagen zu über 94 Prozent eliminiert werden, werden Acesulfam und Sucralose nur unvollständig entfernt.

Drei weitere untersuchte chemische Süßstoffe - Aspartam, Neohesperidin und Neotam - wurden hingegen im geklärten Wasser nicht gefunden. "Sie werden scheinbar im Klärprozess erfolgreich abgebaut."

Keine Bedenken

Die Wirkung von synthetischen Süßstoffen auf die Gesundheit des Menschen ist immer wieder in Diskussion, zumal die USA und Europa einzelne Stoffe verschieden bewerten, woraus sich unterschiedliche Zulassungen oder Verbote ergeben. Brauch liest keine ernsten Bedenken aus den Ergebnissen. "Alle untersuchten Stoffe wurden auf ihre gesundheitliche Wirkung eingehend untersucht und stellen nach derzeitigen Erkenntnissen keine Gefährdung für den Menschen dar. Es stellt sich jedoch die Frage, wie sehr das Image des Trinkwassers als natürliches Produkt noch angebracht ist."

Die Süßstoff-Konzentration war im deutschen Klärwasser höher als bei einem Vergleichstest in einem Mittelmeerland. "Im Unterschied zu Ländern mit Wasserknappheit wird Klärwasser in Mitteleuropa nicht in den Boden, sondern direkt in Oberflächengewässer geleitet, wodurch es wiederum schneller ins Trinkwasser gelangt", so Brauch. Die Relation der Süßstoff-Konzentration müsse man dabei jedoch berücksichtigen. "Eine Tasse Tee süßt man mit etwa einem Gramm Süßstoff, während die Kläranlagenzuläufe Konzentrationen von höchstens 190 Mikrogramm pro Liter aufweisen." Es sei jedoch denkbar, dass sich die Konzentration der Substanzen im Wasserkreislauf auf lange Zeit erhöhen, so der Trinkwasserexperte. (pte/red)

Link
Analytical and Bioanalytical Chemistry (Analysis and occurrence of seven artificial sweeteners in German waste water and surface water and in soil aquifer treatment (SAT))

Kommentar posten
23 Postings
Am Boden der Badewanne ist ein tiefes, dunkles Loch
00
23.6.2009, 20:08

Ah, bah. Das sind die Mind Control-Drogen.

pier paolo pasolini1
 
00

Wir befinden uns doch alle am futurulogischen Kongress

beinstein
01
23.6.2009, 09:36
DAMIT BEKOMMT DIE BEZEICHNUNG..

"süßwasserfisch" eine ganz neu bedeutung ;-)

Truthlobby
11
21.6.2009, 17:49
kurzer input

diverse süßstoffe werden aufgrund der appetitanregenden wirkung ja in der schweinemast eingesetzt - möglicherweise sind die dort freigesetzten chemikalien hauptsächlich an der wasserverunreinigung schuld?

Grizzlybear
10
25.6.2009, 10:30
Die sind nicht "appetitanregend".

Den Schweinen schmeckt Süßes einfach besser, daher fressen Sie von dem gesüßten Futter einfach mehr. Dass Aspartam & Co. Hunger machen, ist eine uralte Urban Legend.

xv22
00
21.6.2009, 13:05

Gibt's keine Bakterien die Süßstoffe fressen?

pi_rat
01
21.6.2009, 11:16

Während Cyclamat und Saccharin in den untersuchten Kläranlagen zu über 94 Prozent eliminiert werden, werden Acesulfam und Sucralose nur unvollständig entfernt.

Ich find "über 94 Prozent" auch noch recht unvollständig.

her wig
04
21.6.2009, 07:41

Es kommt alles wieder zurück, sagt die alte Weisheit. Aber wer glaubt das schon. Was man wegwirft ist weg, und erst wenn's wieder zurückkommt, weis man es wirklich. Und in der Zwischenzeit hatte man zumindest ein bequemes Leben. There is probably no global ecosystem. Enjoy your life.

Nick Tameer
05
21.6.2009, 10:21

Wenn man in der zwischenzeit wenigstens ein schönes Leben hat, würde ich Wegwerfverhalten ( hier schon SEHR großzügig ausgelegt!) im Sinne einer Après-Nous-Le-Déluge-Ethik als moralisch konsistent und folgerichtig ansehen: wir haben die Erde nur geliehen? Schön blöd von den künftigen Generationen, trau schau wem!

Aber, mal im Ernst, verschönert Süßstoff das Leben? Zucker süßt angenehmer und selbst zum Abnehmen taugt das Zeug nix. Allenfalls vermittelt es dieses Gefühl von "bewussterem Leben". Schönes Leben ist aber etwas Anderes und durchaus Konträres. Glückliche Liebe schreibt keine Lieder und wenn die Bewusstmachung des Lebens zum Lebenszweck erhoben wird, dann stimmt ja wohl was nicht, all ihr Eso-Brüder und Schwestern.

Am Boden der Badewanne ist ein tiefes, dunkles Loch
00
23.6.2009, 20:09

Süßstoffe? War gestern. Wahre Esofreaks nehmen Stevia und werden davon 700 Jahre alt.

her wig
01
22.6.2009, 16:43

Denn erst das rechte Maß an Dummheit macht glücklich ;-)

Nick Tameer
01
22.6.2009, 17:13

Da verstehst du mich falsch. Mit "bewusst Leben" wird nämlich ziemlich Gegenteil dessen gemeint, was ich bei unbefangenem Sprachgebrauch darunter verstehen würde. Es handelt sich um jene Art von Dummheit, die narzistische Freude in Selbstbespiegelung findet, was in meinen Augen über einen rein biologischen Sinn von Bewusstsein wenig hinausgeht und mit einem weitergehenden Sinn unvereinbar ist.

KKdJ
00
25.6.2009, 11:52
Na dann tun'S uns doch einmal erklären, was der

"biologische Sinn des Bewusstseins" Ihrer Meinung nach ist.

Ich lass mich immer gern belehren.

Nick Tameer
00
27.6.2009, 10:50

Nun, ich meine die Fähigkeit, sich als eigenständiges Wesen wahrzunehmen, die bei einer Reihe von Wirbeltieren, vielleicht auch einigen Mollusken, sioweit man das überhaupt beurteilen, unterstellt werden muss und die wir mit Gewissheit besitzen.

Nitram1988
00
20.6.2009, 23:37
Ich mache mir mehr sorgen um Drogen und Medikamende.

Vielleicht haben die gedopten Sportler nur Wasser getrunken.

salenoz
 
04
20.6.2009, 21:29

Ich finde viel kritischer, dass Stoffe wie Hormone aus Tabletten nicht herausgefiltert werden können! Die sind jetzt schon (relativ gesehen) stark im Wasser vertreten.

Und haben sicher keine "süße" Wirkung, sondern beeinflussen den Körper noch viel stärker.

Nick Tameer
212
20.6.2009, 14:09

Entgegen allen unkenden Prognosen von Schwarzmalern und Ökospinnern steigen die Süßwasserresourcen der Menschheit also deutlich an!

Im übrigen protestiere ich gegen das Passivsüßen und fordere striktes, gesetzliches Süßstoffverbot in der Öffentlichkeit. Die Debatte sei hiermit eingeleitet!

beinstein
02
23.6.2009, 09:41
KONSEQUENTERWEISE sind..

in lokalen ab bestimmter größe getrennte bereiche für süßstoff und zucker einzurichten, kleinere müssen sich für eine variante entscheiden.
vorhande einteilungen in raucher/rauchfrei sind klarerweise in entsprechende subbereiche zu teilen ;-)

Nick Tameer
02
23.6.2009, 11:55

Wichtig: strikt getrennte Toiletten und Kanalisationssysteme, denn die Rückstände werden kaum durch weggeschüttete Kaffeereste ins Wasser gelangen.

kernspaltung
00
20.6.2009, 19:06

haha nice!

chem
01
20.6.2009, 13:06
... und wieder ein Triumph der Analytischen-Chemie !!

Hans vom Busch
00
21.6.2009, 10:48
markus bist du´s? :)

sturmy
01
20.6.2009, 13:15
süss...

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