Musikrundschau mit Folk und Psychedelik

18. Juni 2009, 17:13
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Neue Alben von Forest Fire, Magik Markers, Cats on Fire und Joker's Daughter

FOREST FIRE
Survival
(Talitres/Hoanzl)
Die New Yorker Band klingt so, als ob Sonic Youth mit Akustikgitarren und Mandolinen ein wenig in der Musikszene der Appalachen wildern würden. Zur Sicherheit hat die Band aber noch eine Raubtiere und Serienkiller verscheuchende Feedbackgitarre und Gottes schönste Kirchenlieder als Inspirationsquelle mitgenommen. Große, traurige und gleichzeitig erhebende Kunst, die einem manchmal schier das Herz zerreißt. Anspieltipps: I Make Windows, Sunshine City, Promise.

MAGIK MARKERS
Balf Quarry
(Drag City / Trost)
Das US-Mann/Frau-Duo spielt auf ungestimmten Gitarren zu schludrig neben dem Takt liegendem Schlagzeug. Wir hören eine Form dreckiger Psychedelik, die über die Hilfsbrücke eines völlig jenseits aller Musikalität liegenden weiblichen Gesangs tatsächlich ein bisschen sexy klingt. Junkie Rock, ohne Heroin. Falls sich die Magik Markers allerdings einmal ein Stimmgerät kaufen, dürfte es mit der Karriere vorbei sein. Auf der Borderline nachts um halb eins.

CATS ON FIRE
Our Temperance Movement
(Cargo/Trost)
Dass Morrissey und The Smiths noch immer junge Menschen zu rühren wissen, lässt sich ab sofort auch mit einem finnischen Ableger beweisen. Zeitloses Leid von melancholischen Burschen, denen V-Pullover und Wollweste näher sind als die gegerbte Haut von Kühen. Tränen werden hier lieber in die Teetasse als ins Bierglas geweint. Im trinkfreudigen Finnland ist das möglicherweise die härteste postpubertäre Oppositionshaltung, die man einnehmen kann. Sehr hübsch.

JOKER'S DAUGHTER
The Last Laugh
(Double Six / Hoanzl)
Brian Burton alias Danger Mouse, der Mann hinter Gnarls Barkley und Produzent von Gorillaz, The Good, The Bad & The Queen oder Beck, hat sich der Londoner Newcomerin Helena Costas angenommen. Zarter Folkpop, mit zerbrechlicher Stimme zum Vortrag gebracht, trifft auf eine elektronische Trickkiste, die sich historisch versiert britischer Psychedelikmusik der 1960er-Jahre annimmt und das Ganze beatmäßig mitunter gehörig aufpumpt. (Christian Schachinger / DER STANDARD, Printausgabe, 19.6.2009)

 

  • "Survival"
    talitres/hoanzl

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