Hoffen auf grünes Licht für Riesenteleskop

18. Juni 2009, 15:13
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"Extremely Large Telescope" der ESO: Zuschläge für Aufträge rein nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten vergeben

Wien - Frei nach dem Motto "Observatorien brauchen nicht nur Fernrohre" informierten Verantwortliche der Europäischen Südsternwarte (ESO) am Donnerstag über zu erwartende Industrie-Aufträge für den Bau des geplanten Riesenteleskops "Extremely Large Telescope" (ELT). Der Bau des ELT wird nach heutigen Planungen rund eine Milliarde Euro kosten.

Noch ist alles offen: Weder ist die Finanzierung gesichert, noch der Standort fixiert. Fest steht nur, dass die Europäische Südsternwarte (ESO) wild entschlossen ist, das neue Rekordteleskop mit einem Spiegeldurchmesser von 42 Metern zu bauen. "Wir hoffen bis Ende 2010 auf grünes Licht", sagte Claus Madsen von der ESO.

Mögliche Standorte

Fest steht, dass das ELT in einer Wüste oder wenigstens Wüsten-ähnlichen Gegend stehen wird. Nur in sehr trockenen und hoch gelegenen Regionen haben die Astronomen weitgehend freie Sicht und können die Vorzüge des Riesenfernrohres auch voll nutzen. Derzeit sind als Standorte Chile, Argentinien oder auch die Kanarischen Inseln in der engeren Wahl.

Es wäre durchaus möglich, dass das ELT an einem völlig neuen Standort, also quasi mitten im Nichts, errichtet wird. "Das bedeutet, dass auch die ganze Infrastruktur errichtet werden muss", so Madsen. Damit sind nicht nur absolute Hightech-Spezialisten für die Herstellung des eigentlichen Fernrohres gefragt, sondern die ganze Palette an Industrie- und Handwerksbetrieben, die eine kleine Stadt aufbauen.

Problem Wasserversorgung

Ein spezielles Problem, an das man im Zusammenhang mit Hightech-Astronomie kaum denkt, ist die Wasserversorgung. So muss etwa die ESO-Anlage am Berg Paranal mitten in der chilenischen Wüste täglich mit drei LKW-Ladungen voller Wasser versorgt werden. Die Anlage ist auch sehr Erdbeben-gefährdet, dank umsichtiger Bauweise und Ingenieurskunst hat es bisher aber praktisch keine Schäden an den Gebäuden oder Instrumenten gegeben.

Quoten für österreichische Betriebe - etwa nach dem Anteil des Mitgliedsbeitrages - wird es für die Errichtung des ELT nicht geben. Die Zuschläge werden nach den Ausschreibungen rein nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten vergeben, betonte Madsen. Ausnahmen gibt es nur für sogenannte In-kind-Leistungen, zu denen sich Österreich im Zuge der Mitgliedschaftsverhandlungen verpflichtet hat. Diese Leistungen - etwa die Errichtung eines Reinraumes - sind Teil der Eintrittsgebühr Österreichs in die ESO. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Skizze des geplanten Teleskops

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