Polizei-Großaufgebot bei Burschenschafter-Kommers

18. Juni 2009, 15:06
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Drei Gegendemos in Innsbruck angemeldet

Innsbruck - Der Kommers von schlagenden Burschenschaftern in Innsbruck am kommenden Samstag sorgt weiter für Diskussionen. Das Treffen der deutsch-nationalen Korporationen findet bereits zum dritten Mal in der Landeshauptstadt statt, diesmal ist der Anlass "200 Jahre Tiroler Freiheitskampf" (derStandard.at berichtete). Wie bereits 1994 und im Jahr 2000 wurden erneut Gegendemonstrationen angekündigt, heuer insgesamt drei. Martin Graf (FPÖ), Dritter Nationalratspräsident und "Alter Herr" der Wiener Burschenschaft Olympia, soll eine Festrede halten.

1000 Polizisten im Einsatz

Die Polizei will mit einem Großaufgebot möglichen Ausschreitungen vorbeugen. Rund 1000 Beamte werden im Einsatz sein. Verhindert werden soll vor allem, dass Burschenschafter und Demonstranten aufeinandertreffen, deshalb wurden in kritischen Bereichen Platzverbote erlassen. Betroffen sind Teile des Messeareals, wo der Kommers am Abend statt findet sowie der Bergisel. Dort planen die Burschenschafter eine Gedenkfeier und eine Gegenkundgebung wurde ebenfalls angemeldet.

Polizeidirektor Thomas Angermair erklärte ausdrücklich, dass kein Grund zu übertriebener Sorge bestehe. "Es gibt bisher keine expliziten Aufrufe zur Gewaltanwendung", sagte er am Donnerstag. Auch Hinweise, dass rechtsextremistische Gruppierungen anreisen werden, gebe es derzeit nicht. Beispielsweise seinen Pkw im weiteren Umkreis rund um die Messehalle abzustellen, sei dennoch nicht ratsam.

Einsatzkosten in Millionenhöhe

Die Kosten des Einsatzes bezifferte man bei der Polizei mit rund 1,1 Millionen Euro. Unterstützung für die Tiroler Beamten kommt sowohl aus den anderen Bundesländern als auch von Spezialeinheiten wie der Cobra. Auch ein Hubschrauber kommt zum Einsatz.

Politiker kritisch

Mehrere Landespolitiker hatten sich im Vorfeld der Veranstaltung bereits kritisch geäußert. Landeshauptmann-Stellvertreter Hannes Gschwentner (SPÖ) und Soziallandesrat Gerhard Reheis (SPÖ) erregten sich vor allem über die Tatsache, dass der Festkommers in von der öffentlichen Hand subventionierten Räumlichkeiten veranstaltet werde. Auch die Haltung von Innsbrucks Bürgermeisterin Hilde Zach (Für Innsbruck) stieß auf wenig Verständnis bei den beiden Politikern: "Die Bürgermeisterin beruft sich auf das demokratische Recht der Versammlungsfreiheit. Ob dieses jedoch antidemokratischen Organisationen jedenfalls eingeräumt werden muss, ist für mich zu hinterfragen", meinte Gschwentner.

Gebi Mair von den Tiroler Grünen bezeichnete den Kommers als "ewiggestrige Versammlung" und rief in einer Aussendung zur friedlichen Teilnahme an Gegendemonstrationen auf. "Ich hoffe auf ein starkes gemeinsames Auftreten gegen die männerbündischen, reaktionären, revanchistischen, revisionistischen, nationalistischen, rassistischen, homophoben, elitären, gewaltverherrlichenden, kadavergehorsamen Burschenschaften", sagte er. (APA)

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