Schweizerische Nationalbank lässt Zins nahe Null

18. Juni 2009, 14:40
posten

Mit weiteren Marktinterventionen will sie gegen eine Aufwertung des Frankens zum Euro sowie steigende Franken-Kapitalmarktzinsen vorgehen

Bern - Die Schweizerische Nationalbank (SNB) belässt angesichts der immer noch schrumpfenden Wirtschaft ihren Leitzins nahe Null. Mit weiteren Marktinterventionen will sie zudem gegen eine Aufwertung des Frankens zum Euro sowie steigende Franken-Kapitalmarktzinsen vorgehen. Neben den Konjunktur- und Deflationsrisiken müssen die Schweizer Währungshüter auch den im Vergleich zur Größe des Landes sehr großen Finanzsektor in Betracht ziehen. "Die Lage des Schweizer und internationalen Finanzsystems ist und bleibt insgesamt fragil", sagte SNB-Vizepräsident Philipp Hildebrand am Donnerstag auf der Pressekonferenz der Nationalbank.

Nachdem sinkende Exporte die Schweizer Wirtschaft in die Rezession gezogen hatten, nimmt nun auch die Inlandsnachfrage ab und die Arbeitslosigkeit steigt. Über das ganze Jahr rechnet die SNB weiterhin mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 2,5 bis drei Prozent, auch wenn sich nach den Worten von SNB-Präsident Jean-Pierre Roth die Rückgangsdynamik der Exporte verlangsamen sollte. "Die Situation normalisiert sich zunehmend, bleibt aber weiterhin sehr labil", sagte Roth. Es sei noch nicht sicher, dass sich im nächsten Jahr ein selbsttragender Aufschwung einstellen werde, es könnte noch einmal einen Konjunkturrückschlag geben. "Das ist der Grund für unsere expansive Geldpolitik".

Um diese Politik auch an der Devisenmarktfront abzusichern und die Exportindustrie zu unterstützen, werde die SNB weiterhin entschieden einem Anstieg des Frankens gegen den Euro entgegenwirken. Und um die Kapitalmarktzinsen niedrig zu halten, kaufte die SNB dieses Jahr bereits Pfandbrief- und Firmenanleihen im Wert von 2,8 Mrd. Franken (1,85 Mrd. Euro) und wird damit nach den Worten von Direktoriumsmitglied Thomas Jordan bis auf weiteres fortfahren.

Bankensektor zur groß

Sorgen macht der Notenbank der im Verhältnis zum Land eigentlich zu große Banksektor mit den beiden Großbanken Credit Suisse und UBS. Die beiden Geldhäuser kamen 2008 zusammen auf einen Verlust von rund 30 Mrd. Franken. Der Großteil entfiel auf UBS, die sich am amerikanischen Hypothekenmarkt verspekuliert hatte und Hilfe der öffentlichen Hand in Anspruch nehmen musste. Auch wenn sich die Lage leicht verbesserte habe, "die Risiken in den Büchern der Großbanken schätzen wir insgesamt jedoch nach wie vor als beträchtlich ein", erklärte SNB-Vize Hildebrand. Mit dem Fortschreiten der Rezession entstünden bei den Banken bedeutende Kreditrisiken, die neue Milliardenabschreibungen über den Zyklus erforderlich machen könnten. Falls es zu einer langen und tiefen Rezession käme, müssten die Banken mit beträchtlichen Verlusten rechnen, erklärte Hildebrand.

Die SNB verlangt von den Großbanken eine deutliche Verbesserung des Eigenkapitals und eine Größenbeschränkung. Nach Ansicht der Notenbank darf es nicht mehr vorkommen, dass der Staat Banken unter die Arme greifen muss, weil sie zu groß sind, um sie pleitegehen zu lassen. "Die 'Too Big to Fail'-Problematik ist in der Schweiz besonders ausgeprägt und in vieler Hinsicht einmalig", erklärte Hildebrand. Die SNB fordert Regelungen, um eine Bank teilweise in Konkurs schicken und die restlichen Teile verkaufen zu können. Notfalls müsse die Größe einer Bank direkt per Gesetz beschränkt werden. (APA/Reuters)

 

 

Share if you care.