"Schaut aus wie ein Totalschaden"

18. Juni 2009, 14:43
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Am Freitag brach die Formel 1 entzwei. FIA und Fota fanden keinen Kompromiss - Hersteller planen eigene Rennserie - Prozesslawine droht

Silverstone - Na bravo. Das Gesicht hat zunächst keiner verloren, weder Fia-Präsident Max Mosley noch der Fota-Vorsitzende Luca di Montezemolo. Der Verlust freilich wird auf beiden Seiten groß sein, wenn die Formel 1 tatsächlich in zwei Teile zerfällt, in die offizielle Rennserie des Verbandes und in die von den rebellierenden Teams seit Wochen angedrohte Piratenserie, an der die Fota nun konkret arbeitet, wie sie am Freitag kundtat. Am 24. Juni tagt der Weltrat der Fia. Eine Abwahl Mosleys würde der Fota in die Hände spielen.

Am Freitagabend endete die Meldefrist für 2010. Die Fia akzeptierte zunächst Williams und Force India, die sich ohne Bedingungen eingeschrieben hatten und deshalb von der Fota suspendiert wurden, sowie die drei Neulinge Campos, Manor und USF1. Eine Warteliste mit bis zu zehn Projekten gibt es zu den neuen, kostenreduzierten Bedingungen ebenfalls. Eines davon ist das österreichische Team Superfund mit Alexander Wurz als Teamchef. Die Fia kündigte an, die Liste von 13 Teams erst dann zu veröffentlichen, wenn ihre Anwälte die Rechtslage geklärt haben. Die WM pflegt im März zu beginnen. Weshalb davon auszugehen ist, dass das letzte Wort über die Saison 2010 noch lange nicht gesprochen ist.

Keine Unterwerfung 

"Die FIA ist enttäuscht, aber nicht überrascht von der Unfähigkeit der Fota, einen Kompromiss im besten Sinne des Sports zu erreichen. Die Fia kann weder ein finanzielles Wettrüsten zulassen noch der Fota erlauben, die Regeln zu diktieren." Das schrieb der Weltverband auf seine Website, nachdem die Fota nach einer langen Sitzung in der Nacht auf Freitag endgültig verlautbarte, sich keinesfalls den Bedingungen der Fia zu unterwerfen.

Acht Teams pfeifen also just in Silverstone, wo am 13. Mai 1950 das erste Formel-1-WM-Rennen der Geschichte stattfand, auf den Zirkus. "Die Serie wird eine transparente Führungsstruktur und ein einheitliches Regelwerk haben. Sie wird Neueinsteiger ermutigen, auf die Wünsche der Fans hören und die Kartenpreise reduzieren. Die besten Fahrer, größten Stars, Sponsoren und alle Rennställe, die dem Motorsport auf höchstem Niveau historisch verbunden sind, werden teilnehmen." Diese Erklärung unterfertigten BMW-Sauber, Brawn, Ferrari, McLaren-Mercedes, Red Bull, Renault, Toro Rosso und Toyota.

Streitpunkt ist neben der Schaffung eines neuen Concorde-Agreements, das die Verteilung der Vermarktungsgelder regelt, auch die Einführung einer Budgetobergrenze. Mosley hatte zuletzt angeboten, das Limit von rund 40 Millionen Euro erst 2011 einzuführen und nächstes Jahr noch 100 Millionen Euro zuzulassen. "Im Moment schaut es aus wie ein Totalschaden", sagt Niki Lauda. "Ich hoffe aber, dass das Säbelrasseln der Fota dazu führt, dass man mit Mosley einen Kompromiss findet."

Bernie Ecclestone, dem 78-jährigen Inhaber der kommerziellen Rechte der Formel 1, droht die Geschäftsgrundlage wegzubrechen und also ein Milliardenverlust. "Die Formel 1 gibt es schon 60 Jahre und es wird sie auch die nächsten 60 Jahre geben", sagte er, doch zur Causa prima spendete der Brite keinen Kommentar: "Bitte fragen sie Max." Also Mosley.

Der Formel 1 droht jetzt eine Prozesslawine, denn langfristige Verträge, beispielsweise mit den TV-Anstalten, Rennstrecken und Sponsoren, werden durch die Spaltung ausgehebelt. Und laut Fia sind Ferrari, Red Bull und Toro Rosso vertraglich bis 2012 an die Formel 1 gebunden.

Christian Horner, Chef des österreichischen Red-Bull-Teams: "Die Teams haben das Gefühl, einen sehr weiten Weg gegangen zu sein. Jetzt haben wir keine Alternative mehr. Unser Vertrag basiert auf Regeln, die auf eine gewisse Art und Weise eingeführt werden. Das war bisher jedoch nicht der Fall."

Weltmeister Lewis Hamilton sagt, was fast alle Fahrer sagen: "Ich habe einen Vertrag mit McLaren und werde dorthin gehen, wo das Team hingeht. So einfach ist das." (APA, sid, bez, DER STANDARD Printausgabe 20.06.2009)

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    "Wenn die FIA meint, dass sie lieber mit kleinen Teams als mit den großen fährt, dann soll sie das tun", sagt Doppelweltmeister Fernando Alonso. Und fügt hinzu: "Das wird aber dann nicht mehr die Formel 1 sein. Diese Serie wird niemanden interessieren."

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