HeidelbergCement verschafft sich Atempause

18. Juni 2009, 13:49
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Der hoch verschuldete deutsche Baustoffkonzern hat sich mit einem neuen Milliardenkredit Luft für seine Sanierung verschafft

Heidelberg - Mit den mehr als 50 Gläubigerbanken sei eine umfassende Neuregelung der bestehenden Verbindlichkeiten in Höhe von insgesamt 8,7 Mrd. Euro vereinbart worden, teilte der MDAX-Konzern am Donnerstag in Heidelberg mit. "Damit sind alle Verbindlichkeiten eingeschlossen, wie etwa die im nächsten Jahr anfallenden fünf Mrd. Euro", sagte eine Sprecherin des zur Merckle-Gruppe gehörenden Unternehmens.

"Mit der erfolgreichen Refinanzierung der Fremdkapitalseite haben wir sichergestellt, dass wir in einer extrem schwierigen gesamtwirtschaftlichen Phase über eine stabile, langfristige Finanzierungsstruktur mit ausreichender Liquidität verfügen", teilte Konzern-Chef Bernd Scheifele mit. Medienberichten zufolge hatte sein Unternehmen in den vergangenen Wochen auch damit geliebäugelt, einen Kredit bei der bundeseigenen KfW-Bankengruppe zu beantragen. Dies wollte die Sprecherin nicht kommentieren. "Wir haben es aus eigener Kraft geschafft", sagte sie.

Die Verhandlungen seien angesichts der durch die Finanz- und Wirtschaftskrise geprägten Rahmenbedingungen sehr langwierig gewesen, berichtete das Unternehmen. Schließlich sei es aber gelungen, eine Lösung zu finden, die allen gerecht werde. Demnach wurden die bisherige Finanzierung der Übernahme des britischen Konkurrenten Hanson im Jahr 2007 sowie weitere Darlehen in den neuen Kredit eingebracht. Der neue Kreditvertrag laufe bis zum 15. Dezember 2011.

Überbrückungskredit

Der Finanzpakt kam zur rechten Zeit: In diesen Tagen läuft ein Überbrückungskredit in Höhe von 600 Mio. Euro aus, den die Banken Mitte Mai bewilligt hatten. Die Nachricht sorgte an der Börse für Erleichterung: Die HeidelbergCement-Aktie legte zeitweise um über 16 Prozent auf 30,81 Euro zu.

Der zu den weltweit größten Baustoffherstellern gehörende Konzern hatte sich vor allem durch die 14 Mrd. Euro teure Übernahme des britischen Konkurrenten Hanson hoch verschuldet. Derzeit arbeitet HeidelbergCement an einer umfassenden Neuordnung der Finanzen. Dazu gehören laut Konzernchef Scheifele ein konsequenter Abbau der Schulden, die Senkung der Kosten und deutliche Kürzungen bei den Investitionen.

Zudem will sich das Unternehmen mit rund 60.000 Mitarbeitern von weiteren Beteiligungen trennen und sucht nach neuen Eigenkapitalgebern. Die Merckle-Gruppe fällt wegen eigener Finanzprobleme aus und muss auf Drängen der Banken ihre Anteile an dem Baustoffkonzern verkaufen. (APA)

 

 

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