Animierte Unruhen

18. Juni 2009, 13:41
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Filmarbeiten des ungarischen Künstlers in der Galerie Knoll in Wien

Von der Malerei kommend, befasst sich Csaba Nemes nun auch schon länger in seinen Filmen mit aktuellen politischen Themen. 2007 wurde der ungarische Künstler mit "Remake" für Venedig ausgewählt, um dann aufgrund eines Formfehlers wieder ausgeladen zu werden. Im Raum stand der Vorwurf der Zensur - seine aktuelle Schau zeigt allerdings, dass er sich, politisch betrachtet, gar nicht so weit aus dem Fenster lehnt.

Der Film Remake war ein Animationsfilm. Csaba Nemes hatte sich für dieses Genre entschieden, weil er die Unruhen in Budapest im Jahr 2006 nicht einfach nur abbilden wollte. An die Stelle einer persönlichen Sicht setzte der Künstler medial vermittelte Szenen sowie einzelne Protagonisten, die auch in seinem neuesten Film Weichlinge wiederkehren. Diesmal wird mit echten Schauspielern aber auch eine Geschichte erzählt: Als Vertreter der Medien fahren zwei Journalisten in eine Wohnung, wo sie einen jungen Mann interviewen. Nach und nach erfährt man, dass er zu einer Gruppe gehört, die - einheitlich uniformiert - die Werte des Vaterlandes gegen Verräter verteidigen will.

Bilder erzählen dann von einer Aktion, in der die Gruppe einen kritischen Schreiber zum Wiederholen ihrer Parolen zwingt. Über den politischen Standpunkt des Schreibers erfährt man aber leider nicht viel, und die Position der Gruppe wird auch nicht dezidiert als eine rechtsextreme beschrieben, sondern insgesamt eher verharmlost und in die Ecke eines dummen Bubenstreiches gerückt.

In einem Interview meinte Csaba Nemes einmal, dass sich in Ungarn trotz der vielen virulenten Probleme niemand wirklich für politische Kunst interessiert. Er selbst greift in seinen Filmen und Bildern ein wichtiges Thema auf; inhaltlich würde man sich aber doch mehr als seine seltsam objektivierende Darstellung des bekanntlich zunehmend erstarkenden Nationalismus in Ungarn erwarten. (cb/ DER STANDARD, Printausgabe, 18.6.2009)

 

Galerie Knoll,  Wien, 1060 Wien, Gumpendorfer Straße 18.  Bis 31. 7.

  • Csaba Nemes und der Nationalismus in Ungarn: "Weichlinge", Videostill.
    foto: knoll galerie

    Csaba Nemes und der Nationalismus in Ungarn: "Weichlinge", Videostill.

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