"Weltreise vor Ort" soll Integration stärken

18. Juni 2009, 13:01
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Durch Schulwechsel erhalten Schüler und Lehrer Einblick in für sie fremde Lebenswelten in Graz - 15 Pflichtschulen am Projekt beteiligt

Graz - Von rund 250.000 Grazern haben rund 15 Prozent keinen österreichischen Pass, die Kinder in Grazer Schulen sprechen 37 verschiedene Sprachen. Welches Potenzial an Bereicherung dieser Umstand mit sich bringt, will das Projekt "Weltreise vor Ort" im Rahmen der Grazer Integrationsinitiative "Wir sind Graz" erlebbar machen.

Oft ist es gar nicht nötig, weit zu verreisen, um eine neue Kultur kennenzulernen. In der vierten Klasse der Volksschule Algersdorf in Graz-Eggenberg fehlt heute die Hälfte der Kinder - sie sind auf Besuch in der VS Mariatrost. Gestern haben sich dafür die Mariatroster Schüler zu einer "Weltreise vor Ort" nach Eggenberg aufgemacht. Schulen, Schüler und Lehrer des linken und rechten Murufers sollen dabei einander und andere Lebenswelten zu entdecken: Die Schulen der Bezirke am rechten Murufer zählen den höchsten Anteil an Kindern und Jugendlichen mit nicht-deutscher Muttersprache.

"Gegenseitiges Kennenlernen"

Mit dem Projekt wolle man Schulen bei der "nicht immer einfachen Bewältigung von Herausforderungen und Problemen, die zum Handling von Vielfalt gehören", unterstützen, so Christian Ehetreiber, Geschäftsführer der ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus, die das Projekt im Auftrag des Stadtschulamtes Graz koordiniert. "Sich auf gegenseitiges Kennenlernen einlassen, mit Neugierde und Interesse auf unbekannte Lebenswelten zugehen und dadurch Neues lernen", solle unterstützt werden, so Sarah Ulrich von der ARGE. Die Begegnung von Kindern unterschiedlicher Herkunft, Muttersprache und Religion stehe im Vordergrund, es gehe aber auch um "ein Aufzeigen der kulturellen Vielfalt unserer Stadt".

Seit dem Schuljahr 2007/2008 haben 15 ausgewählte Grazer Volks- und Hauptschulen mit einem Anteil von über 50 Prozent an Schülern mit Migrationshintergrund die Möglichkeit, das über Schulsprengel- und Stadtteilgrenzen hinaus konzipierte Angebot zu nutzen. Neben den "Weltreisen vor Ort" bekommen die Schulen ein Projektbudget von 1.000 Euro zur Verfügung gestellt. Damit werden schulinterne, interkulturelle Integrationsprojekte finanziert. Das ARGE-Team unterstützt die Schulen bei der Projektentwicklung und Umsetzung. Ein weiteres Modul bietet den Schulen eine Fülle an Workshops zum Thema "Gewaltfreies Miteinander im multikulturellen Kontext".

Den Schulen werden die Workshops im Ausmaß von 16 Unterrichtseinheiten kostenlos zur Verfügung gestellt. Das Projektbudget für dieses Schuljahr Jahr betrug 100.000 Euro. "Für die Zukunft ist zu wünschen, dass die Stadt einen mehrjährigen und um rund ein Drittel höher dotierten Vertrag in ihrer Planung vorsieht", so Ehetreibner. (APA)

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