Wortduell zwischen Außenministern Serbiens und Kosovo

18. Juni 2009, 11:53
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Vor UNO-Sicherheitsrat - Jeremic und Hyseni über Kosovo-Flüchtlingsanzahl uneinig

New York/Belgrad - Die Sitzung des UNO-Sicherheitsrates zum Kosovo war am Mittwochabend in New York auch durch ein Wortduell zwischen den Außenministern Serbiens und des Kosovo, Vuk Jeremic und Skender Hyseni, gekennzeichnet. Anlass lieferten unterschiedlichen Angaben der zwei Seiten über die Anzahl der Kosovo-Flüchtlinge.

Während Jeremic in seiner Rede vor dem Weltsicherheitsrat von rund 200.000 serbischen Flüchtlingen aus dem Kosovo sprach, die weiterhin nicht auf ihre Heime zurückkehren könnten, meinte Hyseni, dass in der früheren südserbischen Provinz nie mehr als 195.000 Serben gelebt hätten. "Im Kosovo leben gegenwärtig rund 130.000 Serben", stellte Hyseni fest. Er wisse nicht, woher die Angaben Jeremic´ stammten. Der serbische Außenminister berief sich nach eigenen Angaben auf die Zahlen des UNO-Hochkommissariates für Flüchtlinge (UNHCR).

Entgegengesetzte Standpunkte hatten die zwei Minister auch zur internationalen Präsenz im Kosovo. Während sich Jeremic gegen einen weiteren Abbau der internationalen Schutztruppe KFOR und des UNMIK-Personals im Kosovo aussprach, nutzte Hyseni die Sitzung des UNO-Sicherheitsrates erneut dazu, eine Beendigung des UNMIK-Mandats zu beantragen. Nachdem der Kosovo seine Unabhängigkeit ausgerufen habe, haben die UNO-Mission ihre frühere Verwaltungsrolle verloren, heißt es in Pristina (Prishtina).

Der Kosovo hat sich im Februar 2008 unabhängig erklärt und wurde bisher von 60 Staaten anerkannt, allerdings nicht von Belgrad, das sich dagegen verwehrt.

Dass es auf den Umwegen zwischen Belgrad und Pristina dennoch auch eine gewisse Kooperation gebe, konnte man aus dem regelmäßigen Bericht des UNO-Generalsekretärs Ban Ki-moon erfahren. Darin wurde ein Treffen der Kommission zum Wiederaufbau der im Laufe der ethnisch motivierten Gewalt im März 2004 zerstörten serbischen Kirchen und Klöstern erwähnt, welchem am 12. Mai sowohl Vertreter des kosovarischen Kulturministeriums, der serbisch-orthodoxen Kirche, der Belgrader Republikanstalt zum Denkmalschutz sowie der UNMIK beiwohnten. Dabei wurden Reparaturprojekte im Wert von fast einer Million Euro vereinbart.

Nach Angaben der Tageszeitung "Danas" war die UNMIK-Präsenz für die Teilnahme der serbischen Seite ausschlaggebend. Die Kommission hatte ihre Arbeit im Jahr 2005 aufgenommen. Nach der vorjährigen Unabhängigkeitsausrufung durch Pristina wurde monatelang kein Treffen abgehalten. Belgrad lehnte jeden Kontakt mit Pristina ohne UNMIK-Anwesenheit ab. Die kosovarischen Behörden wollen andererseits nicht durch die UNO-Mission vertreten werden.

Die "Zauberformel" für die Wiederaufnahme der Kommissionsarbeit wurde laut dem Blatt vom früheren UNMIK-Vizechef Lawrence Rossin aufgestellt. Der UNMIK-Sprecher Alexander Iwanko vermied es, gegenüber dem Belgrader Blatt zu präzisieren, ob die UNMIK-Vertreter am Kommissionstreffen auch aktiv teilgenommen hatten, oder aber alleine ihre Anwesenheit für eine Einigung zwischen Belgrad und Pristina ausreichend war. (APA) 

 

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