Weltweit erstes Verbot von Uran-Munition in Kraft getreten

18. Juni 2009, 11:40
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Auch Handel verboten - Bann tritt am Sonntag in Kraft

Brüssel - Belgien verbietet als erstes Land weltweit die Produktion und den Einsatz von Uranmunition. Auch der Handel mit der umstrittenen, von den USA im Golfkrieg gegen den Irak und von der NATO im Kosovo-Krieg eingesetzten Munition wird in Belgien verboten. Das bereits 2007 vom belgischen Parlament beschlossene Verbot tritt an diesem Sonntag in Kraft, wie der Präsident der Abgeordnetenkammer Patrick Dewael in einer Pressemitteilung erklärte.

Eine am Donnerstag eröffnete Fotoausstellung im belgischen Parlament und der Direktor der Krebsklinik von der zweitgrößten irakischen Stadt Basra, Ali-Ali Jahwad, sollen auf das "menschliche Drama" und die "oft irreversiblen Schäden" aufmerksam machen, die Uran-Munition verursache, heißt es in der Mitteilung. Nach Angaben des Krebsspezialisten sind 300 Gebiete im Irak, darunter auch Teile der Stadt Basra, durch Uranmunition verseucht, bis heute seien die Altlasten aus dem Golfkrieg nicht beseitigt worden und eine höhere radioaktive Strahlung messbar.

Die Rate von Krebserkrankungen und angeborenen Missbildungen bei Neugeborenen habe sich zugleich seit dem Einsatz von Uran-Munition erhöht. Auch seltsame Phänomene wie das Auftreten von mehreren Krebsarten bei einzelnen Patienten sei festgestellt worden, erklärte Jahwad. Die Reste zerstörter Panzer liegen demnach noch immer im Freien in Wohngebieten herum und stellten vor allem eine Gefahr für spielende Kinder dar.

In Verbot von Uranmunition wird auch in Finnland, Schweden, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, Neuseeland, Großbritannien und den Niederlanden debattiert. In Costa Rica ist ein entsprechender Gesetzesvorschlag bereits erarbeitet.

Abgereichertes Uran ("depleted uranium", DU) ist ein Abfallprodukt aus der Urananreicherung von Brennelementen für Kraftwerke. Es ist bedeutend weniger radioaktiv als das in freier Natur vorkommende Uran. DU-Waffen zertrümmern wegen ihrer hohen Dichte nicht nur gepanzerte Fahrzeuge, sie sind auch verhältnismäßig billig. Uranmunition wurde von den US-Streitkräften erstmals in großem Stil 1991 im Golfkrieg gegen den Irak eingesetzt. Auch im Kosovo-Krieg der NATO gegen Serbien 1999 und im US-geführten Irak-Krieg 2003 wurden derartige Geschoße eingesetzt. (APA)

 

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