Berlusconi sieht keine Krise

18. Juni 2009, 17:19
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Für Regierungschef Silvio Berlusconi ist die weltweite Wirtschaftskrise an Italien ziemlich spurlos vorübergegangen

Für Regierungschef Silvio Berlusconi ist die weltweite Wirtschaftskrise an Italien ziemlich spurlos vorübergegangen. "Unser Banksystem ist solide, die Unternehmen sind flexibel und strukturieren sich um." Berlusconi, der keinerlei Scheu hat, karge Staatsgelder auch für seine frivolen Feste zu nutzen, liegt auch mit Zentralbankchef Mario Draghi im Clinch. Er beschuldigt die Banca d'Italia, falsche Daten über den Arbeitsmarkt präsentiert zu haben. Nun erhielt Draghi unerwartete Hilfe von der OECD, die mit zehn Prozent Arbeitslosenrate in Italien rechnet.

Die OECD-Experten sind nicht die einzigen, die Italien zwei Jahre Rezession voraussagen. Die Wirtschaftsmisere könnte auch Schatten auf Österreichs Wirtschaft werfen, befürchten Experten. Denn Italien ist der zweitwichtigste Handelspartner Österreichs. Die Krise der Bauwirtschaft (minus zehn Prozent), der abrupte Produktionsrückgang in der Fahrzeug- und Elektrogeräteindustrie (minus 30 Prozent) wirken sich bereits auf Holz- und Stahllieferungen made in Austria aus.

Regierung bleibt optimistisch

Während die OECD von einem BIP-Rückgang von sechs Prozent ausgeht, bleibt die Regierung mit minus 4,2 Prozent zweckoptimistisch. Die Belebung wurde inzwischen auf 2011 verschoben. Die Gründe für die düsteren Aussichten sind mehrere: Der private Konsum liegt brach. Die Italiener schrumpfen ihre Ausgaben für Mode, Urlaub und Fahrzeuge. Kurzferien sollen den traditionellen Vier-Wochen-Urlaub im August ersetzen, der Tourismus befürchtet ein Minus von zehn Prozent. Die Autoindustrie, eine der Säulen der italienischen Wirtschaft, stöhnt unter einem Produktionsrückgang von 30 Prozent. Im Maschinenbau sind die Aufträge im ersten Quartal um 49 Prozent zurückgegangen.

Zwar hoffen die Branchenexperten auf eine zaghafte Trendwende in den Herbstmonaten. "Um den Rückgang wettzumachen, benötigen wir ein bis eineinhalb Jahre" , klagt Alfonso Mariotti, Generaldirektor des Werkzeugmaschinenverbands Ucimu. Am schlimmsten steht es aber mit den Staatsfinanzen. Die Gesamtschulden drohen 120 Prozent des BIP zu erreichen. Doch Berlusconi sieht keinerlei Krisengefahr.(Thesy Kness-Bastaroliaus Mailand, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 19.6.2009)

 

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