Krebsforscher empört über kritische Studie

18. Juni 2009 18:01
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    Foto: standard/hendrich

    Christoph Zielinski, Leiter der Uni-Klinik für Innere Medizin I an der MUW, spricht von einem "wissenschaftlichen Skandal".

Ein Bericht über die Onkologie an den Med-Unis in Österreich sorgt in Wien für Aufregung

Von "eklatanten Fehlern" und einer "Sammlung von Anekdoten" ist die Rede. Ein Gutachter weist die Vorwürfe zurück.

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Wien - Ein Report zur Onkologie (Krebsforschung), vom Wissenschaftsministerium über den Österreichischen Wissenschaftsrat in Auftrag gegeben, erregt die Gemüter. In den "Empfehlungen zur Onkologie an den Medizinischen Universitäten Innsbruck, Wien und Graz", einem 134-Seiten-Bericht von fünf deutschen Gutachtern, wird die Wiener Med-Uni kritisiert: Die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit in der Grundlagenforschung sei "nicht überdurchschnittlich", es gebe Parallelstrukturen und kein über die Uniklinik für Innere Medizin I hinausgehendes universitäres Konzept für Onkologie.

Christoph Zielinski, Leiter der Uniklinik für Innere Medizin I und der Klinischen Abteilung für Onkologie bezeichnet die Studie als "wissenschaftlichen Skandal". Sie sei keine Evaluierung, sondern eine "Sammlung von Anekdoten" und verunglimpfe die Methode der Peer Review (Beurteilung wissenschaftlicher Arbeit durch unabhängige, gleichrangige Gutachter). Lediglich acht Stunden hätten die Gutachter für Gespräche Zeit gefunden, die Möglichkeit der Stellungnahme habe seine Universität erst nach "scharfem Protest" nachdem in der ersten Berichtversion, "in der sich in jeder zweiten Zeile eine Gemeinheit oder Unrichtigkeit zu finden war" bekommen. Die Stellungnahme scheine im Bericht aber nicht auf. Zielinski: "Sie wurde unterdrückt."

"50 Jahre Nichttätigkeit" 

Zielinski spart im Gespräch mit dem Standard nicht mit Kritik am Wissenschaftsrat. Die Studie sei eine "einzige Beleidigung" für all die Forscher, die seit Jahren in Selbstausbeutung arbeiten, weil keine finanziellen Mittel für klinische Forschung zur Verfügung stünden. "Somit hat sich das Wissenschaftsministerium selbst evaluiert, für 50 Jahre Nichttätigkeit."

Der Ärztliche Leiter das AKH Wien, Reinhard Krepler, sagt, er sei in die Untersuchung "nie involviert" worden. "Es ist unerträglich, dass uns jemand reviewed, aber mit dem Ärztlichen Leiter des AKH nicht spricht." Der Bericht erwecke "den Eindruck dass gezielt die MUW schlecht behandelt wurde". Eine Stellungnahme von Rektor Wolfgang Schütz fällt ähnlich aus: Der Bericht enthalte "eklatante Fehler" und "Simplifizierung" in , und sei bei "mangelndem Zeitbudget" erstellt worden. Kritik am Zeitplan, der vom Wissenschaftsministerium vorgegeben worden sei, kam laut APA auch vom Wissenschaftsrat: Wegen Zeitmangels habe man nur ein ausschließlich aus deutschen Experten bestehendes Gremium beauftragen können, hieß es. Aus dem Büro des Wissenschaftsministers Johannes Hahn (VP) heißt es, "die Umsetzung der Erhebung erfolgte selbstständig durch den Wissenschaftsrat". Man nehme die Statements aller Beteiligten ernst und werde sich mit ihnen an einen Tisch setzen.

Einer der Gutachter, der nicht namentlich in die Medien wollte, sagte dem Standard, er weise "jeglichen Vorwurf der Oberflächlichkeit zurück". Er und seine Kollegen hätten "solide gearbeitet". Dass Krepler bei der Präsentation nicht anwesend war, sei nicht die Schuld der Gutachter. Die Reaktionen der Wiener Kollegen seien "extrem ungewöhnlich". Bericht-Koordinator Guido Adler von der Universität Ulm erklärte, die drei Monate, die für die Erhebung Zeit gewesen seien, seien deutlich zu kurz gewesen. "Das war ein klarer Fehler."

An der Med-Uni Graz will man die Kritik der Wiener Kollegen "nicht kommentieren". Rektor Josef Smolle empfand die Gespräche als "konstruktiv". (Jutta Berger, Gudrun Springer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19. Juni 2009)

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Gerhard Müller
19.06.2009 13:03
50 Jahre Krebsforschung

mit einem Aufwand, der das Ergebnis in keiner Weise rechtfertigt. Fakt ist, es gibt nicht einen Krebsfall weniger.

Hätte man die Ursachen erforscht, mit einem Bruchteil der Gelder wäre ein Vielfaches passiert.

Aber mit Ursachenforschung und Krebsvermeidung ist halt kein Geld zu machen.

Das gleiche gilt für Diabetesforschung, Cholesterin, Herzleiden, "Aids".

Zig Milliarden Euro in die "Forschung", sprich hauptsächlich in Richtung pharmazeutischer Industrie.

Ergebnis: eine Explosion der Kosten ohne erkennbare Verbesserung der Situation.

Semmelweis verordnete Händewaschen denen, die gerade vom Sezieren kamen. Das hat mehr gebracht, als alles andere.

Heute heißt das, dass die Lösungen nicht in der Symptombewältigung zu suchen sind.

Flann O'Brien
20.06.2009 02:38

Ergebnis: Explosion der Leerzeilen.

Der Hl. Abschieber
19.06.2009 02:06
Den MUWlern gehts doch immer nur darum

welche Futtertröge sie leer fressen können. Der Rechnungshof sollte sich mal ein Bild davon machen.

siliconvalley
19.06.2009 02:10
Den MUWlern gehts doch immer nur darum welche Futtertröge sie leer fressen können

bitte glauben Sie nicht, dass das and der MU Innsbruck anders ist. Graz kenne ich nicht, aber als gelernter Oesterreicher bin ich geneigt zu glauben, dass es dort genauso ausschaut.

dritter mann
 
19.06.2009 00:33
"Empörung" oder so (T.3)...

... und jetzt müsste ich eigentlich "DDr. Klugscheisser" antworten, der nur in einem Punkt Recht hat: Ja, es geht um Menschen! Wie z. B. am Department für med. Humangenetik, das von einer viel zu bescheidenen Weltklasse-Wissenschafterin in Wien gegründet wurde, die vom Rektor behandelt wird, als wäre er HS-Klassenvorstand gegenüber einer aufmüpfigen Schülerin. Mit "Maulkorberlass" und allem, was dazugehört. - So ziemlich der größte Skandal, seit Edzard Ernst die UniVie fast fluchtartig verlassen hat, um dann in GB einer der namhaftesten Wissenschafter unserer Tage zu werden. - So. Und wo sind hier die Journalisten, die da kritisch nachhaken? Und zwar nicht nur im Interesse des Wissenschaftsstandortes Wien, sondern auch der Patientinnen!

dritter mann
 
19.06.2009 00:12
Hier muss wahrlich... (T.2)

...und wenn sich jetzt der "empörte" Z. darüber erregt, dass der Wissenschaftsrat bis dahin "50 Jahre" untätig gewesen sei, so mag das ja richtig sein, aber ebenso die Interpretation zulässig, dass er das bzgl. der MUW bis dahin auch nicht nötig hatte. Nun ist der aber - endlich - aktiv geworden, mit dem üblichen, aber nicht weniger empörenden Reflex der Hauptverdächtigen. Die Beweise liegen vor: Sehet die aktuelle Studie des Hrn. Prof. Z., erstellt mit den Wr. Philharmonikern oder Symphonikern (sorry, ist mir jetzt entfallen, aber auf der MUW-HP nachzulesen), derzufolge es Krebskranken gleich besser geht, wenn sie klassische Musik hören. Wahrlich verblüffend, oder? Mozartliebende Milchkühe nix dagegen. Aber es geht noch weiter, leider.

dritter mann
 
18.06.2009 23:54
Hier muss wahrlich etwas passiert sein, (T.1)

das nie stattfinden hätte dürfen. Eine ehrliche Studie, in die der Hahn - kennt man die Verhältnisse nur ein wenig - ausnahmsweise nicht involviert war. Ein fast außerirdisches Phänomen, das bestätigt, was an der MUW eh alle wissen: Ein schwacher, eitler Rektor, der sich Schaumschlägern wie dem "empörten" Z. et al. überlässt, so lange deren oft behauptete, aber keiner Prüfung standhaltenden "Forschungsergebnisse" die Medien freundlich stimmt, weil dort keiner weiß, wie obsolet sie sind. Indessen werden jene Departments, an denen ernsthaft für Menschen gearbeitet wird, restlos ausgehungert, Professorenstellen nicht nachbesetzt bzw. freigehalten für Everybodysdarlings und sogar die Studenten ergreifen ob der Ungewissheit die Flucht. ff

Speedle
18.06.2009 23:50

Nicht empört sein, sondern widerlegen, dass ist doch die normale Vorgehensweise unter Wissenschaftlern.

Dr.mumunator
18.06.2009 23:27
Des Bild is supa

der typische Möchtegerngott. "Mir san supa, oills andre san Idioten"

DDr.Klugscheisser
18.06.2009 22:23
logisch und nachvollziebar:

5 Trottel aus der deutschen Provinz, die ihren Titel nur durch langes "hochdienen" und politische Freunde erhalten haben machen dem Hahn ein negatives Gefälligkeitsgutachten, das ihnen selbst in den Rücken fällt, weil es völlig aus der Luft gegriffen ist.

Und das trifft die Weltklasseforschung in Wien mit mehreren parallel arbeitenden Spitzeninstituten, demokratischen und leistungorientierten Strukturen, regelmässigen externen Evaluierungen und vorbildlichen, offenen Auswahlverfahren ihrer Ordinarien...

...völlig unvorbereitet. So unvorbereitet, dass die Leitung nicht zum Termin erscheint.
Zuviel Kaffeehaus? Sekretariat unterbesetzt? Kein funktionierendes Zeitmanagement?

Egal, geht ja nur um Menschen.

Birni
18.06.2009 23:38
werter kollege

ich bin in Ihrem entsetzen ganz bei Ihnen.

schäbige (sic) provinzler erlauben sich, als externe evaluatoren verkleidet über die semaphoren der österreichischen wissenschaft, deren erfolge u. a. in der einwerbung von kompetitiven drittmitteln wie z. B. dem FWF offenbar sind, zu gericht zu sitzen!!!

hinaus mit diesen schuften aus dem alsergrund - der starke ist am mächtigsten allein!!!

lg
birnstingl

Alfred.E.Neumann
18.06.2009 22:08

Die MUW evaluiert sich ja am liebsten selbst: WIR SIND SUPA!

Bruce Willes
18.06.2009 20:33
sorry

aber Wissenschaft wird in Österreich von den meisten doch nur betrieben um sich möglichst rasch mit einem Dozent oder Professor Titel zu schmücken. Dementsprechend ist ja auch das Niveau. Die Unis versagen vollkommen wenn es darum geht wirkliche Wissenschafter zu unterstützen oder auf den Unis zu halten. Jeder der was kann geht so schnell er kann ins Ausland.
Außerdem herscht nach wie vor Freunderlwirtschaft und von qualitativen, objektiven Besetzungen der Schluesselpositionen (Rektoren, etc.) können wir doch nicht einmal träumen.
Macht und Geld ist alles was zählt hier zu Lande. Traurig und Peinlich.

A. E. Neumann
18.06.2009 21:32

Macht und Geld zählt überall, nicht nur hier. Bei uns kommt noch Günstlingswirtschaft dazu, was die Sache nicht besser macht. Ganz im Gegenteil.

Winni Wahn
18.06.2009 20:05
finde die leistungen am akh überbewertet.

hatte das zweifelhafte vergnügen das letzte jahr, über monate, als mein vater dort wegen krebs behandelt wurde und leider starb. da wusste die chirugie nicht was die onkologen taten und zwar nicht mal in ansätzen. das führte zu einigen sehr grausamen situationen, die ich meinem vater so gerne erspart hätte.
mir kam der ganze apparat ziemlich chaotisch vor, vorallem bei abteilungsübergreifenden angelegenheiten.

P K
19.06.2009 13:10

Dem muss ich wiedersprechen: ich war selbst Patient der Onkologie im AKH 2005 und die Kommunikation der Chriurgischen mit der Onko hat einwandfrei funktioniert, das Vorgehen war meiner Erfahrung nach, optimal abgestimmt.

Oft beschweren sich Leute, dass das Essen nicht gut ist, die Betten unbequem oder die Ärzte nicht immer alles zum eigenen Fall im Kopf haben. Aber man muss selbst halt auch mitarbeiten und sich nicht darauf verlassen dass eh alles von alleine gemacht wird. Ein Hinweis zum Beginn eines Gespäches genügt zumeist.
Man selbst hat ja schließlich das grösste Interesse das die Behandlung ein Erfolg wird.

A. E. Neumann
18.06.2009 21:33

So ist das, in einem Reich voller eingebildeter Könige und einem ziemlich schwachen Kaiser...

Hurrrrzn!
18.06.2009 19:11
Als ehemaliger Arzt der Uniklinik schwant mir Schreckliches

Ich kenne die wissenschaftlichen Leistungen Zielinski (ausdrücklich!) nicht.

Ich kenne die Ausbeutung und mangeldotierung der Universizät Wien aber bestens, geändert dürfte sich nicht viel haben. Mehrere Onkologien in Wien, eine in St. Anna, man saugt sich gegenseitig Forschungsgelder ab. Warum macht Zielinski hier weiter? Warum wird dieser Unsinn auch noch seit 1945 weitergeführt? Schade um Zeit und Geld! Unter dem Deckmantel der Freiheit der Wissenschaft versucht hier seit Jahrzehnten zu Lasten von Patienten und Forschung jeder seine eigene Suppe zu kochen. Hier fehlt die normative Lenkung von Projekten und Geldern, die es anerfolgreichenHämatologien (Amsterdam, USA, London) so wei in praktisch jeder seriösen Forschungsstelle gibt.

Birni
18.06.2009 23:39

... ich kenne oben angesprochene leistungen auch nicht ...

lg
birnstingl

DDr.Klugscheisser
18.06.2009 21:44
ich würde mich sehr wundern wenn eine namentlich bekannte Gutachtergruppe

unter Zeitdruck zu sehr negativen Äusserungen kommt und diese dann "an den Haaren herbeigezogen" sein sollen.
Normalerweise werden unter Zeitdruck Gefälligkeitsgutachten erstellt: nur nicht anecken, da nicht genug abgesicherte Informationen für eine Kritik zu Verfügung stehen.
Aber wenn ich eine MedUni in der Luft zerreisse, dann sollte ich als Gutachter wirklich wissen was ich sage. Und davon gehe ich mal aus.

Die von Ihnen beschriebene Situation des "teile und herrsche" scheint in Wiener Unis normal zu sein. Nach Sinnhaftigkeit fragt da so schnell keiner.
In der "normalen" Forschung ist das nur Geldverschwendung.
An einer MedUni kostet das Menschenleben.
Und da muss der Ordinarius sich dann bitte auch mal Kritik anhören.

baumfreund
22.06.2009 21:41
gibt es jetzt wieder ordinarien?

habe geglaubt, nur die organisationseinheitsleiter sind derzeit wichtig!

Rudolf Rezucha
18.06.2009 19:06
Seltsamer Zufall?

Ein hahnscher Auftrag sorgt wieder mal für Scherben in der Wissenschaftswelt und Herrn Hahn fällt nichts besseres ein, sich danach zum Kitten an einen Tisch zu setzen. Vielleicht sollte man vorher überlegen wie keine Scherben entstehen? Für mich ist da irgendwie eine seltsame Logik zu erkennen.

Der Hl. Abschieber
19.06.2009 01:57
soll das heißen

hahn hätte die studie verschwinden lassen sollen?

Dante Alighieri
18.06.2009 18:17

Typisch Österreich: das Ranking ist schuld, die Beurteiler sind schuld. Nicht etwa die mittelmäßigen Forscher ^^

m - k - w
18.06.2009 17:34

Und ich hätte schon gedacht medizinische Evaluierungen dürfen nur von der Ärztekammer durchgeführt werden, da hab ich mich wohl geirrt.

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