Die beste Zensur kann den Protest nicht stoppen

18. Juni 2009, 10:37
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Iraner finden immer mehr Wege, um die Maßnahmen der Regierung auszuhebeln

Im Zuge umstrittenen Neuwahlen von Präsident  Mahmoud Ahmadinejad wurden die Zensur-Maßnahmen im Iran noch einmal verschärft. Der Zugriff auf Internetplattformen wie Facebook, MySpace, Flickr und YouTube sowie internationale Nachrichtenportale vom Schlage der BBC werden blockiert.

Doch aktuellen Berichten von Menschenrechtsorganisationen zufolge, finden Regime-Gegner und Demonstranten immer wieder Wege, das dichte Netz der Zensur zu umgehen, meldet das Branchenportal Cnet.

Umwege

Einem Sprecher von Amnesty International zufolge würden sich Internetnutzer bekannter Technologien bedienen, um ihre Botschaften in die Welt zu verschicken. Ein Weg führe über so genannte Proxy-Server.

Dabei werden Zugriffe auf Webseiten über Fremd-Server geleitet, um die angefragte Adresse zu verschleiern und nicht auf der "schwarzen Liste" der Zensurbehörde zu landen. Diese Proxy-Server können kommerzieller Art sein oder von Freiwilligen aus aller Welt gestellt werden und anonymisieren sozusagen die Internet-Aktivitäten.

Nicht zu stoppen

Die einzige Möglichkeit um diese Aktivitäten zu unterbinden, wäre sämtliche Proxy-Server zu blockieren - eine fast unmögliche Aufgabe. So rufen etwa Portale wie proxysetupforiran.blogspot.com Individuen dazu auf, selbst Proxy-Server für iranische Web-User einzurichten.

Der Mikroblog-Dienst Twitter ist bereits voll von Informationen, wie man derartige Netzwerke im Eigenbau aufstellen kann. Dort finden sich auch Tipps zu anderen Methoden, um die Zensur auszuhebeln. Beispielsweise gibt es Plug-ins für den Webbrowser Firefox, die Blockade-Maßnahmen zum Foto-Portal Flickr umgehen.

Das Programm FreeAccess Plus verspricht Blockaden zu YouTube, MySpace und diversen iranischen Webseiten auszuhebeln.  

Flut an Anfragen, falsche Gegenmaßnahmen

Der Betreiber des Anonymisierungsnetzwerks "Tor" bestätigt gegenüber Cnet, dass die Nutzung seitens iranischer Anwender sich über die vergangenen Tage verdoppelt hat.

Gleichzeitig berichten Menschenrechtsgruppen, dass die iranische Regierung es Großteils verabsäumt hat, Internetaktivitäten genauer zu zensurieren. Anstelle dessen habe man sich vermehrt auf Telefon- und Satellitenverbindungen konzentriert.

Doch auch hier finden Nutzer Schlupflöcher. Anstatt Kurzmitteilungen zu versenden, werden immer häufiger mobile Twitter-Dienste verwendet.

Smartfilter

Laut der OpenNet Initiative, die von diversen US-Universitäten gestützt wird, verwenden die iranischen Zensoren kommerzielle Filter-Technologien. Allen voran sei SmartFilter, das vom US-Unternehmen McAfee entwickelt wird.

Die Sicherheitsspezialisten betonen allerdings, ihre Software nicht an den Iran zu verkaufen. Nicht zuletzt hält sie das Handelsembargo davon ab. Doch die Regierungsbehörden würden McAfee nach illegale Kopien der Software einsetzen.

Dennoch gilt SmartFilter als bevorzugte "Waffe" der Zensoren. Das Produkt wird schließlich auch mit dem Versprechen beworben, über 25 Millionen Webseiten aus 90 Kategorien blockieren zu können.

Eine Email reicht manchmal schon

Doch selbst die kleverste Zensurmaßnahme könne den Protest nicht aufhalten, heißt es. Aufgrund der Millionen im Ausland lebenden Iranern reiche laut den Beobachtern oft schon eine erfolgreich versandte Email oder ein verschicktes Video aus, um die ganze Welt zu informieren. Dies beweist auch das Nachrichtennetzwerk der BBC, das in seiner Berichterstattung vermehrt auf Informationen und Bilder von iranischen Demonstranten setzt. (Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 18.6.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 28
1 2
amPunkt
21
19.6.2009, 08:02
Die Überschrift gilt leider nicht für die Standard-Zensoren!

Denn hier wird frisch und munter gestrichen, was nicht unbedingt linkes Gedankengut ist.

herr_rechtsausleger
02
19.6.2009, 09:57

plärr a wengerl :-P

short cut
00
19.6.2009, 05:49
Ich finde es toll, was hier passiert.

Trotzdem sollte man nicht vergessen, dass es nur eine kleine Elite ist, welche das nötige know how haben das Internet zu nutzen. Deshalb sollte man der der Beurteilung der Lage im Iran vorsichtig sein.

Gockel_03
00
18.6.2009, 23:11
Das stinkt nach Demagogie !!!!

1: Eine Zensur die nicht zensiert, ist keine Zensur!!
2: Eine Diktatur die Wahlen zuläßt und solche Demonstrationen nicht mit Gewalt auflöst, ist keine Diktatur.
3: Ob die Wahl gefälscht ist, ist nirgendwo bewiesen. Bis jetzt wurde so etwas nach jeder Wahl im Iran behauptet. Eine Wahl die nachweisbar gefälscht war, war die des Amerikanischen Präsidenten Bush, und da hat merkwürdiger Weise keiner den Botschafter einbestellt.
4: Der Begriff "Reformer" sollte in den Medien mal auf eine Solide Basis gestellt werden. In meiner Wahrnehmung der Medien sind Reformer Menschen die etwas zum westlichen Reformieren wollen ( egal ob gut oder schlecht ), die anderen sind Terroristen.
5: Dem allgemeinen Hype sollte man skeptisch gegenüber stehen.

Redwraithvienna
00
19.6.2009, 09:00

1) eine zensur die versucht zu zensurieren, aber es aufgrund von neuen technischen lösungen und mitteln nicht schafft ist noch immer eine zensur.
2)ein land in dem eine gruppe von männern (der wächterrat) demokratisch verabschiedete gesetze aussetzen kann, der nur bestimmte personen zu einer wahl zulässt, der dazu noch nicht gewählt wurde, ist noch immer eine diktatur.
3) stimmt
4) Unter diesen umständen wäre moussavi auch ein terrorist. der ist wenn man freundlich ist reform-konservativ.
5) welchem hype ?

Chronox
01
18.6.2009, 13:45
"Proxy Server"

Irgendwie find ichs grad witzig, dass plötzlich die ganze Welt diese "Sogenannten "Proxy Server" " entdeckt.
Na vielleicht reichts ja auch bis zu unseren deutschen Nachbarn und ihrer Internetzensur.

Juergen Hoffmann
 
00
18.6.2009, 13:53

das passiert dort auf DNS-Blocking; das lässt sich noch viel leichter umgehen, einfach indem man einen nicht zensurierten DNS-Server verwendet...

rizzla
04
18.6.2009, 13:30

Und genau deswegen wird man mit der in Europa geplanten Zensurlusierung nichts erreichen. Man säht Misstrauen gegenüber der eigenen Bevölkerung und wird auch Misstrauen ernten. Warum die selben Methoden, die bei uns vor Kindesmissbrauch schützten sollen, im Iran zu verurteilen sind, ist mir nicht schlüssig.

leser_3
123
18.6.2009, 11:47

Ich finds interessant, dass die Demonstranten immer zu den Helden die sich gegen das böse Regime auflehnen hochstilisiert werden, ganz ohne irgendwelche Beweise für eine tatsächliche Wahlmanipulation.

Je nachdem ob es tatsächlich einen Wahlbetrug gab oder nicht ist dieses Verhalten entweder gerechtfertigt oder eben nicht. Ich warte jedenfalls auf handfeste Beweise bevor ich Stellung beziehe.

Wenn die iranische Regierung wirklich so versessen darauf ist den Informationsaustausch der Bevölkerung zu unterbinden, warum sperren sie dann nicht einfach den Internetzugang allgemein, also einfach vom Provider die Verbindung trennen lassen oder einfach das Kabel durchtrennen?

comso kramer
00
18.6.2009, 20:17
mit ein wenig hirn

könnte man draufkommen, dass ohne die dmonstrationen auch keine nachforschungen bezüglich wahlbetrug unternommen worden wäre. und schon löst sich ihr posting in schall und rauch auf...

Artischocke
 
10
18.6.2009, 17:27

Na Sie wissen doch, bei "Schurken" brauchts keine Beweise, die sind sowieso schuldig.

yomellamo
00
18.6.2009, 22:33

bei freunderln vom chavez brauchts für sie wiederum keine beweise, .. die sind immer die Engerln.

Benzino Napoloni
00
18.6.2009, 14:21
Wenn die iranische Regierung wirklich so versessen darauf ist den Informationsaustausch..., warum sperren sie dann nicht einfach den Internetzugang allgemein, ..."

Können sie offenbar nicht technisch nicht so einfach und vor allem: Jetz' is z'späht. Die Welle rollt schon.

Wenn die Wahlen rechtmäßig abgelaufen wären, gäbe es für die Herrschenden keinen Grund zur Zensur. Die bekannten Reaktionen entsprechen jemandem mit schlechtem Gewissen, einschließlich der Bereitschaft des Wächterrates, einige Bezirke neu auszählen zu lassen.

phaidros
22
18.6.2009, 13:15
wenns kein wahlbetrug war,

warum verhaengt iran dann ploetzlich die nachrichtensperre?

ein staerkeres schuldeingestaendnis gibts gar nicht als dieses.

JBird
 
00
18.6.2009, 23:10

Ups, ein "unnötig" war von mir. Hab mich verklickt. xD

. Diogenes
02
18.6.2009, 12:13
Ihre abwägende Haltung in Ehren

Es sei Ihnen auch unbenommen zu warten bis die
smoking gun auftaucht bevor Sie sich ein Urteil
bilden. Es ist zwar etwas naiv zu glauben dass man
mit Mitteln der Beweisführung wie wir es im freien
Europa gewohnt sind gegen brutale Regimes wie das
des Iran irgendetwas ausrichten zu können, aber
allein die Tatsache dass Millionen von Menschen
tagtäglich ihr Leben riskieren um ihrem Unmut gegen
den offensichtlichen Wahlbetrug kundzutun und
gegen die Zustände im Land zu protestieren zeigt,
wie verzweifelt die Lage dieser Menschen ist.
Verharren Sie weiter in ihrem Zweifel und warten Sie
auf den Gottesbeweis, nur der, der nichts tut macht
auch keinen Fehler.

Tommy1971
01
18.6.2009, 11:59
wenn eine behörde...

... die menschen daran hindern will, mit anderen zu kommunizieren und wenn zensur betrieben wird, dann gerät das dahinter stehende regime, dass dann auch noch der "wahlsieger" ist - auch wenn der "wahlbetrug" vielleicht nur ein vermeintlicher ist - klarerweise ins kreuzfeuer der kritik. da ist ganz normal.

gäbe es diese informationssperre nicht und könnte man frei über bestehende oder vermeintliche probleme diskutieren, würde der weltweite aufschrei wohl nicht ganz so groß.

leser_3
11
18.6.2009, 12:33

ok, als kleines Gegenbeispiel zu Ihrer Herangehensweise:

Gehen wir einfach nur mal davon aus, dass es keinen Wahlbetrug gegeben haben sollte und die Menschen jetzt trotzdem demonstrieren. Wissen Sie ob diese Menschen alle friedlich demonstrieren? Wissen Sie ob die Demonstrante nicht auch Gewalt gegen Polizisten anwenden?

Sollte die derzeitige iranische Regierung denken, dass die Demonstranten zum Teil Gewalttaten anstreben, wäre es dann nicht sinnvoll wenn die iranische Regierung versucht ein Zusammetreffen von potentiell gewalttätigen Menschen zu vermeiden?

Zugegeben, extremer Vergleich, aber Nazis werden zB auch zensiert.

Solange man keine bewiesenen Fakten kennt kann man sich kein objektives Bild machen, das meine ich damit.

Bender Rodriguez
00
18.6.2009, 23:47
"wäre es dann nicht sinnvoll wenn die iranische Regierung versucht ein Zusammetreffen von potentiell gewalttätigen Menschen zu vermeiden? "

Selbst ihrer Milchmädchen-Logik sollte auffallen, dass das JEDES Recht auf Versammlungsfreiheit ausschließen würde.

Könnten (und sind auch meist) ein par Verrückte dabei sein, die Gewalt wollen. In demokratischen Staaten gibt es aber TROTZDEM das Recht auf Versammlungsfreiheit und die Rolle der Polizei ist einen sicheren Ablauf zu gewährleisten und ein Zusammentreffen feindlicher Gruppieren zu verhindern.

DAFÜR BRAUCHEN SIE KEINE ZENSUR, dafür müssen sie nicht Studenten in IHREN HEIMEN abschlachten.

Juergen Hoffmann
 
11
18.6.2009, 13:55

Bevor man hier großkotzig postet sollte man sich ein wenig mit der Datenlage vertraut machen; ansonsten ist man nur eine lächerlicher Troll!

leser_3
10
18.6.2009, 17:50

Welche Datenlage? Haben Sie stichhaltige Beweise? Wenn ja, dann einfahc nur posten, würde mir schon reichen.

Sollten Sie keine Beweise für oder gegen einen Wahlbetrug oder für absichtliches Töten von Demonstranten vorlegen können, bleibt die Frage wer von uns Beiden der Troll ist, so lange ungeklährt bis es solche Beweise gibt ;)

JBird
 
00
18.6.2009, 23:09

Gehen Sie auf www.twitter.com/persiankiwi oder oxfordgirl und wie sie alle heißen, schauen Sie sich die zigtausend links mit fotos und videos an. Da können Sie sehen, wie "offizielle" Basij auf Demonstranten losgehen.

Viel Spaß!

TekTix
06
18.6.2009, 11:18
Kanns denn sein...

... dass hier das Internet von seinen Usern einmal zu seinem ursprünglichen Zweck, nämlich der Verbreitung freier Meinung verwendet wird?
Dass ich das noch erleben darf...

Dyrn
00
18.6.2009, 23:22

ursprünglicher zweck? nein. idealtypischer zweck. ja.

angehender Medientechniker
 
01
18.6.2009, 17:27

Ich dachte immer das Internet dient der Pornografie.

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