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18. Juni 2009, 09:17
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Twitter ist eben das, was man daraus macht - Vieles, das Twitter so vielseitig macht, beruht auf den Erfindungen anderer Entwickler oder seiner User

Es ist, was man draus macht. Das ist die Eigenschaft von Twitter, die es in so kurzer Zeit so populäre machte. Iranische Kritiker des Regimes von Ahmadi-Nejad haben es derzeit zur Drehscheibe der Kommunikation ihres Protests gemacht: Während Radio und TV entweder unter der Kontrolle des Regimes sind oder blockiert werden, werden Kurznachrichten über Polizeiaktionen, Verhaftungen, Tote, Aktionsorte und Wege zur Umgehung der Nachrichtensperre ausgetauscht.

Grüne Revolution und grüne Vorwahlen

Von der "grünen Revolution" im Iran zu den "grünen Vorwahlen" in Wien: Twitter ist wesentliches Kommunikationsmittel der Aktivisten, die bei der Kandidatenerstellung der Wiener Grünen ein Wort mitreden wollen, obwohl sie offiziell nicht mitreden dürfen. Twitter macht Stimmung, informiert über Aktionen, lenkt auf Webseiten zur Vertiefung der Aktion.

Es ist, was man daraus macht

Andere schreiben über ihr Leben mit Katze oder kommentieren ihren Alltag. Cisco-Technologie-Chefin Padmasree Warrior tweetet über neue Tech-Entwicklungen, womit sie 460.000 "Follower" erreicht. Journalisten bitten ihre Twitter-Community um Input zu Interviewpartnern oder weisen auf Geschichten hin. Konferenzteilnehmer, wie z. B. dieser Tage bei der "140 character conference" über Twitter selbst, berichten fortlaufend in 140-Zeichen-Häppchen - was wiederum anderen erlaubt, sich via Twitter zu Wort zu melden; obendrein bleibt ein knappes Protokoll zum Nachlesen. Es ist eben, was man draus macht.

Die Erfindungen anderer

Für die vielen Noch-nicht-Initiierten hier die Twitter-Version davon, was Twitter ist: Sie posten in max. 140 Zeichen, was Sie sagen wollen, wer ihnen "folgt", kann's lesen, Sie lesen, wem Sie sich als "Follower" anschließen. Man glaubt gar nicht, was alles in 140 Zeichen verfasst werden kann. Ein Fan hat sogar Twitter-Synopsen zu sämtlichen Shakespeare-Stücken verfasst (http://bit.ly/yMeBJ, genialer Schummelzettel). Was nicht in 140 Zeichen gepackt werden kann, kann ausnahmsweise in weiteren Tweets (Bezeichnung der Posts) getwittert werden. Vieles, das Twitter so vielseitig macht (der Dienst wurde von Blogger-Gründer Evan Williams mit Biz Stone und Jack Dorsey gegründet), beruht auf den Erfindungen anderer Entwickler oder seiner User. Etwa die "Hashtags" genannten Stichworte, mit denen man einer Konversation folgen kann, ohne den jeweiligen Postern individuell zu folgen. Tweets aus und über den Iran finden sich beispielsweise, indem man #gr88 (gr steht für green revolution) oder #iranelection auf Twitter sucht, die grünen Vorwahlen mit #grueneVW usw.

Schweizermesser der Online-Kommunikation

User haben die Konvention geprägt, durch @twittername auf einen Tweet zu antworten oder andere Tweets zu zitieren. Auch die Möglichkeit, einen Post gleichzeitig auf Twitter und auf Facebook zu veröffentlichen (durch Zusatz von #fb am Ende des Tweets) ist von Dritten entwickelt worden. Es ist eine Art Schweizermesser der Online-Kommunikation, die sich durch diese Offenheit für neue Entwicklungen auftut. Ach, und übrigens: Man muss nicht unbedingt selbst gesprächig sein, um Twitter zu nutzen: Auch nur lesen, um auf dem Laufenden zu bleiben, ist okay. Machen Sie einfach, was Sie wollen. (Helmut Spudich aka twitter.com/ojour/ DER STANDARD, Printausgabe vom 18.6.2009)

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