Arandor-Chef will Zerschlagung verhindern

18. Juni 2009, 16:38
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Eick will Arcandor mit drei Säulen erhalten - Liquiditätssicherung für Quelle vorrangig - Insolvenzverwalter legt ersten Bericht vor

Frankfurt/Essen - Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick will im Rahmen des Insolvenzverfahrens eine Zerschlagung des Handels- und Touristikkonzerns verhindern. "Die Sanierung durch das Insolvenzverfahren bringt die einzigartige Chance, Ballast abzuwerfen und sich von alten Verträgen zu befreien", sagte Eick am Mittwochabend in Frankfurt. Ziel sei es, die drei Konzernsäulen - die Karstadt-Warenhäuser, die Versandhandelssparte Primondo und die Touristiktochter Thomas Cook - zu erhalten. "Wir haben als Unternehmen sicherlich eine Schlacht verloren, aber nicht den Krieg", sagte Eick.

Kurzfristig habe es oberste Priorität, die Stabilität und Handlungsfähigkeit von Quelle sicherzustellen, da im Versandhandel das Geld erst einige Zeit nach dem Aussenden der Waren eingehe, sagte Eick am Rande der Veranstaltung. Karstadt, wo Kunden Waren direkt bezahlen, steht dagegen laut Eick relativ stabil da.

Sanierung oder Verschmelzung

Skeptischer zeigte sich der Arcandor-Chef über den diskutierten Zusammenschluss von Karstadt mit den Kaufhof-Warenhäusern des Konkurrenten Metro. "Über das Thema wird seit zwei Jahren gesprochen, es steht derzeit aber nicht auf der Tagesordnung", sagte Eick. Letztlich müsse der Insolenzverwalter entscheiden, ob eine Sanierung von Karstadt oder eine Verschmelzung der beiden Warenhäuser die bessere Alternative sei.

Lage bei Quelle spitzt sich zu

Die Lage bei Quelle spitzt sich indes zu. Im Zentrum der Bemühungen stehe die Stabilisierung der für Quelle tätigen Essener Valovis Bank, die dringend eine Bürgschaft über 50 Mio. Euro benötige, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg am Donnerstag in Essen. Gespräche seien bereits mit dem Bund und dem Land Bayern geführt worden. Die Bank, die die Zahlungseingänge der Quelle-Kunden abwickle, habe am vergangenen Donnerstag ihre Arbeit für das Unternehmen eingestellt. Von den dringend benötigten Geldzuflüssen sei Quelle damit abgeschnitten, sagte Görg.

Damit sei derzeit auch die Finanzierung der noch in diesem Monat geplanten Auslieferung des Quelle-Winterkatalogs nicht mehr sicher. "Der Katalog ist die Existenzgrundlage eines Versandhauses", sagte Görg. Allein für den Katalog fehlen nach Angaben eines Sprechers rund 20 bis 25 Mio. Euro. Ein weiterer dreistelliger Millionenbetrag sei für die Bestellung neuer Waren notwendig. Bei einer Wiederaufnahme der Zahlungen durch die Valovis-Bank könnten diese Posten jedoch beglichen werden.

Bayerische Staatsregierung will helfen

Die bayerische Staatsregierung will dem insolventen Versandhaus Quelle helfen. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte für Donnerstagabend eine Sondersitzung des Kabinetts einberufen, um über Soforthilfe für die Arcandor-Tochter zu beraten. "Wir wollen alle Möglichkeiten ausloten, um die Arbeitsplätze zu erhalten", sagte Seehofer.

Für die Arcandor-Warenhaustochter Karstadt ist laut Görg kein Massekredit notwendig. Mit einem solchen Kredit soll bei einer Insolvenz der Geschäftsbetrieb eines Unternehmens sichergestellt werden. Die Finanzierung des Weihnachtsgeschäfts sei aus derzeitiger Sicht möglich. Mit den rund 24.000 Lieferanten des Warenhausunternehmens seien nach ersten Gesprächen nur geringe Schwierigkeiten zu erwarten. Im laufenden Monat Juni liege Karstadt mit den Umsätzen über den Zahlen des Vorjahres und über dem Plan. Am kommenden Montag sei ein Treffen mit den Vermietern der Karstadt-Warenhäuser geplant.

Nach Angaben des Amtsgerichts Essen wurden für das Unternehmen bisher insgesamt 22 Insolvenzanträge gestellt, darunter für die Muttergesellschaft Arcandor AG und 21 weitere Tochtergesellschaften. Weitere Insolvenzanträge seien nicht auszuschließen, sagte Görg. Insgesamt bestehe Arcandor aus einem Netz von mehreren hundert Gesellschaften. Die profitable Tourismus-Tochter Thomas Cook sei nicht von der Insolvenz betroffen. Arcandor hatte den Mehrheitsanteil an Thomas Cook jedoch zu großen Teilen an Banken verpfändet. Noch in dieser Woche stünden Gespräche mit den Banken bevor, sagte Görg.

Keine Blitz-Verkäufe

Pläne für eine Zerschlagung des Unternehmens oder für "Blitz-Verkäufe" verfolge er im Rahmen des vorläufigen Insolvenzverfahrens nicht, sagte Görg. Mit einer Eröffnung des Insolvenzverfahrens sei voraussichtlich bis Ende August zu rechnen. "Im Fokus steht das operative Geschäft", sagte Görg. Mit Metro-Chef Eckhard Cordes, der erst vor kurzem wieder Gespräche über eine Warenhausehe zwischen Karstadt und der Metro-Tochter Kaufhof gefordert hatte, habe er noch gar nicht gesprochen, sagte Görg.

Der Handels- und Dienstleistungskonzern Otto bekräftigte unterdessen, kein Interesse am Konkurrenten Quelle zu haben. "Wir glauben nicht, dass die Sanierung von Quelle erfolgreich möglich ist", sagte Otto-Chef Hans-Otto Schrader. Für den Umbau eines Versandhandelsunternehmens seien drei bis fünf Jahre erforderlich; diese Zeit habe Quelle nicht. Dagegen wäre Otto an anderen Teilen des Arcandor-Konzerns interessiert. Schrader bestätigte generelles Interesse an Versandhandelsunternehmen aus dem Konzern oder den Karstadt-Sporthäuser. Er betonte, Otto sei bisher nicht vom Insolvenzverwalter angesprochen worden. (APA)

 

 

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