Jens Berger

Aufstand der Generation Twitter

17. Juni 2009, 22:17

Über die Unwägbarkeiten der Internet-Kommunikation - Von Jens Berger

Kaum ein anderes Schwellenland hat eine derart aktive Internetszene wie Iran. Unzählige, meist junge, Iraner bloggen, twittern oder beteiligen sich an sozialen Netzwerken im Internet. Das Netz spielt bei auch bei den momentanen Aufständen im Land eine signifikante Rolle - über das Netz koordinieren die oppositionellen Demonstranten ihre Aktionen und versuchen, den Kampf über die Deutungshoheit in den Köpfen der Welt zu gewinnen. Über Twitter prasseln die Informationen der oppositionellen Iraner im Sekundentakt auf den Leser ein - was davon wirklich aus Iran kommt, und was von Sympathisanten weltweit eingespeist wird, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen, ist ungewiss.

Zwei Beispiele aus den jüngsten Tagen, wie Twitter-Falschmeldungen den Weg in die Medien finden: So meldeten diverse Medien am Samstag zunächst die Verhaftung des Oppositionskandidaten Mussavi - Quelle dieser Falschmeldungen war Twitter. Später verbreitete sich in den Medien die Version, Mussavi stünde unter Hausarrest - als Ursprung dieser Nachricht diente auch hier Twitter, Nachrichtenagenturen übernahmen die Ente allerdings bereitwillig. Dass diese Falschmeldungen von Mussavis Ehefrau in einem Interview mit Voice of America dementiert wurden, fand hingegen kaum Verbreitung.

Auch angeblich "echte" Wahlergebnisse, die der Opposition vorlägen, verbreiteten sich sowohl im Netz als auch später in den klassischen Medien wie ein Lauffeuer. Während einige Zeitungen vorsichtig "iranische Quellen" als Urheber für diese Meldungen nennen, erwecken andere Zeitungen bereits in der Überschrift den Eindruck, diese Ergebnisse seien überprüft und seriös und werden ihrerseits von Sekundärquellen als Urheber genannt. Nichts könnte falscher sein. Quelle dieser Zahlen ist ein User des sozialen Netzwerk Balatarin. Angeblich stammen die Zahlen mal von "Whistleblowern" aus dem Innenministerium, und mal von Wahlbeobachtern der Opposition - wie man allerdings auf Basis einiger Wahlbeobachter zu so konkreten Zahlen kommen kann, bleibt ein Rätsel.

Während viele Netzmedien Gerüchte aus dem digitalen Äther mit geradezu ideologischen Enthusiasmus aufgreifen und weiterverbreiten, sollte es Aufgabe der klassischen Medien sein, hier einen Trennstrich zu ziehen und nur verifizierbare Meldungen weiterzugeben. Die momentane Berichterstattung vieler Medien beweist allerdings genau das Gegenteil - es wird hemmungslos zitiert, was nicht überprüft werden kann. (DER STANDARD, Printausgabe, 18.6.2009)

 Jens Berger ist Medienjournalist und Betreiber des Blogs "Spiegelfechter"

byron sully
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18.6.2009, 13:33

also zunächst mal: ich muß gestehen, mit twitter bisher nicht das geringste am hut gehabt zu haben bzw. bislang eigentlich noch nie auf twitter-seiten gewesen zu sein. erst durch die iranischen demonstrationen komme ich erstmals in meinem leben dazu, twitter-nachrichten zu lesen...

was richtige/falsche informationen betrifft: stimmt an sich, natürlich besteht ein großes risiko, falsche nachrichten als richtig anzunehmen und sie dann zu veröffentlichen. aber das ist kein reines twitter-phänomen, so was kommt ja auch innerhalb "klassischer" medien oft genug vor (z.b. verbreitet auf einmal eine presseagentur, daß person XY verstorben ist und viele medien veröffentlichen das automatisch weiter).

werner bendl
 
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24.6.2009, 22:43
die diktatur wird verlieren!!!

wer wahlen unterdrueckt und fälscht wird nie die macht behalten niemals hat man menschen zu unterdruecken und zu manipulieren ich wuensche den mullahs im iran alles böse auf der welt und das was sie jetzt mit der oppostion auffuehren sie werden wenn sie keine macht mehr haben das erben was sie versucht haben zu verhindern EINEN SEKULÄREN DEMOKRATISCHEN IRAN alles gute der demoktraitschen opposition alles gute DEM DEMOKRATISCHEN PRÄSIDENTEN MOUSAVI und allen demokratischen persern
werner

Andreas Trawöger
 
00
18.6.2009, 12:43
Mousavi will be at Imam Khomeini Sq. at 4 PM

Habe auf @naeimkarimi vergessen. Sein aktueller Twitter lautet das Mousavi in einer Stunde (13:30 MET) am Imam Khomeini Platz http://bit.ly/6sQsF reden wird.

Andreas Trawöger
 
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18.6.2009, 18:03
Over 1 Million Reported In The Streets, Mousavi Appears

Gerade auf der Titelseite von http://www.huffingtonpost.com/ (inklusive Fotos).

Andreas Trawöger
 
00
18.6.2009, 12:34
Vertrauenswürdige Quellen aufbauen?

Die Krise der Medien liegt darin, dass sie sich keine Zeit mehr nehmen ihre Quellen aufzubauen. Es gibt auf Twitter genügend Personen den man wirklich vertrauen kann wie z.B. @madyar, @shahrzadmo, @Mirriaam, @lotfan, @StopAhmadi und @persiankiwi

Um das herauszufinden braucht man aber 2-3 Tage Zeit um zu beurteilen, wessen Informationen korrekt sind und welche nicht. Was in der heutigen Medienwelt scheinbar vollkommen aus der Mode gekommen scheint.

Die oben genannten Personen berichten seit Anfang an zuverlässig über Dinge Stunden teilweise Tage bevor sie bei uns in den Medien auftauchen und jeder sie liest hätte die oben genannten Beispiele leicht als Fehlinformation bewerten können.

der postbote
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22.6.2009, 15:22
wie überprüfen sie von wien aus

die vertrauenswürdigkeit einer (angeblich) aus dem iran postenden anonymen quelle?

Hari Ka
00
18.6.2009, 12:46

CNN wurde stark kritisiert weil die keine ungeprüfte Information übernommen haben und dies weit innerhalb der zwei Tage die Sie nennen.
Twitter sind mehr Unsicherheitsfaktoren als Hilfe solange sich keine geprüften Quellen entwickelt haben. Und selbst dann hindert die Twitter niemand plötzlich umzuschwenken und Gerüchte zu verbreiten denn ein neues Alias ist schnell geschaffen.

Andreas Trawöger
 
00
18.6.2009, 13:03

Einem neuen Alias vertraut niemand bzw. sollte niemand vertrauen. Was jedoch problemlos funktioniert ist bei Personen die von Anfang an über die Ereignisse berichten zu überprüfen ob ihre alten Tweeds richtig waren oder nicht (es ist nur entsprechend zeitaufwändig).

Hari Ka
00
18.6.2009, 14:36

Und dies ist leicht zu umgehen oder ein Hacker übernimmt den Account durch einen Keylogger.

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